Hamburg verabschiedet sich irreversibel vom Kohlekraftwerk Wedel

Das Kohlekraftwerk Wedel soll nach neuen Plänen zum 1. Juli 2027 endgültig stillgelegt werden. Die Hamburger Energiewerke haben dafür das Verfahren nach dem Energiewirtschaftsgesetz angestoßen.

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Hamburgs umstrittenes Kohlekraftwerk steht kurz vor dem formalen Aus. Wie die Hamburger Energiewerke am Montag bekannt gegeben haben, haben sie Ende März die Stilllegung des Heizkraftwerks Wedel beantragt. Die Anlage soll zum 1. Juli 2027 endgültig stillgelegt werden. Dann war sie mehr als 60 Jahre im Betrieb – mehr als ein Jahrzehnt länger als gewollt.

Der Antrag erfolgte nach Paragraf 13b des Energiewirtschaftsgesetzes. Großkraftwerke dürfen danach nur dann endgültig vom Netz gehen, wenn sie von den zuständigen Stellen nicht mehr als systemrelevant eingestuft werden. Neben der Bundesnetzagentur wurden auch der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz sowie die Hamburger Energienetze als Verteilnetzbetreiber über die Stilllegungsabsicht informiert. Dass es Einwände gegen die Stilllegung gibt, gilt als unwahrscheinlich. Das Kraftwerk ist heute überwiegend für die Fernwärme im Hamburger Westen relevant, kaum noch für die Stromversorgung.

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Das Kraftwerk Wedel wurde zwischen 1961 und 1965 errichtet und zählt zu den ältesten noch betriebenen Kohlekraftwerken Deutschlands. Es versorgt seit Ende der 1980er Jahre primär den Westen Hamburgs mit Fernwärme. Ursprünglich sollte die Anlage bereits 2013 außer Betrieb gehen, das Kohlekraftwerk Moorburg sollte die Fernwärmelieferung übernehmen. Doch dazu kam es nie, weil der Bau der dafür notwendigen neuen Fernwärmeleitung nicht genehmigt wurde. Der Abschied von der Kohleverbrennung in Wedel wurde in der Folge immer wieder verschoben, weil eine verlässliche Ersatzlösung fehlte.

Außer Betrieb Ende 2026, Stilllegung im Sommer 2027

Nun liegt ein konkret terminierter Fahrplan für die Außerbetriebnahme vor. Diese soll in zwei Stufen erfolgen. Zunächst ist ab Ende 2026 die sogenannte Konservierung vorgesehen. In dieser Phase wird das Kraftwerk nicht mehr betrieben und verbrennt keine Kohle mehr. Die Anlage bleibt technisch jedoch erhalten und kann mit einem Vorlauf von mehreren Wochen wieder angefahren werden, falls es bei der Wärmeversorgung zu Problemen kommt.

Der zweite Schritt soll ab dem 1. Juli 2027 beginnen: die endgültige Stilllegung. Dann werden sämtliche Betriebsmittel wie Öle und chemische Stoffe entfernt, eine Wiederinbetriebnahme ist ab diesem Zeitpunkt ausgeschlossen.

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Ob es tatsächlich zu diesem Zeitplan kommt, hängt maßgeblich von einem anderen Großprojekt ab: dem Energiepark Hafen auf der Elbinsel Dradenau. Er soll das Kohlekraftwerk Wedel ersetzen und bildet das zentrale Element der künftigen Fernwärmeversorgung für weite Teile Hamburgs. Im Energiepark werden verschiedene Wärmelieferanten zusammengebracht, etwa industrielle Abwärme, Wärme aus der städtischen Müllverwertung und die Energie aus einer Abwasserwärmepumpe im nahen Klärwerk. Auch eine Power-to-Heat-Anlage und ein riesiger Wärmespeicher gehören zum Konzept.

Kernstück des Energieparks ist eine Gas‑ und Dampfturbinenanlage (GuD) mit einer thermischen Leistung von rund 290 Megawatt und einer elektrischen Leistung von etwa 180 Megawatt. Sie soll bei Bedarf zusätzliche Wärme erzeugen und kann Strom liefern. Genau dieses Projekt hat den Abschied von Wedel zuletzt erneut verzögert.

Probleme bei kleinen Rohrleitungen

Ursprünglich sollte die GuD‑Anlage bereits im Frühjahr 2026 in den Betrieb gehen und bis zum Ende der Heizperiode alle Härtetests durchlaufen. In Wedel hätte damit in diesen Tagen der Schalter umgelegt und das Kohlekraftwerk abgeschaltet werden sollen. Der Bau der GuD-Anlage jedoch verzögerte sich um rund ein halbes Jahr. Nach Angaben der Hamburger Energiewerke waren Probleme bei der Installation zahlreicher Kleinstrohrleitungen ausschlaggebend. Diese sind notwendig, um die komplexen Wasserkreisläufe der Fernwärme zu warten und im Betrieb reparieren zu können.

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Die Folge: Die entscheidende Hochlaufphase inklusive umfangreicher Belastungstests kann erst im Herbst 2026, mit Beginn der nächsten Heizperiode, starten. Erst gegen Ende 2026 wird erwartet, dass die Anlage alle Tests bestanden hat und die Fernwärmeversorgung für einen Großteil der Hamburger Haushalte verlässlich übernehmen kann. Bis dahin bleibt das alte Kohlekraftwerk Wedel notwendig.

Hamburg will die Fernwärmeversorgung spätestens bis 2030 kohlefrei machen. Nach dem Aus in Wedel wird noch weiter in Tiefstack zu einem Teil Kohle verbrannt. Bis 2040 soll die Fernwärmeversorgung klimaneutral werden. Entscheidend dafür ist, dass der Energiepark Hafen im Regelbetrieb zuverlässig funktioniert.

Parallel arbeiten die Hamburger Energiewerke an einem Nachnutzungskonzept für den Standort Wedel. Ein erster Entwurf soll nach Angaben des Unternehmens Ende dieses Jahres vorgestellt werden.

Source: welt.de

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