Ergebnis jener Ungarn-Wahl: »Wieder stolz, in Ungarn geboren zu sein«

DIE ZEIT: Herr Ungváry, wie haben Sie den ungarischen Wahlabend erlebt?

Krisztián Ungváry: Ich gehe normalerweise um 22 Uhr ins Bett. Aber am Wahlsonntag war ich bis 3.30 Uhr auf den Straßen in Budapest unterwegs. Ständig hat mich jemand umarmt und sich bei mir bedankt, als sei ich ein gewählter Abgeordneter, dabei mache ich historische Sendungen bei YouTube. Die Menschen haben fast geweint, überall waren junge Leute, die das Gefühl teilten, befreit worden zu sein! Mich hat das an die Wende 1989 erinnert. In Ungarn ist sie im Konsens geschehen: Die Staatspartei hat sich demokratisch transformiert. Jetzt hingegen hat die Staatspartei immer mehr verdeckte und offene Gewalt für den Machterhalt angewendet, inklusive der Bespitzelung von Orbáns politischen Gegnern. Die Orbán-Herrschaft stellt einen Tiefpunkt in der ungarischen Geschichte dar.