Agrarkonzern in dieser Krise: Drei Rücktritte im Aufsichtsrat dieser Baywa

Die Sanierung der hoch verschuldeten Baywa SE hat schon häufiger zu personellen Konsequenzen geführt. Erst vor drei Wochen musste der frisch mit der Neuausrichtung beauftragte Vorstandsvorsitzende Frank Hiller seinen Posten wieder räumen. Nun geben gleich drei Aufsichtsräte ihre Mandate ab.

Wie Deutschlands größter Agrar­konzern am Sonntag mitteilte, kündigten Michael Höllerer und Monika Hohlmeier ihre Rücktritte zum 31. März an und Monique Surges zum 30. Mai. Höllerer, Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien, Surges, Chefin der deutschen Außenhandelskammer in Neuseeland, und die CSU-Politikerin Hohlmeier gehörten dem Kontrollgremium schon an, als die Baywa im Sommer 2024 in die existenzbedrohende Krise schlitterte.

Michael Höllerer, Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien
Michael Höllerer, Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-WienRaiffeisen NOe-Wien / Eva Kelety

Seitdem kritisieren viele Aktionäre nicht nur das vermeintliche Versagen des Vorstands, sie fordern auch immer wieder eine Neubesetzung des Aufsichtsrats, um verloren gegangenes Vertrauen in den börsennotierten Konzern wiederherzustellen. Derzeit laufen Ermittlungen der Finanzaufsicht Bafin und der Staatsanwaltschaft München. Es geht um den Verdacht, dass die früheren Manager die finanzielle Lage der Baywa zu gut dargestellt haben. Doch während der Vorstand mittlerweile „runderneuert“ sei, säßen die Kontrolleure auf ihren Stühlen „wie mit Pattex festgeklebt“, monierte etwa Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Dem vor eineinhalb Jahren neu eingesetzten Aufsichtsratsvorsitzenden Gregor Scheller waren beim Umbau des Gremiums enge Grenzen gesetzt, da die meisten Mandate bis zur Hauptversammlung 2028 laufen. Durch den vorzeitigen Rücktritt von Höllerer, Hohlmeier und Surges besteht der Aufsichtsrat derzeit noch aus 13 Mitgliedern.

Scheller will die frei werdenden Stellen neu besetzen und dabei auf Fachkenntnisse in den vier Baywa-Kernbereichen Landwirtschaft, Bau, Handel sowie Vertrieb und Digitalisierung achten. Von 2028 an soll zudem ein rotierendes Wahlsystem eingeführt werden, indem jährlich zwei Mitglieder neu gewählt und die Amtszeit von fünf auf vier Jahre verkürzt wird.