Sammlung Fluor.Kohlenstoff. Gundlach bleibt in Hamburg

Die Stadt Hamburg hat den Verbleib der Sammlung F.C. Gundlach mit 14.000 Fotokunstwerken und zehntausend Bänden der Sammlerbibliothek als Dauerleihgabe für weitere 20 Jahre gesichert. Die Sammlung bekommt einen festen Trakt im Haus der Photographie der Deichtorhallen

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Kultursenator Carsten Brosda (SPD) und Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow stellten gemeinsam mit Vertretern der Stiftung F.C. Gundlach in den Deichtorhallen den Deal vor, der die Sammlung des Hamburger Fotografen F.C. Gundlach (1926 – 2021) nach 23 Jahren für weitere 20 Jahre an die Deichtorhallen bindet. Dort erhält das Konvolut, das von bisher 9000 Werken auf 14.000 Werke anwächst, einen eigenen Trakt im Haus der Photographie in der südlichen Deichtorhalle, die derzeit umfassend renoviert wird. 5.000 Exponate zu den Schwerpunkten abstrakte Fotografie, subjektive Fotografie sowie Landschafts- und Objektfotografie ergänzen die bisherige Leihgabe, zu der künftig außerdem die über 10.000 Bände umfassende Sammlerbibliothek F.C. Gundlach zählt.

Deichtorhalle mit Gundlach-Trakt, Baukosten steigen

Pünktlich zum 100. Geburtstag Gundlachs ändert sich mit der Vereinbarung auch der Titel der Leihgabe von „Das Bild des Menschen in der Photographie“ auf „Sammlung F.C.Gundlach“. Für die kontinuierliche Präsentation der umfangreichen Sammlung wird die Ausstellungsfläche des Hauses der Photographie im Zuge der laufenden Sanierung und Modernisierung der denkmalgeschützten südlichen Deichtorhalle um zusätzliche Flächen erweitert: Im 1. Obergeschoss entsteht erstmals ein der Sammlung gewidmeter Bereich, der eine Ausstellungsfläche, die neu gestaltete Sammlerbibliothek F.C. Gundlach sowie das Schaudepot verbindet und dadurch neue Möglichkeiten der Präsentation und Vermittlung bietet. Die Kosten für die Bauarbeiten am Haus der Photographie wurden ursprünglich mit 66 Millionen Euro veranschlagt. Die Kulturbehörde rechnet durch die gestiegenen Baukosten der letzten Jahre aktuell nicht damit, diesen Kostenrahmen einhalten zu können. Schätzungen gehen von Steigerungen von mehr als 20 Prozent aus.

Die Fortführung der bereits 2003 begründeten erfolgreichen Kooperation entspricht dem Wunsch F.C. Gundlachs, seine prominente Sammlung in Hamburg zu halten und im Haus der Photographie der Deichtorhallen, dessen Gründungsdirektor er war, dauerhaft anzubinden. Kultursenator Brosda verwies auf „intensive Verhandlungen“ mit der Stiftung und betonte, er gehe davon aus, dass die Sammlung „mindestens die nächsten 20 Jahre in Hamburg“ bleibe. Brosda erinnerte an die Rolle, die die Deichtorhallen „lange Zeit unter persönlichen, expliziten, liebevollen, hartnäckigen Begleitung“ Gundlachs und gemeinsam mit ihm dabei spielten, die Stellung der Fotografie „als eigenständige Gattung der bildenden Kunst“ zu etablieren und zu festigen.

Deichtorhallen zeigen F.C. Gundlach-Ausstellung ab Juni

Deichtorhallen-Intendant Dirk Luckow bekannte, die Vertragsverlängerung sei für ihn ein „Once-in-a-Lifetime“-Moment. Derzeit befänden sich die Deichtorhallen „im Triennale-Fieber“ und spielte damit auf die Triennale der Fotografie an, die von F.C. Gundlach gegründet wurde. Dort werden in Kürze zwei große Ausstellungen mit Arbeiten von F.C. Gundlach zu sehen sein. Zunächst zeigt das Bucerius Kunst Forum bereits im Vorwege der Eröffnung am 4. Juni die Schau „You‘ll never watch alone“, in der es vom 8. Mai an um Gundlachs Fotografien, seine Rolle als Netzwerker, Unternehmer und Galerist gehen wird.

Wenig später, am 5. Juni, eröffnet in den Deichtorhallen die Schau „Cocktail Prolongé. F.C. Gundlach Special“, in deren Mittelpunkt die vielfältigen Inszenierungsmöglichkeiten von Körperlichkeit stehen. Dabei wird der Körper als Medium zur Vermittlung unterschiedlicher ­Rollen, Projektionen, Wünsche und Fantasien begriffen. Die gezeigten Objekte aus der Sammlung F.C. Gundlach – zusammengetragen seit Mitte der 1970er Jahre – verweisen auf die Neukonstellation der Queer Community und öffnen zugleich den Blick auf einen sehr intimen Bereich der privaten Sammlung.

Dirk Luckow: „Fühlt sich wie ein Geschenk an“

Luckow sagte, der „Kosmos Gundlach“ sei so groß, dass er sowohl im neuen Haus der Photographie ab 2028 als auch in der Stiftung weiter erforscht werde. Zudem werde durch Wechselausstellungen auf den neuen Flächen im Gundlach-Trakt eine dauerhafte Präsenz geschaffen. Der neue Vertrag „fühlt sich wie ein Geschenk an“, erklärte Luckow, auch mit Blick auf die wachsende internationale Konkurrenz im Bereich der Fotografie-Museen. Luckow verwies explizit auf ein neues Institut für Fotografie in Rotterdam und das Foto Arsenal Wien, das im vergangenen Jahr seinen Betrieb aufgenommen hat.

Die Stiftungsvertreter sehen die Sammlung in den Deichtorhallen weiterhin gut aufgehoben. Der geschäftsführende Vorstand Sebastian Lux erinnerte an den Aufbau der weltweit bedeutenden Sammlung von den 1960er-Jahren an und an das Credo des Sammlers F.C. Gundlach: „Sammeln ist ein kreativer Akt, eine Weise der Selbsterkenntnis und eine Möglichkeit, an den Leidenschaften eines anderen teilzuhaben.“ Dabei bleibe das Sammeln ein subjektiver Akt, aber „eine Sammlung ohne Konzept ist eine Ansammlung“.

Source: welt.de

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