Bei „Konfrontation“ beleuchtet Journalist Markus Feldenkirchen den Youngster der Union, Philipp Amthor. Dabei konzentriert er sich auf die mediale Figur, die sich selbstironisch gibt und stets für Fotos zur Verfügung steht. Dass darin eine Gefahr steckt, weiß auch der CDU-Politiker.
Markus Feldenkirchen geht auf Tuchfühlung. Für sein Format „Konfrontation“ begleitet er seit 2020 Spitzenpolitiker wie Karl Lauterbach oder Sahra Wagenknecht für jeweils mehrere Monate. In der aktuellen Ausgabe porträtiert er den CDU-Politiker Philipp Amthor, „das berühmteste Meme des Berliner Politikbetriebs“. Und wie die Beschreibung bereits nahelegt, fokussiert sich der Spiegel-Journalist insbesondere auf die Medienfigur Amthor. „Für die einen ist er der Kultpolitiker – ein konservativer Popstar –“, charakterisiert Feldenkirchen, „für die anderen eine Witzfigur.“
Auf dem Bundesparteitag der CDU in Stuttgart beobachtet Feldenkirchen, wie Amthor sich als Mitgliederbeauftragter im Bundesvorstand bestätigen lässt. „Für ihn ist der Parteitag wie ein Familientreffen. Hier fühlt er sich pudelwohl. Er genießt all die Begegnungen und Rituale“, schildert der Host von „Apokalypse & Filterkaffee“ das Treiben um den Bundestagsabgeordneten. Schon als Teenager habe dieser die Parteitage der Union „stundenlang“ studiert, heute klopfe er selbst Schultern und sei „immer darauf bedacht, gute Bilder zu produzieren“.
„Seine Politikerwerdung plante er generalstabsmäßig“, referiert Feldenkirchen im Hinblick auf Amthors Talent, sich mit namhaften Vorbildern zu vernetzen. Mit Argusaugen beobachtet dieser dann auch die Ankunft des Bundeskanzlers. „Er will auf keinen Fall verpassen, dem Parteichef hier vor großer Bühne die Hand zu geben – auch wenn sie sich alleine heute schon zweimal die Hände geschüttelt haben“, berichtet Feldenkirchen aus dem Hintergrund. Friedrich Merz’ Rede quittiert Amthor mit lang anhaltendem Applaus. Ein „Edel-Claqueur“, wie der Journalist spöttelt.
Großen Anteil an seinem Bekanntheitsgrad habe die „heute-show“. Deren Reporter Fabian Köster ist in Stuttgart vor Ort, um einen seiner Running Gags über den „jüngsten ältesten Politiker Deutschlands“ zu reißen. Während viele Politiker den Satiriker mieden, mache Amthor bereitwillig mit. „Er ist der Star des Schabernack-mit-Politiker-Genres geworden“, beschreibt Feldenkirchen.
„Ist dir bewusst, dass du maßgeblich zur Bildung der Marke Philipp Amthor beigetragen hast?“, fragt er Köster. „Das klingt wie eine Beleidigung“, erwiderte dieser lachend. Geplant gewesen sei das nicht. „Gleichzeitig muss man aber sagen: Ich finde, der CDU steht es gut zu Gesicht, dass sie sich auch mal locker geben kann. Und dass es ausgerechnet Philipp Amthor ist, der der Lockere in der CDU ist – wer hätte das gedacht?“
Am linken Bildschirmrand kommentiert Amthor nonverbal die Szene aus Stuttgart. Er nickt Feldenkirchen im Studio zu, grinst hochzufrieden, zieht verschmitzt die Brauen hoch. Ob er sich sorge, zur Infantilisierung der Politik beizutragen? „Das ist tatsächlich eine Sorge, die mich umtreibt“, gesteht der CDU-Abgeordnete. Doch wie Markus Söder gelinge es ihm, die unterhaltsame Ansprache mit politischer Substanz zu verknüpfen.
Nur punktuell rückt Feldenkirchen von seinem medialen Schwerpunkt ab, um sich inhaltlich mit politischen Themen zu beschäftigen, etwa zum Umgang mit der AfD oder der Sinnhaftigkeit eines Tanzverbots an Karfreitag. Dafür menschelt es bei „Konfrontation“. Amthor gibt Auskunft über seine Kindheit, beschreibt die Beziehung zu seiner Mutter oder fährt mit Lebensgefährtin Carlotta Voß auf einem E-Roller davon. Diese sei Feministin, bestätigt der CDU-Politiker auf Nachfrage. Ob das auch für ihn gelte? „Das bin ich auch. Das sollte auch jeder Mann sein.“ Für Konservative sei eine gleichberechtigte Gesellschaft wichtig.
Feldenkirchen mag seinen Off-Kommentar stets mit leiser Ironie einsprechen, seine Bewunderung für den CDU-Politiker kann er trotzdem nicht verhehlen. „Es ist erstaunlich, wie geschliffen, galant und perfekt er seinen Botschaftern rüberbringt“, bemerkt der Journalist. „Er klingt oft einen Tick zu bedeutungsschwanger, aber – das muss man ihm lassen – er macht es stets mit Witz und Charme.“ Und als er ihn zu einem Ideenforum begleitet, erhebt er ihn zum Unterhaltungstalent. „Es ist zwar ein Freitag, aber er wäre auch ein Mann für den Samstagabend. Er könnte wohl problemlos ‚Wetten, dass..?‘ moderieren oder noch besser: ‚Verstehen Sie Spaß?‘“
Amthors Fans dürften dagegen wenig einzuwenden haben. Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg schließt sich Feldenkirchen dem 33-Jährigen bei einem Wahlkampfauftritt in Göppingen an, wo er Lookalikes und „Amthor-Ultras“ für Fotos zur Verfügung steht. „Er ist jung, er ist dynamisch und er bringt ein bisschen frischen Wind in die CDU rein“, sagt ein Anhänger ähnlichen Phänotyps.
„Von allen theoretisch denkbaren Terminen ist dieser vielleicht der schönste für Amthor: Selfies und Schabernack stundenlang“, kommentiert Feldenkirchen. An diesem Punkt erkennt der CDU-Politiker wohl, dass er Gefahr läuft, im Seichten zu stranden. Schöner wäre ein Format „mit etwas tieferer Diskussion“, erwidert er. „Es gibt manchmal Fast-Food-Wahlkampf, aber in der Regel bin ich dann doch Freund der Vollwertnahrung.“
Source: welt.de