Großer Teil in Tunneln: Experten: Irans Atomprogramm ist zurückgeworfen – wohl nicht vernichtet

Großer Teil in TunnelnExperten: Irans Atomprogramm ist zurückgeworfen – aber nicht vernichtet

16.04.2026, 07:34 Uhr

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Vor dem zwölftägigen Krieg im Sommer berechnete die IAEA, dass der Iran etwa über 440 Kilogramm hochangereichertes Uran verfügte. (Foto: picture alliance/dpa/Maxar Technologies)

Die USA und Israel rechtfertigen den Krieg mit dem iranischen Atomprogramm. Vertreter der Länder sprechen von erheblichen Beschädigungen. Experten gehen jedoch davon aus, dass ein Großteil des hochangereicherten Urans weiterhin im Iran versteckt ist.

Niemals dürfe der Iran Atomwaffen besitzen – dies ist eine der Begründungen, mit denen Donald Trump den Krieg gegen den Iran begonnen hat. Und der Streit um das iranische Atomprogramm steht auch im Mittelpunkt der Verhandlungen, die die USA und der Iran unter pakistanischer Vermittlung führen. Nach Angaben von Experten haben die US-israelischen Angriffe dem iranischen Nuklearprogramm zwar bereits schwere Schäden zugefügt – es jedoch nicht komplett vernichtet.

„Der Iran ist nicht mehr die Schwellenmacht, die er einst war“, konstatiert ein israelischer Diplomat, der anonym bleiben möchte. Ein nuklearer Schwellenstaat verfügt über das Fachwissen, die Ressourcen und die Einrichtungen, um kurzfristig eine Atomwaffe bauen zu können.

Im Krieg gegen den Iran sei nicht nur wichtige Infrastruktur, sondern auch Know-how zerstört worden, sagt der Diplomat. Wissenschaftler seien getötet und Universitäten gezielt angegriffen worden, „in denen sich die Rechenzentren mit dem iranischen Fachwissen befanden“.

Auch der Experte Spencer Faragasso vom Institute for Science and International Security, einer auf die Beobachtung des iranischen Atomprogramms spezialisierten US-Denkfabrik, stellt fest: „Insgesamt hat dieser Konflikt das iranische Atomprogramm erheblich zurückgeworfen.“ Es werde „viel Zeit, Investitionen und Ressourcen erfordern, all diese verlorenen Fähigkeiten wiederherzustellen“.

220 Kilogramm Uran bei Isfahan

Teheran hat stets die Anschuldigungen zurückgewiesen, dass es die Entwicklung von Atomwaffen betreibe, und beteuert, dass sein Nuklearprogramm allein zivilen Zwecken diene. Allerdings hat der Iran nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in den vergangenen Jahren Uran auf 60 Prozent angereichert. Das liegt weit über dem Anreicherungsgrad, der für den Betrieb von Atomkraftwerken nötig ist – und schon ziemlich nahe an dem Grad von 90 Prozent, der für eine Atombombe gebraucht wird.

Vor dem zwölftägigen israelischen Krieg gegen den Iran im vergangenen Juni – an dem sich zeitweise auch die USA beteiligten – hatte die IAEA berechnet, dass das Land über etwa 440 Kilogramm auf 60 Prozent angereichertes Uran verfügte. Damals wie auch in dem Ende Februar begonnenen neuen Krieg ist es den USA und Israel nicht gelungen, Zugriff auf das hochangereicherte iranische Uran zu erlangen.

Ein Teil des Bestands an hoch angereichertem Uran wird weiterhin in den Tunneln am Standort Isfahan im Zentrum des Landes vermutet. Mindestens 220 Kilogramm des auf 60 Prozent angereicherten Urans solle in dem unterirdischen Tunnelkomplex in Isfahan gelagert sein, sagt Faragasso. „Der Verbleib der anderen Hälfte ist unklar, aber wir glauben, dass sie unter den Trümmern in Fordo vergraben ist.“ Die Atomanlage Fordo liegt ebenfalls im Zentrum des Landes.

Die Entsendung von Bodentruppen, um diese Uranvorräte zu beschlagnahmen, wäre ein sehr komplizierter und gefährlicher Einsatz. Diskutiert wird darüber, wie das hochangereicherte Uran stattdessen auf friedlichem Weg aus dem Iran geholt werden könnte.

Russland bietet Lagerung an

Russland bot an, bei einem Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran solches iranisches Uran auf seinem Staatsgebiet zu lagern – doch dieses Szenario ist für die Europäer undenkbar angesichts des seit mehr als vier Jahren andauernden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Moskau und Teheran kooperieren bereits im nuklearen Bereich – beim Bau und Betrieb des Akw Buschehr im Südiran.

Laut US-Medienberichten fordern die USA im Ringen um eine Friedenslösung eine 20-jährige Pause der iranischen Urananreicherung. Teheran soll demnach vorgeschlagen haben, seine nuklearen Aktivitäten für fünf Jahre auszusetzen. Allerdings beharrte der Iran am Mittwoch auf seinem „unanfechtbaren“ Recht auf die Urananreicherung. Der Sprecher des Außenministeriums in Teheran, Esmail Baghai, sagte jedoch auch, dass das „Ausmaß“ der Anreicherung „verhandelbar“ sei.

Durch die Kriegsschäden ist der Iran nach Einschätzung des Experten Danny Orbach von der Hebräischen Universität Jerusalem jedoch ohnehin „nicht mehr in der Lage, Uran anzureichern“. Es bleibt demnach bei den vorhandenen Beständen, und eine Urananreicherung auf mehr als 60 Prozent ist nicht möglich. „Das bedeutet, dass sie derzeit keine Atombombe bauen können“, sagt Orbach.

Quelle: ntv.de, raf/AFP

Source: n-tv.de