Jared Kushner ist Trumps Schwiegersohn, verhandelt aber auch für die US-Regierung über den Irankrieg. Wo hört bei ihm Politik auf – und wo beginnt das Geschäft? Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
als Donald Trumps erste Amtszeit 2021 endete, verabschiedete sich auch sein Schwiegersohn Jared Kushner aus dem Weißen Haus. Der Ehemann von Trumps Tochter Ivanka war damals einer der wichtigsten Berater des Präsidenten. Er ließ verlauten, dass er den Job zwar mag, aber das Licht der Öffentlichkeit, das er mitbringt, eher nicht.
Kushner wollte fortan als Geschäftsmann tätig sein. Der Sohn aus reichem Elternhaus sagte in einem Interview, er werde nicht in die Politik zurückkehren, selbst wenn Trump ihn darum bitte. Das klang entschlossen. Mit zwei Milliarden Dollar Startkapital aus einem saudi-arabischen Staatsfond, geführt von Kronprinz Mohammed bin Salman, verabschiedete er sich in Richtung eigener Investmentfirma und Privatleben.
Lange hielt das Versprechen nicht. Kushner ist längst zurück im Machtzentrum von Washington D.C. Aber anders als in seiner ersten Runde als Berater des Präsidenten versucht er diesmal, im Schatten zu wirken. Er ist zwar zu sehen, so zum Beispiel jetzt an der Seite von Vizepräsident J. D. Vance bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Islamabad. Seine Rolle scheint mächtig zu sein. So genau kann man das nicht sagen, weil man nie hört, was er wirklich macht. Aber seit Trumps erneuten Amtsantritt traf er Wladimir Putin, Benjamin Netanjahu, Wolodymyr Selenskyj, zahlreiche Saudis und andere wichtige politische Spieler aus dem Nahen Osten.
Welchen Auftrag er hat, bleibt dabei mysteriös. Er spricht selten, auf Bildern von hochrangigen Treffen sieht man ihn meist milde lächelnd. Er wirkt wie eine Sphinx. Aber vor allem treibt er, während er für Trump Politik macht, seine eigenen geschäftlichen Interessen weiter voran. Offiziell hat er keinen Posten in der US-Regierung. Er sei „Volunteer“, heißt es, freiwilliger Helfer also.
Jared Kushner ist für die USA unterwegs – und sammelt Geld für sein Unternehmen
Die Grenze zwischen Weltpolitik und privatem Gewinn verschwimmt bei ihm. Im schweizerischen Davos, beim Weltwirtschaftsgipfel zum Beispiel, war er Teil der offiziellen US-Delegation. Versuchte aber gleichzeitig, fünf Milliarden Dollar bei Investoren für sein Unternehmen „Affinity Partners“ zu beschaffen, so die Recherche der „New York Times“ (NYT). Man habe sich an die bestehenden Gesetze gehalten, hieß es später aus Kushners Firma dazu.
Anders als eigentlich vorgesehen, legt Kushner keine Berichte über seine Geschäfte und mögliche Interessenkonflikte vor. Streng genommen muss er das nicht, als „freiwilliger Helfer“ nutzt er eine schmale Lücke. Nachdem er mit US-Regierungsunterhändler Steve Witkoff den Gaza-Waffenstillstand und die Freilassung der Geiseln verhandelt hatte, wischte er Kritik zur Seite: „Was andere als Interessenkonflikte bezeichnen, nennen Steve und ich Erfahrung und vertrauensvolle Beziehungen, die wir überall auf der Welt haben.“
Donald Trump hat inzwischen seinen vierten Ethikbeauftragten. Fast alle, die sein Handeln kontrollieren sollten, hat er durch treue Gefolgsleute ersetzt. Auch die Trump-Familie profitiert finanziell massiv von seiner Position. Laut NYT haben die Trump-Unternehmen allein im April 2025 mindestens zwei Milliarden Dollar eingenommen. Die Projekte umfassten demnach Immobilien, eine Kryptowährung und einen privaten Club in Washington – mit einer Mitgliedsgebühr von 500.000 Dollar. Und Katar schenkte dem Präsidenten ein Flugzeug.
Aus ethischer Sicht ist das alles eine Katastrophe. Trump ist sowohl Oberbefehlshaber der Streitkräfte als auch Geschäftspartner ausländischer Regierungen in Serbien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Oman. Aus dem Weißen Haus heißt es, seine Söhne führten seine Unternehmen, daher gebe es keinen Interessenkonflikt. Juristisch stimmt das, aber in Schwaben würde man sagen: „Das hat ein Geschmäckle“. Beim Trump-Clan und seinem freiwilligen Helfer Jared Kushner fällt es schwer, zu erkennen, wo die Politik endet und die Geschäftsinteressen beginnen.
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Alexandra Kraft
Source: stern.de