Fotografie: Leica findet Partner in China
Die Leica Camera AG hat mit dem chinesischen Halbleiterhersteller Gpixel Microelectronics Co. Ltd. eine weitreichende technische Partnerschaft geschlossen. Wie die Unternehmen am Montag mitteilen, werden sie spezielle Bildsensoren für die Kameras des traditionsreichen deutschen Kamerahauses entwickeln. Die Kooperation soll darüber hinaus die Validierung, Bildabstimmung und Serienreife umfassen.
In den kommenden Kameras der Leica M-Serie könnten die neuen Sensoren bereits zum Einsatz kommen. Bislang setzt Leica auf Halbleiter aus dem Hause Sony. Die Japaner sind derzeit der größte Hersteller von Bildsensoren in der Welt. Sie liefern auf der einen Seite Standardchips, fertigen auf der anderen Seite ihren Kunden aber auch bestimmte elektronische Bausteine nach Maß, deren Vorgaben und Plänen.
Leica entwickelt wieder eigene Bildsensoren
So gibt Leica seinem aktuellen M-11-Modell keine Video- und Autofokusfunktionen. Daher braucht der in den Kameras verwendete Sony-Sensor keine sogenannten PDAF-Pixel. Das soll die Qualität der Fotos deutlich erhöhen. Vor Sony hatte Leica auf Sensoren des europäischen Chipherstellers AMS Osram gesetzt, der seine Sensoren in Österreich entwickelt und in Frankreich fertigt. Davor hatte Leica schon einmal eigene elektronische Bausteine entwickelt.

Nach Jahren der Pause machte sich Leica dann 2022 wieder daran, die Entwicklung eigener Bildsensoren in die Hand zu nehmen. Dafür fasste das Management einen Zeitraum von fünf Jahren ins Auge und holte nun die Gpixel-Gruppe ins Boot. Die Chinesen wollen das Geschäft in direkter Konkurrenz zu Sony aufbauen. Gpixel wurde 2012 gegründet, ist heute auf Bildsensoren spezialisiert und arbeitet in China, Japan sowie in Europa.
China ist für Leica Camera einer der wichtigsten nationalen Absatzmärkte in der Welt. Auch hat das Unternehmen bereits einige Erfahrungen mit technologischen Zusammenarbeiten im Reich der Mitte. Die Deutschen kooperierten bereits mit führenden chinesischen IT-Konzernen wie Xiaomi und Huawei. Nun kommt der ambitionierte Sensor-Spezialist Gpixel ins Spiel.
Aktien von Gpixel sind nun an der Börse in Hongkong notiert
Während Leica im Jahr rund eine halbe Milliarde Euro erlöst, kommt Gpixel auf einen Umsatz von umgerechnet etwas mehr als 100 Millionen Euro. Beide Unternehmen arbeiten mit Gewinn, beide Unternehmen haben ehrgeizige Pläne. Dafür mischt Leica gerade Teile der Struktur seiner privaten Anteilseigner neu. Gpixel dagegen sucht den Gang an die öffentlichen Finanzmärkte.
Seit Ende vergangener Woche sind die Aktien von Gpixel an der Börse in Hongkong notiert. Der Börsengang spülte dem Unternehmen zunächst rund 300 Millionen Euro in die Kasse, die in das weitere Wachstum investiert werden sollen. Der Kurs der Gpixel-Aktie hatte am ersten Handelstag vergangenen Freitag dann satte 75 Prozent auf 70 Hongkong-Dollar zugelegt.
„Ich freue mich sehr und bin stolz, dass unsere langjährige Zusammenarbeit mit Gpixel einen echten Leica-Sensor hervorbringt, der beste Ingenieursarbeit aus Wetzlar, Antwerpen und Changchun in sich vereinen wird“, erklärte Leica-Chef Andreas Kaufmann. „Gemeinsam schaffen wir eine neue Generation von Sensoren“, sagt Xinyang Wang, Vorstandschef von Gpixel.