Drohungen wahr gemachtIran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig
18.04.2026, 10:16 Uhr
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Nun also doch nicht: Gerade erst kündigt der Iran eine Öffnung der Straße von Hormus an, jetzt macht das Land wieder einen Rückzieher – und verweist auf die USA.
Der Iran macht die angekündigte Öffnung der Straße von Hormus nach einem Tag wieder rückgängig. Das teilte ein Sprecher des Hauptquartiers der Streitkräfte laut Nachrichtenagentur Fars mit. Als Grund nannte er eine anhaltende Blockade iranischer Häfen durch die USA.
In der Erklärung heißt es weiter, der Iran habe einer kontrollierten Durchfahrt einer begrenzten Anzahl von Öltankern und Handelsschiffen durch die Straße von Hormus zugestimmt. Die USA hätten dagegen ihre Blockade fortgesetzt. Daher sei die Kontrolle über die Straße von Hormus wieder in den früheren Zustand zurückgekehrt: Die strategisch wichtige Meerenge unterliege der strengen Verwaltung und Kontrolle der Streitkräfte. Daran ändere sich nichts, solange die Vereinigten Staaten die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit von Schiffen vom Iran zu ihrem Bestimmungsort und von ihrem Bestimmungsort zurück in den Iran nicht wiederherstellten.
US-Präsident Donald Trump hatte auf der Plattform Truth Social geschrieben, die Blockade bleibe „bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran“ bestehen. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf warnte daraufhin, die Straße von Hormus werde nicht offen bleiben, wenn die US-Blockade der iranischen Häfen andauere.
Rasche Normalisierung war ohnehin nicht in Sicht
Auch nach der Ankündigung am Freitag war in der für den globalen Energiehandel wichtigen Straße von Hormus eine rasche Normalisierung des Schiffsverkehrs nach Einschätzung von Datenanbietern und Branchenbeobachtern nicht in Sicht. Wie der Sender CNN unter Berufung auf Verkehrsdaten berichtet, passierten seit der offiziellen Freigabe durch Teheran lediglich fünf Frachtschiffe und ein leeres Kreuzfahrtschiff die Meerenge, jedoch keine Öltanker.
Nach Einschätzung von John-Paul Rodriguez, Experte für Seeschifffahrt an der Texas A&M University, halten widersprüchliche Statusmeldungen Reedereien von der Durchfahrt ab. Rodriguez sagte dem Sender Al Jazeera: „Seit der Ankündigung haben Schiffe versucht, die Meerenge zu passieren … aber es sieht so aus, als würden viele von ihnen umkehren, weil die Lage unklar ist.“ Große Reedereien würden sich wahrscheinlich nicht wohl dabei fühlen, die Meerenge zu durchfahren, bis die „derzeitige iranische Sperre vollständig aufgehoben“ sei.
Der Iran hatte die Wasserstraße nach Beginn der militärischen Auseinandersetzungen mit Israel und den USA am 28. Februar 2026 gesperrt. Außenminister Abbas Araghtschi hatte dann am Freitag erklärt, die Passage sei im Zuge der Waffenruhe für den Handel geöffnet. Teheran knüpfte dies jedoch an Bedingungen. Schiffe müssen demnach eine Genehmigung der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) einholen und auf fest vorgegebenen Routen verbleiben. Unklar ist, ob sie auch eine Maut zahlen müssen.
Der Analysedienst Kpler schrieb auf der Plattform X, dass die politischen Ankündigungen beider Seiten stark von der operativen Realität abwichen. Eine Rückkehr zur Normalität und die Wiederherstellung des Vertrauens der Versicherungsmärkte werde Monate in Anspruch nehmen.
Source: n-tv.de