Es waren die ersten direkten Verhandlungen zwischen Israel und Libanon seit 1983. Vermittler Rubio begrüßte dazu die libanesische Botschafterin in den Vereinigten Staaten, Nada Hamadeh, und den israelischen Vertreter in Washington, Jechiel Leiter. Das Treffen kam auf Druck der Trump-Regierung zustande, da das israelische Bombardement im Libanon die Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten sowie Israels einerseits und Iran andererseits gefährdete.
Netanjahu verlangt eine Entwaffnung der Hizbullah
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ sich zwar nicht auf eine Waffenruhe mit der Schiiten-Organisation Hizbullah ein, drosselte aber seine Angriffe und verzichtete zuletzt darauf, die Hauptstadt Beirut ins Visier zu nehmen. Netanjahu verlangt von der libanesischen Regierung eine Entwaffnung der Hizbullah als Grundlage für ein Friedensabkommen mit Beirut. Rubio hob hervor, es gehe darum, den seit zwanzig oder dreißig Jahren bestehenden Einfluss der radikal-islamischen Miliz in der Region dauerhaft zu beenden. Die Bürger Israels im Norden des Landes müssten ohne Furcht vor Raketenangriffen leben können. Zudem seien auch die Libanesen selbst Opfer der Hizbullah.
Die libanesische Regierung will vor allem zunächst eine Waffenruhe durchsetzen und fordert einen Abzug der israelischen Truppen aus dem Süden des Libanons. Die libanesische Führung hatte sich 2024 zu einer Entwaffnung der Hizbullah verpflichtet. Diese wurde aber nicht durchgesetzt, auch weil die libanesische Armee der Miliz militärisch unterlegen ist, obwohl Israel sie in Folge des Angriffs der Hamas auf Israels am 7. Oktober 2023 deutlich schwächen konnte.
Die mit dem Regime in Teheran verbündete Miliz lehnt eine Entwaffnung ab. Sie hatte die Regierung in Beirut dazu aufgerufen, die Gespräche abzusagen. Zum Auftakt des Treffens feuerte sie nach eigenen Angaben Raketensalven in Richtung in Israel. Israels Armee warnte, es sei möglich, dass sich der Beschuss der Hizbullah auf Nordisrael ausweite.
Trump will weitere Iran-Verhandlungen in Islamabad
Nach Beginn des Irankrieges Ende Februar hatte die Hizbullah zunächst darauf verzichtet, in den Konflikt einzugreifen, wie sie es nach Beginn des Gazakrieges getan hatte. Dann aber kam es doch wieder zu einem Raketenbeschuss auf Israel aus dem Norden, wodurch für den jüdischen Staat eine zweite Front entstand.
Das State Department teilte nach dem zweistündigen Treffen mit, man habe sich darauf geeinigt, direkte Verhandlungen aufzunehmen. Rubio äußerte die Hoffnung, dass diese zu einem umfassenden Friedensabkommen führten. Die libanesische Botschafterin Hamadeh hob hervor, eine Waffenruhe sei dringlich. Auch bedürfe es der humanitären Hilfe in Folge der israelischen Angriffe. Der israelische Botschafter Leiter bekräftigte, dass sein Land weiter militärisch gegen die Hizbullah vorgehen werde. Israel sei aber bereit, mit Beirut bei der Entwaffnung der Hizbullah zusammenzuarbeiten.
Die Trump-Regierung ist derweil weiter darum bemüht, nach den ergebnislosen Verhandlungen mit Teheran am Wochenende in Islamabad ein zweites Treffen mit den Iranern zu organisieren.
Source: faz.net