Datev-index: Im Mittelstand wachsen nur die Lohnkosten

Das Einzige, was im deutschen Mittelstand derzeit wächst, sind die Lohnkosten. Der Datev-Mittelstandsindex, den die F.A.Z. exklusiv veröffentlicht, zeigt für März an, dass die Löhne der kleinen und mittelgroßen Unternehmen (KMU) branchenübergreifend gegenüber dem Vorjahresmonat um 6,5 Prozent  gestiegen sind. Demgegenüber ergab sich für den Umsatz aller Unternehmen gegenüber dem März 2025 nur ein kleines  Plus von 0,2 Prozent, im Endeffekt also Stagnation. Die Beschäftigung im Mittelstand ging leicht um 0,2 Prozent zurück.

Damit dauern die Trendentwicklungen der vergangenen Jahre an: steigende Löhne, ein Umsatz, der nicht vom Fleck kommt, und eine Beschäftigung, die seit 2023 fast Monat für Monat ein klein wenig schrumpft. „Das ist keine Erholung, sondern Stillstand unter Druck“, kommentierte Robert Mayr, der Vorstandsvorsitzende der Datev-Genossenschaft, mit Verweis auf die steigenden Löhne bei einer stockenden Umsatzentwicklung.

Besonders stark stiegen die Löhne im März im Baugewerbe um 7,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, während die Beschäftigung in der Branche um 1,8 Prozent zurückging. Im verarbeitenden Gewerbe sank die Beschäftigung um 1,4 Prozent, bei einem Lohnzuwachs von durchschnittlichen 6,4 Prozent. Im Gastgewerbe, das mit der Erhöhung des Mindestlohns am Jahresbeginn abermals belastet wurde, sank die Beschäftigung um 1,1 Prozent.

Umsatz von Lohnwachstum entkoppelt

Seit 2023 wächst der nominale Umsatz im Mittelstand nicht mehr parallel zur steigenden Lohnentwicklung und sinkt im Trend. Damit spiegelt der Datev-Mittelstandsindex den Produktionsverfall im verarbeitenden Gewerbe. Am Jahresbeginn deutete der Umsatzindex auf eine gewisse Belebung im Mittelstand hin, erklärte Datev-Chefvolkswirt Timm Bönke und verwies auf die Logistikbranche, die als Frühindikator der Konjunktur gilt. Die staatliche Nachfrage nach Infrastruktur- und Rüstungsgütern griff offenbar auch auf Zulieferer im Mittelstand über. „Diese Belebung der Logistik im Mittelstand ist im März abgebrochen“, sagte Bönke.

Im verarbeitenden Gewerbe lag der Umsatz nach der Datev-Analyse vom März um 3,6 Prozent höher als vor einem Jahr. Im Baugewerbe und im Handel stieg der Umsatz um 2,6 und 1,9 Prozent. Gedrückt wurde die Umsatzentwicklung insgesamt unter anderem durch ein Minus im Bereich Sonstige Dienstleistungen von 2,7 Prozent.

Datev, der Informationsdienstleister für die steuerberatenden Berufe, greift für die Analyse auf die Umsatzsteuervoranmeldungen von mehr als einer Million Unternehmen und auf die Lohn- und Gehaltsabrechnungen für mehr als 8 Millionen Arbeitnehmer zu. Die Daten werden anonymisiert und aggregiert zu dem Mittelstandsindex verdichtet, der früher als die amtliche Statistik die konjunkturelle Entwicklung im Mittelstand aufzeigt.