Trump tobt, nächtelang postet er Beschimpfungen. Auch bei einigen seiner Vorgänger gab es Zweifel an ihrer geistigen Verfassung. Plus: Markus Lanz ganz nah. Die Lage am Morgen.
Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
in den vergangenen Tagen hatte ich das Gefühl, die Welt schaut einem enthemmten US-Präsidenten zu, wie er völlig entgleitet. Erst attackiert Donald Trump den Papst, dann postet er Bilder von sich in gottgleicher Rolle. Dazu schreibt er nächtelang auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social, was ihm gerade so in den Sinn kommt – meist Beschimpfungen.
Offensichtlich bin ich nicht allein mit diesem Gefühl. Eine Gruppe von Demokraten legte jetzt einen Plan vor, wie man Donald Trump mithilfe des 25. Verfassungszusatzes aus dem Amt entfernen kann. Der Vorstoß hat wenig Chancen auf Erfolg, aber die Sorgen um den mentalen Zustand des 79-jährigen Präsidenten wachsen. Er ist dann doch ein alter Mann. Auch wenn er von sich selbst behauptet, ein „sehr stabiles Genie“ zu sein.
Er wäre auch nicht der erste US-Präsident, der an psychischen Problemen leidet. Sein Vorgänger Joe Biden zeigt am Ende seiner Amtszeit deutliche Zeichen einer Demenzerkrankung. Wie später herauskam, versuchte sein Umfeld, die Probleme lange zu vertuschen. Oder Ronald Reagan, der 40. Präsident der USA, der von 1981 bis 1989 im Amt war und den Trump gerne als Vorbild bezeichnet. Er gab nach Ende seiner Amtszeit seine Alzheimer-Erkrankung bekannt. Sein Sohn Ron ist überzeugt, dass er schon als Präsident daran litt. Er habe schon 1984 die deutlichen Anzeichen des fortschreitenden Gedächtnisverlustes bemerkt. Reagan war danach noch fünf Jahre US-Präsident. Der Mann mit dem Atomkoffer senil – kein beruhigender Gedanke.
Donald Trump wäre nicht der erste Präsident mit psychischen Problemen
Aber auch früher in der US-Geschichte waren Präsidenten offensichtlich nicht immer die stabilsten Persönlichkeiten. Über George Washington sagen Historiker, er habe 1776 versucht, Selbstmord zu begehen. Abraham Lincoln war wohl Zeit seines Lebens depressiv, Freunde versteckten Rasierklingen und Messer vor ihm. John Adams, der zweite Präsident der Vereinigten Staaten, wurde von Zeitgenossen als „zeitweise völlig verrückt“ beschrieben. Über Theodore Roosevelt schrieb das „Journal of Abnormal Psychology“, er werde „in die Geschichte eingehen als glanzvollstes psychologisches Beispiel für die Verzerrung bewusster mentaler Prozesse“. Und ein Psychologe attestierte ihm öffentlich: „Sein Geist ist zerfallen.“
Woodrow Wilson regierte nach einem Schlaganfall weiter. In Berichten aus der Zeit heißt es, das Weiße Haus sei zu einer Irrenanstalt verkommen. Eine Studie attestierte vor ein paar Jahren, dass 37 US-Präsidenten akute mentale Probleme gehabt hätten. Jeder Vierte habe laut der Untersuchung der Duke University die Kriterien für eine Depression erfüllt. Richard Nixon soll schon als Vizepräsident Medikamente gegen Angstzustände und Depressionen mit Alkohol kombiniert haben. Sein Biograf John A. Farrell schreibt, Nixon habe später als Präsident exzessiv getrunken. Über Bill Clinton sagte einmal ein Neurologe, mit dem ich ein Interview führte: „Er ist ein absoluter Psychopath.“
Die Verfassung schützt Trump, die Hürden für eine Amtsenthebung des Präsidenten sind groß. Sein direktes Umfeld scheint – wie schon bei Biden – die eigenen Reihen immer enger zu schließen. Sie wollen die Macht behalten. Wie verrückt darf ein US-Präsident sein?
Markus Lanz ganz nah – ein Monat mit dem Befrager des Landes
Talkmaster Markus Lanz lässt Journalisten nur selten an sich heran. Meine Kollegin Viorica Engelhardt und mein Kollege David Baum haben es aber geschafft. Vier Wochen lang konnten sie den wichtigsten Befrager der Nation begleiten. Er gewährte ihnen tiefe und überraschende Einblicke. Herausgekommen ist die Nahaufnahme eines Mannes, der keine Schwächen duldet – auch nicht bei sich. Markus Lanz sagt über sich selbst: „Wenn Sie wüssten, wie viele Selbstzweifel mich plagen.“ Absolute Leseempfehlung von mir.
5-Minuten-Talk: Wachsendes Misstrauen gegen Vizekanzler Klingbeil
Der Streit um die Entlastungen hat Wunden hinterlassen. Zentraler Schmerzpunkt: Lars Klingbeil. Der SPD-Chef und Vizekanzler wühlt die Union schon seit Längerem auf. Von Trickserei ist die Rede, von finsteren Absichten, davon, dass er die CDU in eine Falle locken wolle. Jüngster Anlass: Tankrabatt und Entlastungsprämie. Klingbeil habe sie dem Kanzler abgeschwatzt, obwohl der selbst doch dagegen gewesen sei.
Was steckt hinter dem Klingbeil-Trauma in der CDU? Wie berechtigt ist das Misstrauen? Und wie gefährlich kann es für die Koalition werden? Darüber diskutieren die stern-Politikchefs Veit Medick und Jan Rosenkranz.
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Das passiert am Donnerstag, dem 16. April 2026
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Heute verabschiede ich mich mal wieder mit einem Fitness-Tipp: Die große Bedeutung von Muskeln wird immer deutlicher. Eine der besten Übungen für den ganzen Körper sind Planks. Probieren Sie doch mal aus, wie lange Sie sich in der Position auf den Unterarmen halten können. Ich bin gespannt.
Ich wünsche Ihnen einen guten Start in den Tag!
Herzliche Grüße
Alexandra Kraft
Source: stern.de