Apple-Fails | Vom Newton solange bis Antennagate: Die fünf größten Fails in welcher Geschichte von Apple

Vor 50 Jahren in einer Garage in Los Altos gegründet, ist Apple zuletzt unter Tim Cook zur wertvollsten Marke avanciert. Nun geht der Nachfolger von Steve Jobs in Rente. Wir zeigen die fünf größten Pannen und Fails des Tech-Riesen


Manchmal war der Wurm drin. Der Aufstieg von Apple zur wertvollsten Marke der Welt verlief nicht immer reibungslos und perfekt

Illustration: der Freitag


Apple III (1980): Ohne Woz verbockt

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Der Apple II sorgte in der damals noch kleinen Computer-Community Ende der 1970er-Jahre für Aufsehen. Der Nachfolger Apple III erschien im Mai 1980, wurde aber schon nicht mehr vom genialen Apple-Mitgründer Steve Wozniak entwickelt. Auch deshalb wurde das Gerät zum Flop. Denn die Verarbeitung und Konstruktion waren mangelhaft.

Der Computer mit 128 KB RAM, der eine neue businessorientierte Käuferschaft anziehen sollte, überhitzte wegen einer fehlenden Lüftung. Beim Betrieb sprangen Chips aus den Fassungen und Platinen verbogen sich. Fast 100 Prozent aller ausgelieferten Rechner funktionierten nicht – trotz eines happigen Preises zwischen 4.300 und 7.800 Dollar (entspricht heute 17.000 bis 30.000 Dollar).

Das Renommee, das sich das damals junge Unternehmen mit dem Apple II erworben hatte, war ruiniert. Den Fail wusste Konkurrent IBM auszunutzen, der sich seit den 80ern als Standard in Großraumbüros etablierte und die Marke so synonym für die Gattung PC machte.

Mac Portable (1989): Wer braucht Laptops?

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Definitiv zu früh zur Party erschien der Macintosh Portable. Der erste batteriebetriebene und somit mobile Computer von Apple kam im September 1989 auf den Markt. Da stand noch die Berliner Mauer. Die Vorzüge eines tragbaren PCs waren dem Mainstream noch nicht bekannt, wussten bis dahin doch die wenigsten, was man überhaupt mit einem Computer machen soll.

Der Mac Portable war zudem mit 7,2 Kilogramm Gewicht alles andere als leicht. Das Aktivmatrix-Display mit 9,8 Zoll Bildschirmgröße hatte eine Auflösung von 640 × 400 Pixel. Mit Festplatte (40 MB) kostete der Proto-Laptop amtliche 7.300 Dollar (entspricht heute 19.000 Dollar). Dafür hielt der Akku ganze zehn Stunden, was selbst für heutige Verhältnisse erstaunlich ist.

Statt geplanter 50.000 Einheiten verkaufte Apple vom Mac Portable nur einen Bruchteil. 1991 wurde das Produkt eingestellt. Danach startete die Reihe PowerBook, die einige Jahre später den Laptop-Markt definieren und das mobile Arbeiten für immer prägen sollte.

Newton (1993): Kritzeliger Taschenrechner

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Bevor es Smartphones gab, waren PDAs, also persönliche digitale Assistenten, Computer, die so groß waren wie ein Taschenrechner und mit einem Stift bedient wurden. Apple stellte das erste Newton MessagePad 1993 in Boston vor und war als eines der ersten Unternehmen ganz vorne mit dabei.

Ein bisschen wie beim Apple III war das Produkt jedoch bei Auslieferung nicht ausgereift. Die Software zeigte Schwachstellen, oft ging einfach gar nichts. Die Eingabe mit dem Stylus, also dem Stift, war hakelig, die Erkennung der Handschrift klappte selten, der Prozessor mit 20 MHz zu schwach. Die Probleme gingen weiter. Angetrieben wurde der erste Newton von vier AAA-Batterien, was zu mauen Betriebszeiten führte. Auch gab es zu wenig Schnittstellen, um den Assistenten mit dem heimischen PC zu synchronisieren.

Als Steve Jobs 1998 zu Apple zurückkehrte, stoppte er den Newton sofort. Es sollte noch neun Jahre dauern, bis Apple mit dem ersten iPhone die Welt der Taschencomputer für immer veränderte.

Pippin (1996): Verzockt bei Konsolen

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Eines der unbekanntesten Apple-Geräte überhaupt ist die Pippin. Man will es kaum glauben, aber, ja, Apple hat 1996 gemeinsam mit dem japanischen Unternehmen Bandai eine Spielekonsole herausgebracht – ein Jahr nach der PlayStation von Sony. Dass Apple mit dem Thema Games schon immer fremdelte, zeigte sich auch hier.

Die Pippin wurde nicht als reine Spielekonsole, sondern „als integrales Gerät für Audiovideo-, Stereo- und TV-Konsum“ entwickelt und vermarktet. Das zeigte sich auch darin, dass das Gerät keine dezidierte Grafik- und Soundkarte hatte. Zu der Zeit war der Spielemarkt von Marken wie Sega, Nintendo und Sony dominiert. Noch mehr spielten aber auf Windows-PCs.

Obwohl die Pippin (wie Macintosh nach einer Apfelsorte benannt) Internetzugang hatte, war ein zeitiges Ende unvermeidbar. Auch weil die Konkurrenz günstiger war und bessere Spiele im Angebot hatte. 2006 setzte das Fachmagazin PC World die Konsole auf Rang 22 der „25 schlechtesten Produkte aller Zeiten“.

iPhone 4 (2010): Schlechte Haltungsnoten

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Als das iPhone 4 im Sommer 2010 auf den Markt kam, kampierten unzählige Fans vor den Apple-Stores. Das iPhone 4 wurde in den ersten drei Tagen über 1,7 Millionen Mal verkauft. Große Schlagzeilen machte das Gerät aber durch das sogenannte Antennagate. Die Antenne wurde nämlich im Edelstahlrahmen verbaut. Viele User beschwerten sich über den schlechten Empfang ihres geliebten Gadgets.

Antennagate artete zum Skandal aus. Das lag auch an der mittelmäßigen Krisenkommunikation des Unternehmens: „Halten Sie das Gerät einfach anders“, lautete Steve Jobs’ lapidare Belehrung, die schon ein bisschen was von Gaslighting hatte. Tatsächlich lag aber der Fehler im Telefon, besser gesagt in der Software, der bald behoben wurde.

Zur Besänftigung versprach Jobs allen eine kostenlose Hülle, die die Antenne ein wenig besser abschirmte. Die Gates aber blieben: Bendgate, Batterygate, Chargegate und Scratchgate sollten folgen. So medienwirksam wie Antennagate sollte es aber (zum Glück für Apple) nicht mehr werden.