Spahn will verbleibend Reaktivierung von Atomkraftwerken reden

Stand: 16.04.2026 • 09:09 Uhr

Unionsfraktionschef Spahn hat sich für eine Diskussion um eine Reaktivierung jüngst abgeschalteter Atomkraftwerke ausgesprochen. Das sei billiger als ein Neubau. Bundeskanzler Merz lehnte den Wiedereinstieg in die Atomkraft bislang ab.

Der Fraktionschef der Unionsfraktion im Bundestag, Jens Spahn, kann sich vorstellen, deutsche Atomkraftwerke wieder in Betrieb zu nehmen. Das solle man miteinander prüfen, sagte der CDU-Politiker am Rande eines Forschungskongresses der Unionsfraktion vor Journalisten in Berlin.

Spahn verwies auf Studien, wonach die stillgelegten Reaktoren der vergangenen Jahre „mit um die neun, zehn Milliarden Euro wieder ans Netz gehen könnten“. Man müsse diese Debatte gesellschaftlich führen. In anderen Staaten würden 30 bis 50 Milliarden Euro investiert, um ein neues Kernkraftwerk zu bauen. „Wir könnten mit deutlich weniger unsere gerade abgeschalteten Kernkraftwerke wieder ans Netz bringen“, so Spahn. Eine Diskussion sei es in jedem Fall wert.

Neue Debatte um Wiedereinstieg

Die Debatte über die Atomkraft hatte zuletzt vor dem Hintergrund der Energiekrise wieder an Fahrt aufgenommen. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte die Abkehr von der Technologie vor ein paar Wochen als strategischen Fehler bezeichnet.

Mitte März hatte auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) eine Abkehr vom Atomausstieg gefordert und angekündigt, den Bau moderner Mini-Atomkraftwerke im Freistaat zu planen.

Die AfD hatte zur Wiederinbetriebnahme von Reaktoren einen Antrag in den Bundestag eingebracht und dabei in Teilen ähnlich argumentiert wie von der Leyen und jetzt Spahn.

Merz: Beschluss zu Ausstieg irreversibel

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte den Beschluss, aus der Atomkraft auszusteigen, jüngst als „irreversibel“ bezeichnet – gleichzeitig aber betont, dass er von der Leyens Einschätzung teile. Auch Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hatte einen Wiedereinstieg abgelehnt.

Der endgültige Ausstieg aus der Atomenergie war unter der CDU-geführten Bundesregierung von Angela Merkel nach der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima 2011 beschlossen worden. Im Jahr 2023 wurden die letzten Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet.

Source: tagesschau.de