Papst in AFrika: Mehr Friedensbotschaft, weniger Wortgefecht

Auf dem Flug nach Angola musste sich Papst Leo XIV. abermals zu den Wortgefechten mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump äußern. Der Auftakt seiner Afrikareise mag von dem Streit überschattet gewesen sein. Die Begeisterung der Menschen in den besuchten Ländern aber ist dadurch nicht gedämpft. In einem südlichen Vorort von Luanda, der Hauptstadt Angolas, kamen am Sonntag 100.000 Menschen zu einer Open-Air-Messe. Schon bei seiner vorherigen Station in Kamerun hat der Papst vor riesigen Menschenmengen gesprochen.
In Angola, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung katholisch ist, wird seit Wochen der Besuch des Papstes vorbereitet. Nahezu täglich brachte die Staatszeitung „Jornal de Angola“ Vorberichte, Hauswände in der Nähe großer Kirchen wurden gestrichen, Schlaglöcher in den Straßen gestopft, und mehrere Tausend freiwillige Helfer sind im Einsatz.
Die meisten Angolaner seien „unglaublich stolz“ darauf, dass der Papst auf seiner ersten Afrikareise Angola besucht, ist von Beobachtern zu hören. Die Nachrichten über die Kontroverse mit Trump würden nur am Rande zur Kenntnis genommen.
Leos Worte stoßen auch bei Nichtkatholiken auf Resonanz
Für die Regierung in Luanda kommt der Papstbesuch ein Jahr vor den Parlamentswahlen zu einer günstigen Zeit. Kürzlich konnte sie schon durch den Gipfel der EU und der Afrikanischen Union die internationale Aufmerksamkeit auf sich und das Land lenken.
Am Samstag schlug der Papst nach der Ankunft gegenüber Vertretern der Regierung, der Zivilgesellschaft und Diplomaten auch einen kritischen Ton an, als er die Herausforderungen erwähnte, mit denen Angola durch ausländische Mächte und die Rohstoffindustrie konfrontiert sei. Die Angolaner seien sich sehr wohl bewusst, dass „allzu oft Menschen auf ihr Land geschaut haben und es immer noch tun, um zu geben oder, häufiger, um zu nehmen.“ Es sei notwendig, „diesen Kreislauf der Interessen zu durchbrechen“.
Solche Sätze stoßen auch bei Nichtkatholiken in Angola auf besondere Resonanz. Das Land ist einer der wichtigsten Ölproduzenten auf dem Kontinent, doch ein Drittel der Bevölkerung lebt unter der absoluten Armutsgrenze. Korruption und Bereicherung setzten sich auch nach der Kolonialzeit fort und verhalfen vor allem der Familie des früheren Präsidenten, José Eduardo dos Santos, zu märchenhaftem Reichtum.
Papst Leo: Widerspruch gegen Trump war nicht meine Absicht
Nach viel Aufruhr um den Streit mit Trump zeigte sich der Papst auf dem Flug nach Angola am Samstagmorgen um Entspannung bemüht. Vor mitreisenden Journalisten sagte er, manche seiner Äußerungen seien in den Medien „nicht in allen Aspekten korrekt“ gedeutet worden. Der US-Präsident und der Papst hatten sich seit Beginn der Afrikareise scheinbar ein Wortgefecht über den Irankrieg geliefert. Trump warf dem Papst eine „schreckliche“ Außenpolitik vor. Auf dem Flug von Rom nach Algier versicherte Leo, er habe „keine Angst vor der Trump-Regierung“ und bekräftigte, er werde die Friedensbotschaft des Evangeliums weiter verkünden.
In Kamerun dann prangerte Leo an, dass die Welt „von einer Handvoll Tyrannen zerstört“ werde. Diese Rede sei jedoch schon „vor zwei Wochen“ vorbereitet worden – also lange, „ehe der Präsident etwas über mich gesagt hat und über die Friedensbotschaft, die ich verbreite“.
Vieles von dem, was seither geschrieben worden sei, „waren Kommentare über Kommentare in dem Versuch zu interpretieren, was gesagt wurde. Das wurde so aufgefasst, als wollte ich dem Präsidenten widersprechen. Das war überhaupt nicht meine Absicht.“ Sein Ziel bleibe, eine Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit zu verbreiten.
Evangelikale Freikirchen mit geschäftstüchtigen Priestern
Auf dem afrikanischen Kontinent leben inzwischen mehr Katholiken als in Europa, und ihre Zahl wächst weiter. Das ist ein Grund, weshalb Afrikareisen für Päpste auch in der Vergangenheit eine wichtige Rolle spielten. Seit etlichen Jahren erhalten die Kirchen in Afrika außerdem zunehmend Konkurrenz. Insbesondere evangelikale Freikirchen mit charismatischen und meist geschäftstüchtigen Priestern ziehen Menschen in Scharen an. Im portugiesischsprachigen Angola haben vor allem Freikirchen aus Brasilien einen Wachstumsmarkt entdeckt.
Die Bedeutung der christlichen Kirchen geht vielerorts weit über Gottesdienste hinaus. In Ländern, in denen der Staatsapparat nahezu kollabiert ist, sind sie wichtige Stützen im Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesen. Auch politisch melden sich Kirchenvertreter häufig mahnend zu Wort wie jüngst in Kamerun, wo sich einige Bischöfe gegen eine weitere Amtszeit des 93 Jahre alten Präsidenten Paul Biya wandten und Korruption anprangerten.
In ähnlicher Weise ließ auch der Papst Kritik an der Regierungsführung anklingen, als er in einer Predigt in der Stadt Douala dazu aufrief, den Versuchungen der Korruption zu widerstehen und stattdessen dem Gemeinwohl zu dienen. „Lasst euch nicht von Versuchungen verführen, die eure Kräfte vergeuden und dem Fortschritt der Gesellschaft nicht dienen.“
In Angola soll die Papstreise auch in Landesteile fernab der Hauptstadt führen. Am Sonntagnachmittag flog der Papst per Hubschrauber nach Muxima, 110 Kilometer südöstlich von Luanda, wo sich ein beliebter Wallfahrtsort befindet. Afrikanische Sklaven wurden dort einst getauft, bevor sie die Schiffe nach Nord- und Südamerika besteigen mussten. Am Montag wird Leo im Nordosten, in der Stadt Saurimo, unter anderem ein Altenheim besuchen, am Dienstag geht es weiter nach Äquatorialguinea, der letzten Station der 18.000 Kilometer langen Papstreise.
Source: faz.net