Hohe Risiken: Große Skepsis gegensätzlich Krypto

Die Frage, ob Bitcoin das neue „digitale Gold“ sei, sie schien sich spätestens Anfang Februar erledigt zu haben. Was ist denn bitte schön von einem angeblichen Gold zu halten, das sich von Oktober bis Anfang Februar im Preis halbiert? Von 125.000 auf 64.000 Dollar sackte der Preis in diesem Zeitraum ab. Das echte Gold stand indes seit jeher als Synonym für Wertstabilität.

Doch dann kam der Irankrieg, und seit Ende Februar liegt das echte Gold gut zehn Prozent im Minus und Bitcoin 13 Prozent im Plus auf derzeit rund 77.000 Dollar. Wer bietet also Werterhalt in unsicherer Zeit? Welcher ist der sichere Hafen?

Gold mit überzeugter Anleger-Basis

Dem echten Gold würde man Unrecht tun, reduzierte man es auf die wenigen Wochen des Irankrieges. Zur Wahrheit gehört, dass der Goldpreis von weniger als 2000 Dollar im Jahr 2022 auf mehr als 5500 Dollar Anfang dieses Jahres gestiegen war. Der Chartverlauf wurde am Ende derart steil, dass eine Gegenreaktion fast schon unvermeidlich schien. Geldanlagen mit solchen Gewinnen lösen bei einigen Anlegern den Drang nach Gewinnmitnahmen aus.

Gold ist deswegen nicht der Zockerei preisgegeben. Der steile Kursanstieg hat die Zahl der spekulativen Anleger aber deutlich in die Höhe getrieben. Die feste Basis langfristig orientierter Goldanleger, von Notenbanken bis hin zu Privatanlegern, wurde dadurch jedoch nicht erschüttert.

An einer solchen Basis fehlt es Bitcoin noch. Dies bestätigt eine am Dienstag vorgelegte und für die deutsche Bevölkerung repräsentative Umfrage des österreichischen Online-Marktforschungsinstituts Marketagent im Auftrag der Börse Stuttgart Digital. Dort wurden in zwei Wellen insgesamt 3000 Menschen zu den Themen Geldanlage und speziell Krypto befragt.

Anleger fühlen sich nicht ausreichend informiert

Die Umfrage zeigt ein Bild steigenden Interesses am Krypto-Thema, aber auch gefühlter Unwissenheit und großer Skepsis. Drei Viertel der Befragten empfinden Kryptowährungen als nicht ausreichend reguliert und halten sie deshalb für zu riskant. Ebenfalls drei Viertel fürchten Betrug und den Verlust von Zugangsdaten. Rund zwei Drittel misstrauen den Anbietern von Kryptowährungen, geben aber auch an, die dahinterstehende Technologie nicht zu verstehen, und halten das Investment für insgesamt zu kompliziert für den Durchschnittsbürger.

Immerhin knapp zwei Drittel der Befragten fühlen sich in Finanzfragen generell gut informiert. Ihr Wissen zum Thema Kryptowährungen indes empfinden nur knapp 30 Prozent als einigermaßen gut. Eine Mehrheit von 63 Prozent fühlt sich eher schlecht informiert, gut sieben Prozent geben an, noch nie von Kryptowährungen gehört zu haben. Unter allen Befragten hat eine Mehrheit von 58 Prozent eine negative Einstellung zu Kryptowährungen.

In Schwellenländern ganz anderer Blick auf Krypto

In der Abwägung von Vor- und Nachteilen überwiegen daher auch ganz eindeutig die Nachteile. 83 Prozent nennen das hohe Risiko, das sie mit Krypto verbunden sehen, 80 Prozent die hohen Kursschwankungen, 77 Prozent die Anfälligkeit für Betrug. Nur eine Minderheit schätzt Vorteile wie die Möglichkeit schneller, grenzüberschreitender Transaktionen, technologische Innovationen und die Unabhängigkeit, die mit Krypto verbunden sein kann.

In Ländern mit stabiler Währung, moderater Inflation und sicherem Rechtsstaat ist dies die übliche Sichtweise. In vielen Schwellenländern hingegen werden Kryptowährungen als sicherer und verlässlicher wahrgenommen als die Heimatwährungen dieser Länder, die oft unter sehr hoher Inflation und mangelnder Rechtsstaatlichkeit leiden.

In Deutschland vertraut indes die Mehrheit auf Spar- und Festzinskonten. Immerhin 28 Prozent nennen zudem Fonds und ETFs als aktuell genutzte Geldanlage, 26 Prozent Aktien und Derivate, je gut 17 Prozent Immobilien und Gold, 15 Prozent Krypto und knapp neun Prozent Anleihen.

Auf der Suche nach vertrauenswürdigen Stellen

Weitere zehn Prozent haben früher schon einmal in Krypto investiert, tun dies aber aktuell nicht. Damit hat die noch junge Anlageklasse schon eine recht hohe Verbreitung erzielt. Sie ist unter Männern mehr als doppelt so stark ausgeprägt wie bei Frauen. Noch stärker fällt die Differenzierung nach Alter aus. Mehr als 40 Prozent der unter 40 Jahre alten Anleger haben schon einmal in Krypto investiert, aber nur sechs Prozent derjenigen über 60.

Die Unsicherheit und der gefühlte Mangel an Wissen haben auch damit zu tun, dass nur 38 Prozent der Befragten ihrer Haus- und Hauptbank zutrauen, eine zuverlässige Anlaufstelle rund um das Thema Krypto zu sein. Aber vertrauenswürdigere Quellen fallen den Befragten auch nicht ein. 30 Prozent sind der Auffassung, es gebe schlicht niemanden Vertrauenswürdiges bei diesem Thema.

Immerhin 27 Prozent sind auf der Suche nach vertrauenswürdigen Anlaufstellen oder haben sie schon gefunden. Im Fokus der Anlagemotive stehen neben schnellen Gewinnen auch eine langfristige Überzeugung vom Thema, Diversifikation und der Schutz vor Inflation und Verlusten etablierter Währungen.

Als vertrauenswürdige Ansprechpartner beim Thema Krypto bringen sich zusehends etablierte Banken und Börsen ins Spiel. So sieht sich die Börse Stuttgart Digital als Europas führender Krypto-Infrastrukturpartner und bietet den Handel von Digitalwährungen und Verwahrung an. Sie ist Teil der Gruppe Börse Stuttgart und in Deutschland reguliert. Mehr als 200 Mitarbeiter arbeiten für Börse Stuttgart Digital an acht Standorten in Stuttgart, Berlin, Frankfurt, Ljubljana, Mailand, Madrid, Stockholm und Zürich.

Auch die Deutsche Börse baut diesen Geschäftsbereich aus. Vergangene Woche hat sich die Deutsche Börse für 200 Millionen Dollar am US-Kryptospezialisten Kraken beteiligt. Schon vor knapp fünf Jahren hatte die Deutsche Börse die Mehrheit an der Schweizer Crypto Finance AG erworben.

Source: faz.net