Pop-Biopics: Michael Jackson, Elvis & Co.: Warum Musikfilme so gut wie immer lügen sollen

Kein Sex, keine Drogen und oft nicht einmal Rock’n’Roll: Biopics wie „Michael“, „Rocketman“ und „Bohemian Rhapsody“ erzählen selten die wahre Geschichte – aus gutem Grund.
In keinem Filmgenre wird mehr geflunkert, gelogen und getäuscht als in einem „Biopic“. Vor allem, wenn es sich um Popstars dreht. Fans lieben ihre Götter nämlich nicht nur für die Musik, sondern auch für deren kleine und großen Schwächen, die ihre Songs oft erst so groß und die Idole so menschlich machen. Aber die Drogenexzesse und Sexorgien von Freddie Mercury, Elton John, Whitney Houston und Elvis lassen sich auf keiner Leinwand zeigen – und gar so menschlich wollen viele Fans ihre Ikonen dann doch nicht sehen. Ein Problem, das noch nie so groß war wie bei Michael Jackson, dessen Biopic „Michael“ am 22. April startet: Kein Popstar flog so hoch – und stürzte aufgrund von Missbrauchsvorwürfen derart ab.
Auch andere Biopics von „Walk The Line“ bis „Like A Complete Unknown“ präsentieren lieber einen gefälligen Remix des Künstlerlebens. Gründe sind das Image, das nicht beschädigt werden soll, und die Milliarden, die damit umgesetzt werden. Auch hier ist das Jackson-Biopic ein Paradebeispiel: Als im November der Trailer erschien, wurde er in nur 24 Stunden fast 120 Millionen Mal geklickt. Das Branchenblatt „Variety“ schrieb, die Produzenten rechneten mit einem Kassenergebnis von 700 Millionen Dollar.
Ein Star, dessen letzten Lebensjahre von Missbrauchsklagen überschattet wurden, ist da Kassengift – auch wenn Michael Jackson nie ein Gerichtsurteil kassiert und alle Anschuldigungen außergerichtlich beigelegt hat. Die erwünschte Rehabilitation hat Jackson allerdings nie erhalten, pünktlich zum Filmstart wurden jetzt zwei neue Klagen eingereicht.
Die Drehbuchautoren von „Michael“ haben einen Weg gefunden, mit einem unliebsamen Thema nicht umgehen zu müssen. Wie schon andere Biopics zuvor, die versuchten, Elvis, Johnny Cash, Whitney Houston und Elton John strahlender aussehen zu lassen, als sie es waren. Doch bereits ein kleiner Faktencheck lässt den Schwindel schnell auffliegen.
Source: stern.de