Radikaler, rauer, schamloser: Trump wäre nicht dieser erste senile US-Präsident

Radikaler, rauer, schamloserTrump wäre nicht der erste senile US-Präsident

16.04.2026, 16:56 Uhr

Donald Trump wähnt sich bei bester Gesundheit. (Foto: IMAGO/ZUMA Press Wire)

Donald Trump gibt sich als Mann der Tat. Er will Probleme und Konflikte am liebsten im Eilverfahren lösen – dafür ist ihm scheinbar jedes Mittel recht. Sein unberechenbares Verhalten und seine extremen Äußerungen lassen die Debatte um die psychische Gesundheit des US-Präsidenten wieder aufflammen.

Er droht mit der Vernichtung eines ganzen Volkes, selbst der Vergleich mit Jesus ist ihm nicht mehr heilig. Während US-Präsident Donald Trump die nächste Eskalationsstufe des Wahnsinns zündet, streben die Demokraten ein Amtsenthebungsverfahren wegen Unfähigkeit an. Steuert der mächtigste Mann der Welt bereits in die Senilität? Er wäre zumindest nicht der erste US-Präsident, dessen Gesundheitszustand Einfluss auf sein Handeln hatte.

 „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren“, mit diesen Worten auf Truth Social versuchte Trump seinem Ultimatum an den Iran Nachdruck zu verleihen, um die Straße von Hormus freizubekommen. Die Drohung hatte international scharfe Kritik ausgelöst. Mehrere Demokraten im US-Kongress forderten Untersuchungen mit Blick auf eine mögliche Amtsenthebung. Dabei sollte der Zusatzartikel 25 der Verfassung greifen. Dieser erlaubt es in Abschnitt vier, den Präsidenten für unfähig zu erklären, „die Rechte und Pflichten des Amtes auszuüben“.

Die Idee der Demokraten: Eine Kommission, bestehend aus 17 Mitgliedern, soll über Trumps Befähigung zur Amtsausübung urteilen. Vertreter mit medizinischer und politischer Expertise würden zusammen mit dem Vizepräsidenten das Gremium bilden. Der Abschnitt in der Verfassung wurde allerdings noch nie angewandt – die Hürden dafür sind sehr hoch. JD Vance als Vizepräsident und eine Mehrheit der wichtigsten Kabinettsmitglieder müssten eine entsprechende Erklärung schriftlich an die Vorsitzenden des Senats und des Repräsentantenhauses übermitteln. Trump könnte als Präsident aber widersprechen.

Das würde Trump auch sicher tun. Schließlich bezeichnet er sich in aller Regelmäßigkeit als „stabiles Genie“, um der Öffentlichkeit ins Gedächtnis zu rufen, dass er geistig noch topfit sei. Dem US-Präsidenten kann nichts groß genug sein, wenn es um das Porträtieren seiner Person geht. In weißem Gewand und rotem Umhang legte er einem Mann im Krankenbett seine heilende Hand auf die Stirn. Eine Frau betet, im Hintergrund fliegen Kampfflugzeuge, und die Freiheitsstatue thront neben der amerikanischen Flagge. Bei diesem Bild war KI am Werk, gepostet hatte es Trump allerdings selbst auf Truth Social. Neu ist so ein Vergleich allerdings nicht. Das Weiße Haus hatte bereits in der Vergangenheit zahlreiche KI-generierte Bilder Trumps verbreitet. Darunter war eines, das ihn als Papst zeigte.

Auch wenn Trump das Jesus-Bild zügig wieder löschte, löste die Veröffentlichung einen Sturm der Entrüstung in Trumps eigenen Lager aus. „Ich weiß nicht, ob der Präsident dachte, er sei witzig, oder ob er unter dem Einfluss irgendeiner Droge steht, oder welche mögliche Erklärung er für diese ungeheuerliche Blasphemie haben könnte“, schrieb etwa die Trump-nahe Podcasterin und Kommentatorin Megan Basham auf X.

Trumps heilende Hände… (Foto: IMAGO/Bestimage)

Trumps unberechenbares Verhalten und seine extremen Äußerungen lassen nun die Debatte um seine psychische Gesundheit wieder aufflammen. Das Weiße Haus stellt sich vor den Präsidenten und erklärte, Trump sei scharfsinnig und halte seine Gegner in Atem. Trump wäre aber nicht der erste US-Präsident, der trotz psychischer Probleme weiterregiert.

Sein Vorgänger Joe Biden machte deutliche Zeichen einer Demenzerkrankung. Es entstand gar ein Buch der Journalisten Jake Tapper und Alex Thompson über den geistigen Verfall Bidens. Es habe zwei Bidens gegeben. „Einen, der alles total im Griff hatte. Und einen, der nicht mehr funktioniert hat, der die Namen von engen Mitarbeitern nicht mehr wusste, der alarmierend oft verwirrt wirkte“, heißt es darin.

Doch auch im Lager der Republikaner gab es solche Fälle – und das ausgerechnet bei Trumps Vorbild Ronald Reagan. Nach seiner Amtszeit machte er seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich. Dabei kam es bereits gegen Ende seiner Amtszeit häufiger zu sprachlichen Schwächen, sein Wortschatz verflachte regelrecht. Reagans Sohn Ron schrieb in einem Buch, dass er drei Jahre nach Beginn der ersten Amtszeit seines Vaters bereits „erste Anzeichen“ verspürte. Er erinnerte sich daran, dass sein Vater während der Debatten von 1984 verloren oder „verwirrt“ gewirkt habe.

Laut einer Studie von Jonathan Davidson vom Duke University (2006) litt die Hälfte aller US-Präsidenten an einer psychischen Erkrankung – und 27 Prozent erfüllten diese Kriterien während ihrer Amtszeit, was ihre Fähigkeit, ihre Aufgaben zu erfüllen, beeinträchtigt haben könnte. Die Autoren der Studie kamen zu dem Schluss, dass 24 Prozent der Präsidenten die diagnostischen Kriterien für eine Depression erfüllten. Grundlage für die Studie waren Biografien zu den ersten 37 Präsidenten von 1776 bis 1974. Bei Trump muss man derzeit nicht auf Biografien zurückgreifen, da der US-Präsident ohnehin Schlagzeilen am Fließband produziert und somit die Debatte um seine psychische Verfassung befeuert.

Quelle: ntv.de, mba

Source: n-tv.de