Logistikstandort: Protest gegen Zalando-Aus in Erfurt – Unternehmen reagiert

In Erfurt haben mehrere Hundert Menschen gegen die Schließung des Zalando-Standorts demonstriert.
Bei einer Kundgebung gegen die Schließung des Erfurter Zalando-Standorts übt auch Arbeitsministerin Schenk scharfe Kritik am Unternehmen. Zalando meldet sich im Nachhinein zu Wort.
Bei einer Kundgebung gegen die geplante Schließung des Zalando-Standortes in Erfurt haben sich Mitarbeiter, Gewerkschafter, aber auch prominente Politikvertreter Luft gemacht. Vor allem der Umgang des Internet-Modehändlers mit der Belegschaft und dem Betriebsrat stand dabei im Mittelpunkt der Kritik.
Logistikzentrum in Erfurt
Zalando-Betriebsrat fordert Antworten zur Standort-Zukunft
Warum der Betriebsrat im Erfurter Zalando-Logistikzentrum Fragen von der Geschäftsführung beantwortet haben möchte.
Neben Schenk waren auch andere Politiker vor Ort, darunter Finanzministerin Katja Wolf und Infrastrukturminister Steffen Schütz (beide BSW) sowie der ehemalige Ministerpräsident und Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke).
Gewerkschaftssekretär Adorf betonte, dass es nicht nur um Arbeitsplätze gehe, sondern auch um Biografien. Als er selbst vor einigen Jahren bei Zalando gearbeitet habe, habe er dort seine heutige Ehefrau kennengelernt. „Das ist nicht die einzige Zalando-Ehe, die es hier in Erfurt gibt.“ Das Unternehmen entziehe den Beschäftigten den Boden, auf dem Ehen, Beziehungen, Freundschaften entstanden seien und auf dem auch die wirtschaftliche Existenz stehe.
Zalando pocht weiter auf Einigungsstelle
„Wir haben Verständnis für die Emotionen der Betroffenen“, betonte ein Unternehmenssprecher von Zalando in einer schriftlichen Mitteilung als Reaktion auf die Kundgebung von Samstag. „Klar muss aber auch sein: Wirkliche Fortschritte für die Belegschaft erzielen wir nur durch konstruktive Sacharbeit am Verhandlungstisch im Rahmen der Einigungsstelle.“
Die Einigungsstelle soll einer Arbeitsgerichtsentscheidung zufolge im Konflikt um die Schließung schlichten. Zalando hatte die Schlichtungsinstanz beantragt und das Gericht angerufen. Das Arbeitsrecht sieht Einigungsstellen in Unternehmen vor, wenn sich Betriebsrat und Arbeitgeber in wichtigen Fragen nicht verständigen können.
Standortschließung
Einigungsstelle soll im Zalando-Konflikt in Erfurt schlichten
Die Entscheidung von Zalando, das Logistikzentrum in Erfurt zu schließen, kam für die Belegschaft überraschend. Der Konflikt schwelt – nun ist das Unternehmen beim Arbeitsgericht erfolgreich.
Betriebsrat lehnt Einigungsstelle ab
Zalando sei bereit, die Arbeit in der Einigungsstelle sofort zu beginnen und würde es begrüßen, „wenn der Betriebsrat der Entscheidung des Arbeitsgerichts folgen würde, so dass wir gemeinsam die zu klärenden Punkte besprechen können“, so der Unternehmenssprecher.
Der Betriebsrat wiederum lehnt die Einigungsstelle ab. Er hält das Gremium für nicht notwendig und betont, offen für direkte Gespräche über Interessenausgleich und Sozialpläne zu sein.
E-Commerce
Zalando: KI pusht Umsatz auf 12,3 Mrd. Euro
Zalando gewinnt an Wachstumsdynamik. Der Online-Retailer konnte 2025 ein zweistelliges Umsatzplus generieren. Synergieeffekte aus der About You-Übernahme greifen bereits. Das sind die essenziellen Zahlen.
Im Zalando-Logistikzentrum in Erfurt sind rund 2700 Arbeitnehmer beschäftigt. Nach den Plänen des Dax-Konzerns soll es im September geschlossen werden. Dagegen wehrt sich die Arbeitnehmervertretung. Den für Mitarbeiter überraschenden Schritt hatte Zalando Anfang des Jahres kurz nach der arbeitsintensiven Weihnachtszeit angekündigt.
Grund ist nach Unternehmensangaben eine Neuausrichtung des konzerneigenen europaweiten Logistiknetzwerks nach der Übernahme des Online-Modehändlers About You im vergangenen Jahr.