In einer idealen Welt hätten der Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der Werftarbeiter Gordon Baumgart miteinander geredet. Miteinander
reden müssen. Auch wenn ein solches Gespräch das Leben der beiden so
unterschiedlichen Männer wahrscheinlich nicht verändert hätte. Trotzdem. Denn
dass sie sich nicht begegnet sind, obwohl sie an diesem sonnenklaren
Mittwochmorgen vergangener Woche kaum hundert Meter voneinander entfernt auf
der Helling der Stralsunder Volkswerft standen, erzählt auch die momentan reichlich
zerklüftete Geschichte dieses Landes. Was eine Helling ist? So bezeichnet man den
meist schräg abfallenden Platz einer Werft, auf dem Schiffe gebaut und später
ins Wasser gelassen werden. Hier haben Baumgart und seine Kollegen in den
vergangenen vier Jahren unter freiem Himmel gearbeitet und Schiffe repariert. Bei
Wind und Wetter. Sie haben, so wird es später eine Lokaljournalistin überraschend präzise formulieren, für die
Volkswerft den Arsch am Kacken gehalten.