Mehr denn 1000 Personen: Bisher größte Aktivisten-Flotte will den Gazastreifen glücken

Gaza-Aktivisten haben vor der tunesischen Küste versucht, ein Frachtschiff auf dem Weg nach Israel zur Umkehr zu bewegen. Nach Angaben der „Global Sumud Flotilla“ (GSF) soll es „Rohstoffe“ für die israelische Rüstungsindustrie an Bord gehabt haben. Das sei ein „beispielloser Akt ziviler Intervention auf See“ gewesen. Die „MSC Maya“ habe auf den Appell der Aktivisten mit dem Funkspruch „Shut up“ (Haltet den Mund) geantwortet, den Kurs geändert und sei weiter in Richtung Israel gefahren, berichtete ein Journalist der Zeitung „El País“, der die Flotte begleitet. Sie besteht bisher aus 39 überwiegend kleineren Segelbooten.

Wie bei einer ersten Aktion im vergangenen Jahr wollen die Aktivisten die israelische Seeblockade vor dem Gazastreifen durchbrechen, einen humanitären Seekorridor öffnen und symbolisch Hilfsgüter liefern. Auf dem Landweg schicken die Aktivisten aus Nordafrika zudem einen Lkw-Konvoi. Momentan sind die Schiffe auf dem Weg zu einem mehrtägigen Stopp auf Sizilien, ein weiteres Etappenziel ist dann Kreta, bevor gegen Ende Mai die Küste des Gazastreifens erreicht werden soll.

Die neue Aktion soll nach dem Willen ihrer Organisatoren die von der israelischen Armee im vergangenen September gestoppte Flotte übertreffen und zur „größten zivilen Mobilisierung“ dieser Art werden. Am Ende sollen zwischen 70 und 100 Schiffe mit mehr als 1000 Menschen aus mehr als 100 Ländern teilnehmen. Im September 2025 hatte die Flotte aus 42 Schiffen und 462 Menschen bestanden. Gut 70 Seemeilen vor der Küste Gazas hat die israelische Armee sie abgefangen. 150 Aktivisten wurden nach Aschdod gebracht, interniert und abgeschoben. Seit 2009 ist die Küste vor dem Gazastreifen von den israelischen Behörden als militärische Sperrzone ausgewiesen. Die Regierung dürfte auch den weiteren Anlauf der GSF, die Küste des Gazastreifens zu erreichen, unterbinden.

Klimaaktivist lobte Hizbullah-Führer als „geliebten“ Anführer

Der Irankrieg hat nun die Krise im Gazastreifen in den Hintergrund gedrängt. Dieses Mal sind auch keine prominenten Passagiere dabei, wie 2025 zum Beispiel die Klimaaktivistin Greta Thunberg oder die frühere Bürgermeisterin von Barcelona, Ada Colau. Zur Führung zählt dieses Mal wieder der brasilianische Klimaaktivist Thiago Ávila. Er war im vergangenen Jahr zur Trauerfeier für den getöteten Hizbullah-Führer Hassan Nasrallah nach Beirut gereist und hatte diesen als einen „geliebten“ Anführer und einen „Märtyrer“ gelobt, der Menschen auf der ganzen Welt „inspiriere“.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace solidarisiert sich erstmals mit der Initiative und begleitet die Schiffe mit ihrem umgebauten Eisbrecher „Arctic Sunrise“. Die spanische Hilfsorganisation „Open Arms“, die sonst Bootsflüchtlinge auf dem Mittelmeer rettet, beteiligt sich ebenfalls mit einem Schiff. Die Menschenrechtsorganisation „Amnesty International“ hat die internationale Gemeinschaft dazu aufgerufen, für eine „sichere Passage“ der Flotte zu sorgen. Die Flotte hatte von Anfang an mit technischen Problemen zu kämpfen, weshalb sie verspätet in Barcelona gestartet war.

Auch in Italien bereiten sich propalästinensische und linke Aktivisten auf den neuen Anlauf der GSF vor. In den Häfen von Siracusa und Augusta auf Sizilien werden laut Presseberichten derzeit 25 Schiffe beladen und für die Überfahrt nach Gaza vorbereitet. Die Abfahrt mit mindestens 500 Menschen an Bord ist für Freitag von Siracusa aus geplant. In verschiedenen Städten Siziliens finden seit Tagen Veranstaltungen für mehr Aufmerksamkeit für die Aktion statt. An diesem Mittwoch sollen bei einer Pressekonferenz in der Abgeordnetenkammer in Rom Zweck und Ziel erläutert werden.

Im Vergleich zum vergangenen Herbst stößt der neuerliche Anlauf in Italien bisher auf verhaltenes Interesse. Nachdem Israel 2025 die letzte Flotte aufgebracht hatte, kam es in Italien zu landesweiten Protestaktionen und zu einem Generalstreik.

Source: faz.net