Bundeswehr: Das ist die neue Militärstrategie

Die neue deutsche Militärstrategie umfasst vier Kernbereiche: die Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung, die neue Strategie der Reserve, der personelle Aufwuchsplan der Bundeswehr sowie die Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda EMA 26.
Gesamtkonzeption der militärischen Verteidigung
Die Militärstrategie und das Fähigkeitsprofil der Bundeswehr, der „Plan für die Streitkräfte“, bleiben geheim. Das Verteidigungsministerium hat dafür Szenarien identifiziert und festgelegt, wie die Bundeswehr „kämpfen wird, wenn sie kämpfen muss“. Kernaufgabe wird die Landes- und Bündnisverteidigung bleiben, teilt das Verteidigungsministerium mit. Folgende Ziele werden ausgegeben:
- Die Bundeswehr wird bis 2039 die stärkste konventionelle Armee in Europa.
- Die Bundeswehr orientiert sich an einer schnellen Maximierung der Verteidigungs- und Durchhaltefähigkeit.
- Die Streitkräfte werden zu einer technologisch überlegenen Truppe.
Bei der Vorstellung der neuen Strategie legte Pistorius den Fokus auf die Fähigkeiten „Deep Strike“ – also militärische Präzisionsschläge auf Ziele weit hinter der Frontlinie –, Drohnen, Flugabwehr und KI.
Strategie der „Neuen Reserve“
In den deutschen Streitkräften sollen perspektivisch 460.000 Soldatinnen und Soldaten dienen, heißt es im Abschnitt zur Reserve. Bis 2033 soll diese auf mindestens 200.000 Reservisten anwachsen. „Die Reservedienstleistung soll aber auch für die Arbeitgeber planbar und verlässlich sein“, schreibt das Verteidigungsministerium.
Das soll die Reserve leisten:
- Schutz- und Sicherungsaufgaben / Heimatschutz: Unter anderem soll sie das Funktionieren der logistischen Drehscheibe im Bündnis- und Verteidigungsfall gewährleisten.
- Einsatz im Gefecht
- Teilnahme an Ausbildung und Übungen
Personeller Aufwuchsplan
Das zum 1. Januar 2026 in Kraft getretene Wehrdienst-Modernisierungsgesetz verankert einen Aufwuchspfad mit quantitativen und zeitlichen Vorgaben für den Personalaufbau der Bundeswehr.
- Zielmarke: 260.000 aktive Soldaten
- bis 2029: Aufwuchs der Verteidigungsfähigkeit und personeller Einsatzbereitschaft
- bis 2039: Fähigkeitszuwachs in den Dimensionen Land, See, Cyber und Weltraum
- bis 2039: Technologische Überlegenheit
Bis 2029 rechnet das Bundesverteidigungsministerium mit 204.000 Soldaten und 140.000 Reservisten. In diesem Jahr habe es bereits zehn Prozent mehr Einstellungen gegeben als im Vorjahr, sagte Staatssekretär Nils Hilmer.
EMA 26
Um die Bundeswehr von unnötiger Bürokratie zu befreien, hat Pistorius die Entbürokratisierungs- und Modernisierungsagenda EMA 26 gebilligt. Sie umfasst:
- 153 Maßnahmen in 580 Schritten
- Aufgaben, die nicht unmittelbar der Landes- und Bündnisverteidigung dienen, werden überprüft, neu priorisiert oder abgeschafft.
- Die Anzahl der internen Vorschriften wird reduziert.
- Vorschriften, die abgelaufen sind, werden automatisch außer Kraft gesetzt.
- Funktionen von Beauftragten werden hinterfragt, gebündelt oder abgeschafft.
- Melde- und Berichtspflichten werden reduziert.
Auch für die Entbürokratisierung will das Verteidigungsministerium Künstliche Intelligenz nutzen als „Alltagshelfer“. Zudem sollen Bundeswehrsoldaten künftig eine digitale Brieftasche bekommen.
Source: faz.net