Russland beendet Lieferung kasachischen Öls nachdem Deutschland
Russland hat angekündigt, die Durchleitung kasachischen Öls nach Deutschland einzustellen – und führt technische Gründe an. Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Energieversorgung dadurch nicht gefährdet.
Russland will ab Mai kein Öl aus Kasachstan mehr über die Druschba-Pipeline zur PCK-Raffinerie im brandenburgischen Schwedt leiten. Die unter staatlicher Treuhandverwaltung stehende deutsche Tochter des russischen Rosneft-Konzern habe darüber die Bundesnetzagentur informiert, erklärte eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums.
Die Entscheidung geht den Angaben zufolge auf das russische Energieministerium zurück, welches ab dem 1. Mai die Durchleitung von kasachischem Öl für die PCK Schwedt über russisches Staatsgebiet verbietet.
Gründe bleiben unklar
Russland bestätigte das Ende der Lieferungen, verwies aber auf „technische Kapazitäten“ als Begründung. Kasachische Öllieferungen nach Deutschland würden ab kommenden Freitag „auf andere verfügbare Logistikwege umgeleitet“, sagte der für Energie zuständige russische Vizepremierminister Alexander Nowak.
Es ist jedoch unklar, ob die Pipeline aus politischen oder technischen Gründen geschlossen wird. Kasachstans Energieminister Jerlan Akkenschenow hatte vermutet, Grund für das Ende der Lieferungen könnten Schäden der russischen Infrastruktur durch ukrainische Angriffe sein. Er gehe davon aus, dass Russland die Durchleitung des Öls aus Kasachstan nach Deutschland nach einer Reparaturphase wieder freigebe, so Akkenschenow.
PCK-Raffinerie versorgt Berlin und Nordosten Deutschlands
Das Bundeswirtschaftsministerium sieht die Versorgungssicherheit in Deutschland jedoch nicht bedroht. „Rosneft Deutschland prüft derzeit die Auswirkungen und wird sich einer etwaigen neuen Lage anpassen“, erklärte die Sprecherin des Ministeriums.
„Durch das Ausbleiben der kasachischen Öllieferungen an die PCK-Raffiniere ist die Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland letztlich nicht gefährdet, auch wenn die PCK Schwedt mit einer geringeren Kapazitätsauslastung fahren müsste“, versicherte die Sprecherin.
Die PCK-Raffinerie ist für die Versorgung Berlins und des Nordostens Deutschlands mit Diesel, Benzin, Kerosin und Heizöl wichtig. Das Unternehmen selbst gibt an, für 90 Prozent der Versorgung Berlins und Brandenburgs zu stehen.
Bundeswirtschaftsministerin zuversichtlich
Auch Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche zeigte sich zuversichtlich, dass die PCK-Raffinerie ihre Produktion auch bei einem möglichen Stopp des Transits von kasachischem Rohöl durch Russland aufrechterhalten kann. Sie gehe davon aus, dass die Raffinerie weiter Rohöl erhalte „und dass PCK in der Lage ist, die Produktion auf dem Niveau zu halten“, sagte Reiche in Berlin.
Es gebe aber noch zu wenige Details. Die Bundesregierung sei im intensiven Austausch mit der Geschäftsführung und der Bundesnetzagentur als Treuhänder der Raffinerie. Als alternative Lieferwege nannte Reiche die Häfen in Danzig und Rostock. Dies müsse aber sorgfältig geplant werden. Zu Auswirkungen für Verbraucher und Unternehmen könne sie noch nichts sagen.
Raffinerie hauptsächlich aus Rostock versorgt
Kasachisches Öl fließt bislang über den nördlichen Teil der Druschba-Pipeline durch Russland, Belarus und Polen nach Brandenburg zur Raffinerie PCK – der südliche Strang führt durch die Ukraine nach Ungarn. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich bei dem kasachischen Öl jedoch um „zusätzliche Mengen“. Demnach wird die Raffinerie hauptsächlich per Pipeline aus Rostock versorgt.
Mit Informationen von Frank Aischmann, ARD-Studio Moskau
Source: tagesschau.de