Spaltfähiges Material gibt es derzeit in der Regierungskoalition mehr als genug. Da scheint die Anreicherung um eine Debatte über den Wiedereinstieg in die Atomkraft das Letzte zu sein, was Deutschland noch gefehlt hat. Aber Jens Spahns Vorschlag kommt keineswegs zur Unzeit. Ein Blick auf die Straße von Hormus sollte genügen, um die bisherige Denkblockade zu lösen.
Bis die Minireaktoren einsatzfähig sind, kann noch viel passieren
Sicherlich sind Einwände ernst zu nehmen: Die abgeschalteten Atomkraftwerke wieder hochzufahren, wäre aufwendig und teuer. Auch das Personal müsste wohl erst gefunden werden, von der endgültigen Lagerstätte für die Brennstäbe ganz zu schweigen. Aber die Kernenergie würde Deutschland einen strategischen Vorteil verschaffen, der diese Nachteile aufwiegt: eine größere Unabhängigkeit im Energiesektor. Im Zeitenwendendeutsch: mehr strategische Resilienz.
Gewiss, die Nukleartechnik hat sich weiterentwickelt. Die Zukunft gehört den Minireaktoren, nicht den großen Atomkraftwerken. Aber bis diese Technologie einsatzbereit ist, dürften noch einige Jahre vergehen. Die EU-Kommission hat Anfang der 2030er-Jahre als Zielmarke ausgegeben. Ob sie eingehalten werden kann, ist indes nicht gewiss.
Außerdem kann in den kommenden fünf bis sechs Jahren noch viel passieren. Es wäre schon ein Erfolg, wenn zumindest eine Atom-Debatte in Gang käme, die einen möglichen Wiedereinstieg nicht nur im Ampellicht beleuchtet.
Source: faz.net