Die hohe Nachfrage an Chips auf der Welt fördert das Geschäft von ASML: jenem Unternehmen, das die modernsten Maschinen zur Herstellung von Halbleitern produziert. „Die Nachfrage nach Chips übersteigt das Angebot“, ließ sich Vorstandsvorsitzender Christophe Fouquet zur Quartalsbilanz am Mittwoch zitieren. „Als Reaktion treiben unsere Kunden ihre Pläne zur Kapazitätsausweitung beschleunigt voran, für 2026 und danach.“ Das Unternehmen erhöhte die Umsatzprognose für das laufende Jahr. Maßgeblicher Treiber: Künstliche Intelligenz (KI), die besonders leistungsfähige Chips erfordert.
Die Erwartungen von Investoren an ASML waren hoch gewesen zur Vorlage der neuesten Geschäftszahlen. Vergangene Woche hatte einer der wichtigsten Kunden, der Chiphersteller TSMC, einen kräftigen Umsatzanstieg gemeldet. Sein Erlös lag um ein Drittel über dem Wert des Vorjahresquartals. Das deutete darauf hin, dass die Nachfrage nach KI-Chips in den ersten Wochen des Irankrieges weitgehend ungebrochen blieb. Die Taiwaner sind der größte Auftragschiphersteller der Welt und beliefern Nvidia, Apple und andere Großkonzerne der IT-Branche. TSMC und praktisch alle anderen wichtigen Chiphersteller kaufen Geräte von ASML. Der Konzern aus Veldhoven im Süden der Niederlande liefert die technisch besonders ausgeklügelten Maschinen auf Basis extremen UV-Lichts (EUV), die besonders leistungsfähige Chips herstellen. Auf sie hat ASML ein Technikmonopol.
Im vergangenen März hatten schon Nachrichten von einem weiteren Schlüsselkunden aufhorchen lassen, nämlich von SK Hynix. Aus einer Mitteilung der Südkoreaner an die Börsenaufsicht ging hervor, dass ASML von ihnen einen Milliardenauftrag in Rekordhöhe erhalten hat. Hynix orderte im Volumen von knapp sieben Milliarden Euro Maschinen, die bis Ende 2027 ausgeliefert sein sollen. Analysten vermuteten allerdings, dass ein Großteil des Auftrags schon in den vergangenen Quartalen platziert worden sei. ASML hatte im Januar einen extrem hohen Ordereingang für das Schlussquartal 2025 gemeldet – was gleichzeitig das letzte Mal war, dass die Kennzahl überhaupt veröffentlicht wurde. Sie hat den Börsenkurs in der Vergangenheit immer wieder stark beeinflusst, nach unten wie nach oben. Nach Ansicht des Konzerns ist sie zu schwankungsanfällig, weswegen das am Mittwoch veröffentlichte Zahlenwerk zum Jahresauftakt sie erstmals unerwähnt lässt.
ASML steigerte den Umsatz im ersten Quartal um ein Achtel auf 8,8 Milliarden Euro und den Reingewinn leicht überproportional auf knapp 2,8 Milliarden Euro. Der Umsatz im Gesamtjahr soll zwischen 36 und 40 Milliarden Euro liegen. Die Spanne sei ausreichend breit, „um mögliche Ergebnisse der laufenden Diskussionen um Exportkontrollen zu berücksichtigen“, ließ Fouquet wissen. ASML darf seine EUV-Maschinen und auch bestimmte andere moderne Maschinen nicht nach China ausliefern; die Regierung in Den Haag verweigert auf Druck der USA die entsprechenden Genehmigungen. China ist in den vergangenen Quartalen dennoch der größte Einzelmarkt geblieben, steuerte zuletzt gut ein Drittel zum Umsatz bei. Im Auftaktquartal 2026 lag der Anteil nun bei etwa einem Fünftel, womit ASML auch dauerhaft kalkuliert. Südkorea hat China jetzt als größten Markt überholt.
ASML dürfte in diesem Jahr mindestens 60 EUV-Maschinen und im kommenden Jahr mindestens 80 produzieren – dabei sind die Geräte der ganz frisch auf den Markt gekommenen Version („High-NA-EUV“) noch nicht eingerechnet. Der Verkauf der Maschinen der zweitmodernsten Technikgeneration – der DUV-Geräte – zieht anders als zuletzt erwartet wieder an. Die hohen Investorenerwartungen spiegelten sich am Mittwoch in der Entwicklung des Aktienkurses. Der lag am Mittag trotz erhöhter Prognose nur wenig über dem Vortagesniveau. Der Kurs ist infolge des KI-Booms und der daraus resultierenden Nachfrage nach Chips in diesem Jahr um 40 Prozent gestiegen. Mit mehr als 500 Milliarden Euro Börsenwert ist ASML mit Abstand der teuerste Wert im europäischen Index Stoxx 600 Europe.