Irankrieg: Iran beschießt Tanker in Straße von Hormus
Die iranischen Revolutionsgarden haben nach der erneuten Schließung der Straße von Hormus auf mindestens ein Schiff geschossen und auch das TUI-Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 4 bedroht. Wie die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) mitteilte, berichtete der Kapitän eines Tankers von einem Angriff durch zwei Patrouillenboote der Revolutionsgarden etwa 37 Kilometer nordöstlich von Oman. Ohne Vorwarnung hätten die Boote »auf den Tanker geschossen«, teilte die Behörde mit. Der Tanker und die Besatzung waren demnach in Sicherheit.
Die Sicherheitsfirma Vanguard Tech teilte mit, dass es sich bei dem Tanker um das Schiff Sanmar Herald gehandelt habe, das unter indischer Flagge fahre. Demnach seien durch die Schüsse Fenster an der Kommandobrücke beschädigt worden.
Das indische Außenministerium bestellte den iranischen Botschafter ein. Bei dem Treffen sei die »tiefe Besorgnis Indiens über den Schießvorfall« übermittelt worden, hieß es in einer Mitteilung des Ministeriums. Die Behörde sprach von Schüssen auf zwei Handelsschiffe. Weitere Details wurden nicht genannt.
Schiffe müssen umkehren
Zuvor hatte der Verfolgungsdienst TankerTrackers.com unter Berufung auf den maritimen Notrufkanal berichtet, die iranischen Revolutionsgarden hätten in der Meerenge zwei Schiffe gewaltsam zurückgedrängt. Wie der indische Sender NDTV unter Berufung auf Informationsquellen berichtete, wurden die Schiffe Jag Arnav und Sanmar Herald von Kanonenbooten attackiert. Niemand sei verletzt worden, auch sei kein Sachschaden entstanden. Die Schiffe hätten jedoch umkehren müssen.
Vanguard Tech teilte zudem mit, dass die Revolutionsgarden das ohne Passagiere fahrende Kreuzfahrtschiff Mein Schiff 4 beim Durchqueren der Straße von Hormus auf der Seite des Oman bedroht hätten. »Wir führen einen Einsatz aus, wir werden schießen und euch zerstören«, sollen die Revolutionsgarden laut dem Kapitän gesagt haben. In der Nähe des Schiffs sei ein Einschlag gemeldet worden, Schäden seien aber nicht gemeldet worden.
Containerschiff beschossen
Bei einem dritten Vorfall meldete ein Containerschiff nach Angaben der UKMTO, durch ein »unbekanntes Projektil« getroffen worden zu sein. Mehrere Container seien beschädigt worden, ein Feuer sei aber nicht ausgebrochen.
Der Iran hatte seine am Vortag verkündete Öffnung der Straße von Hormus rückgängig gemacht. Die iranische Armeeführung begründete die neuerliche Blockade laut Staatsmedien mit der anhaltenden US-Blockade iranischer Häfen. Die Straße von Hormus stehe nun erneut »unter strenger Führung und Kontrolle der Streitkräfte«, solange die USA nicht die freie Schifffahrt zum Iran ermöglichten, hieß es von der iranischen Armeeführung.
Nach Angaben des Schifffahrts-Analyseunternehmens Kpler gelang es während der kurzen Öffnung mindestens acht Öl- und Gastankern, die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman zu passieren. Durch die Straße von Hormus verläuft normalerweise ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen.
Kreuzfahrtschiffe passieren offenbar Straße von Hormus
Daten der Trackingplattform MarineTraffic zeigten, dass mehrere andere Rohöltanker vom Persischen Golf aus auf die Meerenge zusteuerten, dann aber kehrtmachten, ebenso wie vier Containerschiffe der französischen Reederei CMA CGM. Den Daten zufolge gelang es derweil neben Mein Schiff 4 auch drei weiteren Kreuzfahrtschiffen, die Meerenge zu passieren. Sie alle sollen ohne Passagiere unterwegs sein.
Das Kreuzfahrtunternehmen TUI Cruises teilte mit, dass die Mein Schiff 4 und die Mein Schiff 5 die Straße von Hormus »erfolgreich passiert« hätten. »Der Fokus liegt nun auf der zügigen Weiterfahrt der Schiffe in Richtung Mittelmeer.«
Die iranischen Revolutionsgarden drohten indes mit weiteren Angriffen auf alle
Schiffe, welche die Straße von Hormus zu durchfahren versuchen. »Jeder
Versuch, sich der Straße von Hormus zu nähern, wird als Kooperation mit
dem Feind betrachtet werden«, teilten die Revolutionsgarden mit. Jedes
Schiff, das auf die Meerenge zufahre, werde »ins Visier genommen«.
Lesen Sie alle aktuellen Entwicklungen im Irankrieg in unserem Liveblog.