China: An jener Seite Irans – jedoch nicht zu offensichtlich


analyse

Stand: 23.04.2026 • 14:56 Uhr

Wie verhält sich China im Iran-Krieg? Einerseits unterstützt Peking das Teheraner Regime, etwa mit seinem Satellitensystem. Zugleich achtet man genau darauf, es sich mit anderen Akteuren nicht zu verscherzen.

Eine KI-generierte Parodie zeigt die USA als erratischen und kriegslüsternen Adler. Ihm ausgelieferte Katzen sollen offenbar Iran darstellen, der sich auch wehrt: Es sind Videos des chinesischen Staatsfernsehens. Mit Millionen Likes sind sie auf Social Media sehr beliebt.

Chinas Staats- und Parteiführung nutzt den Iran-Krieg für die eigene Propaganda. Die kontinuierliche Botschaft bei den Pressekonferenzen des chinesischen Außenministeriums: Die USA ist der gewissenlose Angreifer und China der verantwortungsvolle Friedensstifter.

Dabei ist die eigentliche Rolle Chinas nicht so eindimensional und weitaus komplexer, als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Und vor allem: Sie ist alles andere als neutral.

Viele Forscher sehen im Iran-Krieg und dem Verhalten von US-Präsident Donald Trump eine günstige Situation für die chinesische Führung, ihre eigenen geopolitischen Ziele voranzutreiben. So auch Sebastian Heilmann von der Universität Trier: „Das internationale Ansehen der USA ist in den vergangenen Wochen wie ein Stein gesunken, und China ist sehr stabil, beziehungsweise aufsteigend.“

Handel mit Iran – Chinas Hebel

China habe ein Interesse daran, sich als internationale Großmacht zu positionieren und zeige das, indem es versuche, Iran an den Verhandlungstisch zu bringen: „Da es bei weitem der wichtigste Handelspartner für Iran ist und auch die wichtigste Technologiequelle, hat China da auch Hebel.“

Die Strategie, die die Machthaber in Peking verfolgen, nennt May-Britt Stumbaum, Direktorin der sicherheitspolitischen Denkfabrik SPEAR-Institut, pro-iranische Neutralität. „China hat eine Doppelrolle im Iran-Konflikt“, sagt sie: Auf der einen Seite stelle es sich als Friedensvermittler dar, auf der anderen Seite unterstütze es Iran sehr stark, „diplomatisch zusammen mit den Russen durch ihre Vetos im UN-Sicherheitsrat, aber vor allen Dingen auch durch die Technik“.

Die Bedeutung, die China als Handelspartner für Iran hat, zeigt sich daran, dass bislang mindestens 80 Prozent der iranischen Ölausfuhren trotz internationaler Sanktionen nach China gingen. Die Volksrepublik aber bezieht nur etwa 13 Prozent aus Iran. Länder wie Saudi-Arabien, Oman und Irak liefern zusammengenommen deutlich mehr nach China. Russland ist der Hauptlieferant für Öl.

China verfügt zudem über große Ölreserven. Im Moment ist das ein strategischer Vorteil für die Volksrepublik. Iran ist abhängig von China, umgekehrt gilt das nicht.

2024 trafen sich die Präsidenten Irans und Chinas, Peseschkian und Xi, beim BRICS-Gipfel im russischen Kasan.

Iran unterstützen, ohne selber sanktioniert zu werden

2021 unterzeichneten die beiden Länder ein Abkommen für 25 Jahre, mit dem die wirtschaftliche, militärische und technologische Zusammenarbeit vertieft werden sollte.

Die chinesische Staats- und Parteiführung habe ein Interesse daran, Iran als einen Partner in ihrer Strategie zu erhalten und auch weiter zu fördern, erklärt May-Britt Stumbaum vom SPEAR-Institut: „Das ist immer dieses Hin- und Herspielen. Man möchte Iran unterstützen, und auf der anderen Seite will man keine Sanktionen bekommen. Dieses Abkommen zum Beispiel sind Investitionen von bis zu 400 Milliarden Dollar über 25 Jahre. Man hat einen langen Zeitraum, das heißt, man kann nicht sofort gemessen werden.“

Ein Zeichen für die langfristig angelegte strategische Zusammenarbeit sind gemeinsame Militärübungen, die immer wieder abgehalten werden. Ein Marinemanöver etwa von China, Iran und Russland fand in den vergangenen Jahren regelmäßig statt – und zwar am Golf von Oman, der an der Straße von Hormus liegt.

Unterstützung durch chinesische Satellitenbilder

Unter Sicherheitsexperten gilt als sicher, dass China Iran seit langem Dual-Use-Güter, die auch militärisch verwendet werden können, liefert. Und nun auch Satelliten zur Verfügung stellt, wie Stumbaum sagt: „Durch chinesische Satellitenbilder und Zugang zu dem Satellitennetzwerk Beidou ist Iran viel besser in der Lage auf die amerikanischen Angriffe zu reagieren und gegenzuschlagen, als das noch vor einem Jahr im Zwölf-Tage-Krieg war.“

US-Berichte, wonach Peking Lieferungen von Flugabwehrsystemen an Iran vorbereite, werden von der chinesischen Seite dementiert.

Iran ist für China ein notwendiger Unterstützer des größeren geostrategischen Ziels, aber es will sich schon allein wegen der Bedeutung der Nachbarländer nicht zu sehr auf eine Seite schlagen.

Die Golfregion, so Sebastian Heilmann, sei eine der wichtigsten Wachstums- und Zukunftsregionen in der ganzen Weltwirtschaft, und mit der wolle China die Zusammenarbeit verstärken. „Vor allem geht es darum, den Einfluss der Amerikaner in der Region zurückzudrängen“, sagt er. So bindet China auch Saudi-Arabien durch milliardenschwere Investitionen an sich, im Rahmen seiner Handelsinitiative, der sogenannten Neuen Seidenstraße.

„Mehr Autonomie vom Westen“

Mit Iran, Russland und auch mit Nordkorea teile China ein gemeinsames Kerninteresse. Diese sogenannten CRINK-Staaten (China, Russland, Iran und Nordkorea) hätten das gleiche Ziel: „mehr Unabhängigkeit und Autonomie vom Westen, um Sanktionen gegenüber unabhängiger zu werden und die Weltordnung auch so zu ändern, dass ihre Regime erhalten bleiben.“

Auf der taktischen Ebene arbeiteten sie auch im Detail zusammen – seien aber stets darauf bedacht, nicht voneinander abhängig zu werden, so Stumbaum. Iran und Russland sind auch Mitglieder in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, die Peking als alternativen Zusammenschluss für eine globale Sicherheitsarchitektur beschreibt.

Die KI-generierte Parodie des chinesischen Staatsfernsehens ist eine Serie und wird offenbar noch fortgesetzt. Wie es zwischen Adler und Katze ausgeht, ist noch offen. China wird selbstverständlich nicht thematisiert in den Videos.

Source: tagesschau.de