Ein Interview von Alexandra Popp gerät zur Abrechnung. Die Ex-Spielführerin der Nationalmannschaft geht mit der deutschen Auswahl hart ins Gericht. Auch ihr aktueller Klub kommt bei ihrem Rundumschlag nicht gut weg.
Alexandra Popp hat die Nachwuchsarbeit im deutschen Frauenfußball kritisiert – und als Folge daraus auch die Leistungen des Nationalteams. „In den letzten Jahren haben wir uns zu stark auf althergebrachte Tugenden zurückgezogen. Wir haben uns in Spiele reingebissen und über Kampf und Disziplin Partien für uns entschieden“, sagte die frühere Kapitänin der DFB-Auswahl in einem „11Freunde“-Interview. „Aber schönen, qualitativ hochwertigen Fußball haben wir mit der Nationalelf zuletzt nicht angeboten. Da müssen wir wieder hin.“
Die 35-Jährige verlässt zum Saisonende nach 14 Jahren den VfL Wolfsburg und wechselt zum Zweitliga-Aufstiegskandidaten Borussia Dortmund. Popp hatte schon immer für die Weiterentwicklung ihres Sports gekämpft und scheute dabei keine öffentliche Kritik. „Die Vereine und der Verband müssen enger zusammenarbeiten und die Nachwuchsausbildung mehr fördern und intensivieren. Dann würde die Nationalelf auch wieder besseren Fußball spielen“, sagte sie nun.
Die Auswahl von Bundestrainer Christian Wück erreichte zwar im vergangenen Jahr das EM-Halbfinale und das Nations-League-Finale, zeigte aber zuletzt wenig spielerische Weiterentwicklung.
Vormachtstellung des FC Bayern „nervt total“
Sie sei nicht so tief drin in der Nachwuchsarbeit, um sich ein abschließendes Urteil erlauben zu können, so Popp. „Mein Eindruck ist aber, dass es nicht mehr die zwei, drei Talente aus jedem Nachwuchsjahrgang gibt, bei denen man erkennt: Die haben das Zeug für die Nationalelf“, monierte sie.
Beim DFB sei es ähnlich wie beim VfL Wolfsburg, so die Olympiasiegerin von 2016 und 145-fache Nationalspielerin: „Der Verband hat sich zu sehr auf den Erfolgen ausgeruht und zu wenig in die Jugendförderung investiert.“
Die Vormachtstellung des FC Bayern, der am Mittwochabend zum vierten Mal in Serie bei den Frauen Meister geworden ist, nervt Popp „total“, wie sie unverblümt sagte: „Natürlich habe ich kritisch verfolgt, wie sich die Dinge beim VfL in den letzten Jahren entwickelt haben. Insbesondere was unsere Infrastruktur betrifft, hätten die Schritte größer sein können, wenn wir mit Bayern oder auch der europäischen Spitze hätten mithalten wollen.“
Die Münchener stehen vor dem Hinspiel im Halbfinal-Duell der Champions League an diesem Samstag (18.15 Uhr, Disney+) in der Allianz-Arena gegen den FC Barcelona. Ähnlich wie beim Team der Katalanen ist die nationale Dominanz der Bayern erdrückend. Sie kassierten in dieser Saison noch gar keine Niederlage in der Liga, mit 19 Siegen nacheinander hübschten sie den Vereinsrekord auf. 84:8 Tore, 15 Punkte mehr als der VfL Wolfsburg auf Platz zwei – dem Gegner im DFB-Pokalfinale am 14. Mai.
Fast zeitgleich mit den Frauen des FC Bayern feierte auch Barcelona den vorzeitigen Meisterschaftsgewinn dank eines 4:1 im Stadtduell mit Espanyol. Es war der elfte Titel insgesamt, der siebte in Serie. Barcelona gewann 25 seiner 26 Partien, eine ging verloren. 116:7 lautet die Torbilanz. Der Vorsprung auf Platz zwei, den Real Madrid belegt, beträgt 16 Punkte.
pk/dpa
Source: welt.de