Trotz Waffenruhe im Iran-Krieg keine Entspannung am Golf

Stand: 22.04.2026 • 17:05 Uhr

Trotz der Verlängerung der Waffenruhe mit Iran durch US-Präsident Trump verschärft sich die Lage in der Straße von Hormus. Drei Schiffe wurden von Iran angegriffen. Und die gegenseitigen Drohungen mit weiterer Eskalation reißen nicht ab.

Die von den USA verlängerte Waffenruhe im Iran-Krieg hat die Spannungen nicht entschärft. Iran äußerte sich bisher nicht dazu, ob es selbst die Feuerpause einhalten wird.

Vielmehr zeigte sich die Revolutionsgarde skeptisch – zumal die US-Seeblockade iranischer Häfen fortgesetzt wird. Die iranischen Streitkräfte seien auf dem „Höhepunkt der Bereitschaft“ zur Fortsetzung der Kampfhandlungen, hieß es in einer Erklärung der Elitestreitmacht.

US-Präsident Donald Trump hatte die Waffenruhe mit Iran am Mittwoch überraschend in letzter Minute einseitig für verlängert erklärt. Auf Bitten Pakistans werde er von Angriffen absehen, bis die Führung in Iran einen „geeinten Vorschlag“ zur Beilegung des Krieges unterbreite, teilte er auf Truth Social mit. Pläne für Gespräche zwischen den USA und Iran im Vermittlerland Pakistan noch vor Ablauf der ersten zwei Wochen der Waffenruhe waren damit ebenso plötzlich auf Eis gelegt worden.

Angriffe auf Schiffe zeigen angespannte Lage

Wie angespannt die Lage trotz der verlängerten Waffenruhe weiterhin ist, zeigen erneute Vorfälle in der Straße von Hormus. Dort haben Irans Streitkräfte nach eigenen Angaben drei Frachtschiffe angegriffen und manövrierunfähig gemacht. In einer von der Nachrichtenagentur Fars verbreiteten Nachricht hieß es zur Begründung, die Revolutionsgarden hätten ihre „regelwidrige“ Durchfahrt durch die Straße von Hormus gestoppt.

Laut Fars handelte es sich um das Containerschiff „Epaminondas“ unter der Flagge Liberias, das von den Vereinigten Arabischen Emiraten in Richtung Indien unterwegs war. Der ebenfalls angegriffene Frachter „MSC Francesca“ lag zuletzt vor der Küste Saudi-Arabiens und fährt unter der Flagge Panamas.

Beide Schiffe seien beschlagnahmt und in iranische Gewässer gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Tasnim unter Berufung auf die Marine der Revolutionsgarden. Außerdem wurde ein Containerschiff namens „Euphoria“ attackiert, das sich iranischen Angaben zufolge in griechischem Besitz befinden soll.

Die Angriffe auf die Schiffe zeigten, dass die Macht in Iran bei der Revolutionsgarde liege – und dass diese zu glauben scheine, durch Drohungen und Machtdemonstrationen in Washington Eindruck hinterlassen zu können, sagt ARD-Korrespondentin Gabriele Dunkel. Dieses Kalkül gehe zu einem gewissen Grade auf. Iran spiele auf Zeit und reize das aus, was ginge, um seine Position bei etwaigen Verhandlungen zu verbessern, so Dunkel.

Iran traut Waffenruhe nicht

Am Mittwoch hatte das US-Militär einen Tanker durchsucht, der wegen des Schmuggels von iranischem Rohöl sanktioniert war. Das Schiff sei im Indopazifik angehalten und durchsucht worden, wie das US-Verteidigungsministerium auf der Plattform X mitteilte.

Teheran warf Washington daraufhin erneut Verletzungen der Feuerpause vor. „Iranische Häfen zu blockieren, ist ein kriegerischer Akt und somit ein Verstoß gegen die Waffenruhe“, schrieb der iranische Außenminister Abbas Araghtschi auf X. Der Angriff auf ein Handelsschiff und die „Geiselnahme“ seiner Besatzung sei ein noch schwerwiegenderer Verstoß.

Heute argwöhnte ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf, dass Trumps Verlängerung der Waffenruhe eine List sei, „Zeit für einen Überraschungsangriff zu gewinnen“.

Iran droht mit Beschuss der Golfstaaten

Eine Eskalation sei jederzeit möglich, hieß es auf beiden Seiten. Iran werde die für den globalen Ölmarkt wichtige Straße von Hormus nicht freigeben, solange die US-Blockade andauere, meldete die Nachrichtenagentur Tasnim. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, schrieb das Sprachrohr der iranischen Revolutionsgarde.

In einer neuen Phase der Eskalation könnten die Streitkräfte „vernichtende und für den Feind unvorstellbare Schläge gegen die verbleibenden Vermögenswerte“ in der Region ausführen, so die Eliteeinheit.

Ein Kommandeur der Revolutionsgarde nannte laut der Agentur Fars auch Ölfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele, falls diese den USA und Israel weiterhin erlauben würden, „ihr Territorium zu nutzen“. Das US-Regionalkommando Centcom schrieb auf X, man bleibe einsatzbereit.

Source: tagesschau.de