Gewalt, Beleidigungen, Polizeieinsätze – Berlin schließt umstrittene Unterkunft in Hotel

Nach Jahren voller Konflikte ist Schluss: Die umstrittene Notunterkunft für Rumänen und Bulgaren im Berliner Nollendorfkiez wird geschlossen. Polizeieinsätze und Nachbarschaftsstreit hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Die Lesben- und Schwulenunion begrüßte die Freigabe der Belegung.

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Die umstrittene Notunterkunft für Wohnungslose in einem Hotel im Berliner Stadtteil Schöneberg ist geschlossen worden. Wie aus einer Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Landtagsabgeordneten Katharina Senge hervorgeht, haben die Bezirksämter die Belegung des „BB Hotels“ in der Fuggerstraße beendet. Das bedeutet, dass dort wegen Wohnungslosigkeit untergebrachte Personen ausziehen mussten. Darüber berichtet zunächst der Berliner „Tagesspiegel“.

Das Hotel lief als Eigenbetrieb, hat keine Verbindung zu der bekannten Hotelkette B&B. Seit 2015 war die Immobilie von mehreren Bezirken als sogenannte vertragsfreie Unterkunft genutzt worden – ursprünglich als pragmatische Notlösung. In den vergangenen Jahren entwickelte sich der Standort jedoch zu einem Brennpunkt im Nollendorfkiez und sorgte wiederholt für Kritik aus der Nachbarschaft.

Spätestens seit 2020, als dort vermehrt Großfamilien aus Rumänien und Bulgarien untergebracht wurden, verschärfte sich die Lage. Anwohner berichteten von Lärm, Vermüllung, Konflikten und homosexuellenfeindlichen Vorfällen in dem traditionell als „Regenbogenkiez“ bekannten Viertel.

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Die Berliner Lesben- und Schwulenunion (LSU), eine Sonderorganisation der CDU Berlin, begrüßte, dass die Empfehlung der Unterbringung widerrufen wurde: „Damit findet eine für den Regenbogenkiez belastende Situation ihr Ende“, teilte der Verband mit. Gute Sozialpolitik brauche „Augenmaß und keine ideologische Blindheit“, heißt es weiter: „Der Regenbogenkiez ist kein beliebiges Experimentierfeld für Notunterkünfte.“ Der Verband habe immer vor einer Überforderung der Infrastruktur gewarnt. Dass die zuständige Senatorin nun mitteile, es bestehe kein weiterer Handlungsbedarf, nehme die LSU beim Wort: „Der Freizug muss jetzt ohne Wenn und Aber zu Ende geführt werden“, forderte der Landesvorsitzende René Powilleit.

97 Einsätze binnen eines Jahres

Immer wieder musste die Polizei zu dem Hotel ausrücken. Zwischen März 2025 und März 2026 wurden an der Adresse 97 Einsätze registriert, unter anderem wegen Ruhestörungen, Hausfriedensbruch und Körperverletzungen. Auch im Umfeld, etwa an einem nahegelegenen Spielplatz, kam es wiederholt zu Übergriffen.

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Ein Vorfall Anfang Juli 2025 sorgte für besondere Aufmerksamkeit. Ein Anwohner der Fuggerstraße wurde nach einem Wortwechsel von Jugendlichen aus dem Hotelgebäude mit einem Pflasterstein beworfen. Die Tat wurde auf Video dokumentiert, Schneider erstattete Anzeige.

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Die Gewerkschaft der Polizei hatte der Bezirkspolitik daraufhin Untätigkeit vorgeworfen. Die Bezirksregierung in Tempelhof-Schöneberg wolle nicht wahrhaben, dass die dort lebenden Menschen die EU-Freizügigkeit als „Freizügigkeit bei Sozialleistungen“ auslegten, sagte Sprecher Benjamin Jendro „WELT TV“. Zwar dürfe jeder seinen Wohnsitz in der EU frei wählen, sagte Jendro, aber: „Wir müssen feststellen, dass es seit ein paar Jahren so geht.“ Die Betreiberin des Hotels mache sich einen „Reibach“, hatte er kritisiert.

Nun hat also das zuständige Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg die Belegung nach dem Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetz (ASOG) widerrufen; das Hotel darf nicht mehr für Wohnungslose genutzt werden. Alle zuvor dort lebenden Menschen mussten ausziehen. Zum Zeitpunkt der Entscheidung waren noch vier Personen gemeldet. Ob weiterhin dort wohnen, ist dem Senat zufolge unklar. In einem Fall wird der Auszug noch organisiert.

Source: welt.de