Britischer Ölmulti: BP liefert Aktionären wenige „bittere Pillen“

Kurz vor dem Antritt der neuen Vorstandschefin Meg O’Neill hat der britische Energiekonzern BP einige harte Entscheidungen getroffen, die das Ausmaß der Strategiewende verdeutlichen.

BP stoppt als erster internationaler Öl- und Gaskonzern seine Aktienrückkäufe, wie das Unternehmen mitteilte. An der Börse kam die Nachricht schlecht an. Der Aktienkurs von BP fiel am Dienstag zeitweilig um mehr als fünf Prozent.

BP habe den Anlegern „bittere Pillen“ serviert mit den Resultaten zum vierten Quartal, urteilte der Analyst Derren Nathan vom Investmenthaus Hargreaves Lansdown. Auch auf Sicht von zwölf Monaten liegt der BP-Aktienkurs nun im Minus.

BP fällt an der Börse im Vergleich mit Shell zurück

Übergangschefin Carol Howle verkündete zudem Wertberichtigungen. Rund vier Milliarden Dollar (3,4 Milliarden Euro) schreibt BP auf Geschäfte jenseits von Öl und Gas ab.

Das bezieht sich vor allem auf das Solarunternehmen Lightsource und den amerikanischen Biogasproduzenten Archaea. Lightsource ist der größte Solarparkentwickler in Europa. Diese Bereiche entwickeln sich aber aus Sicht von BP zu wenig rentabel.

Meg O’Neill übernimmt bald das Ruder bei BP.
Meg O’Neill übernimmt bald das Ruder bei BP.Reuters

Der Konzern, in Deutschland vor allem mit den Aral-Tankstellen bekannt, will sich darauf konzentrieren, den Verschuldungsgrad zu senken und die Bilanz zu reparieren, wie Interimsvorstandschefin Howle und Finanzchefin Kate Thomson betonen. Der bereinigte Gewinn sank 2025 auf 7,5 Milliarden Dollar (6,3 Milliarden Euro), was auch am schwächeren Ölpreis lag.

Der BP-Börsenwert ist nun auf knapp 71 Milliarden Pfund (81 Milliarden Euro) geschrumpft. Gegenüber dem größeren Wettbewerber Shell (160 Milliarden Pfund) ist er damit noch weiter zurückgefallen.

Ehrgeizige Energiewendestrategie scheiterte

Dessen Vorstandschef Wael Sawan hat erst vorige Woche betont, dass er abermals 3,5 Milliarden Dollar im Quartal ausschütten wird. „BP bietet nun eine deutlich geringere Ausschüttungsrendite als andere Unternehmen der Branche“, monierte Biraj Borkhataria, ein Analyst der kanadischen RBC Capital.

BP lahmt seit Jahren und ist Schlusslicht im Quintett der westlichen „Big-Oil“-Konzerne. Die relative Schwäche liegt vor allem daran, dass der Konzern unter dem früheren Vorstandsvorsitzenden Bernard Looney eine ehrgeizige Energiewendestrategie gefahren ist, die aber scheiterte. Looney wollte die Öl- und Gasproduktion zurückfahren und Vorreiter einer „grünen“ Energiewende sein.

2023 musste er wegen einer Affäre um Beziehungen zu Mitarbeiterinnen zurücktreten. Sein Nachfolger Murray Auchincloss leitete eine Wende ein und kündigte voriges Jahr einen „strategischen Neustart“ an. Dies bedeutet vor allem, dass BP sich wieder auf Erdöl und Erdgas konzentriert.

Beteiligungen in den Niederlanden werden verkauft

Nun hat BP schmerzhafte Wertberichtigungen auf Geschäfte mit erneuerbaren Energien vollzogen. Schon vor einigen Wochen hatte BP Abschreibungen in seinem „Energiewende-Portfolio“ von bis zu fünf Milliarden Dollar angekündigt.

Zudem zieht Interimschefin Howle die Kostenschraube an. Der Konzern mit 100.000 Mitarbeitern soll sparen. Im vergangenen Jahr gelang dies kaum. Bis Ende 2027 sollen die Kosten um 5,5 bis 6,5 Milliarden Dollar sinken.

Fortschritte verkündete Howle zu Verkäufen von Geschäftsbereichen. Auchincloss wollte 20 Milliarden Dollar erzielen. Inzwischen seien mehr als elf Milliarden Dollar eingespielt. Vor Kurzem erzielte BP eine Einigung, um einen fünfundsechzigprozentigen Anteil am Schmierölhersteller Castrol abzugeben, was etwa sechs Milliarden Dollar einbringt.

Außerdem verkauft das Unternehmen Beteiligungen in den Niederlanden und Windparks in den USA. Ziel ist es, die Nettoverschuldung zu reduzieren, die immer noch bei gut 22 Milliarden Dollar liegt, und zugleich Geld in der Kasse zu haben für neue Investitionen. Am 1. April übernimmt die neue Vorstandsvorsitzende Meg O’Neill das Ruder, die in Australien den Energiekonzern Woodside Energy zum größten Öl- und Gasförderer ausgebaut hat.