Gewalt gegen Frauen: Friedrich Merz, weitestgehend schon ein Feminist

Der Kanzler wirkt gar nicht so, als bräuchte er jemanden, der ihn in Schutz nimmt. Im Gegenteil, er scheint sich seiner Sache meist sehr sicher. Nicht immer zu seinem Vorteil. Trotzdem will ich ihn in Schutz nehmen. Oder ihm einfach recht geben. Er hat sich im Bundestag zur Gewalt gegen Frauen geäußert, im „analogen wie im digitalen Raum“, er hat gesagt, dass die Gewalt explodiert sei und es zur Vollständigkeit des Bildes gehöre, dass nicht deutsche Täter einen „beachtlichen Teil“ ausmachten.

Mit dem Wort „explodieren“ liegt er falsch, wie mein Kollege Philipp Daum recherchiert hat. Nicht aber damit, dass der Anteil nicht deutscher Täter im Bereich häuslicher Gewalt beachtlich ist, nämlich überproportional hoch im Verhältnis zum Bevölkerungsanteil. Im Dunkelfeld häuslicher Gewalt verschwinden so viele Taten, dass die Interpretation von Statistiken schwierig ist. Die Zahlen sind jedoch mehr oder weniger gesichert zur Extremform häuslicher Gewalt, dem Femizid durch den Partner oder Ex-Partner, dem jedes Jahr über 100 Frauen zum Opfer fallen – ein Tötungsdelikt lässt sich nicht so leicht verstecken. Und wenn man den Anteil Nichtdeutscher an der Gesamtbevölkerung berücksichtigt, kommt man für das Jahr 2023 beispielsweise zu einem um das 1,7- bis 2,2-Fache erhöhten Risiko für Frauen, getötet zu werden, wenn sie mit einem Nichtdeutschen zusammen sind (das zeigt unsere Recherche zu Femiziden)