Disney-Serie „The Testaments“: Die Frauenquälerei geht weiter
„The Handmaid’s Tale“ war eine der „Widerstands-Serien“ während Trumps erster Amtszeit. Nun ist die Fortsetzung „The Testaments: Die Zeuginnen“ gestartet. Sie spielt zehn Jahre später. In Gilead teilt man noch immer Frauen nach Farben auf
Privileg und Repression gehen Hand in Hand – das muss auch Protagonistin Agnes lernen
Foto: Disney
Es ruft tiefe Erschöpfung hervor, sich klarzumachen, dass es nun zehn Jahre sind, in denen sich – gefühlt – die ganze Welt wegen Donald Trump in ständiger, nervenaufreibender, kollektiver Aufgeregtheit befindet. Dabei bietet jeder Tag so viele neue Anlässe zur Empörung, dass man glatt vergisst, worüber man sich gestern oder eben auch vor zehn Jahren bereits aufgeregt hat.
Die Serie The Testaments, vergangene Woche auf Disney+ gestartet, bringt als Fortsetzung zu The Handmaid’s Tale. Der Report der Magd ein bisschen Erinnerung zurück: Als deren Ausstrahlung im April 2017 begann, empfand man die Adaption des Margaret-Atwood-Romans von 1985 als zwar überspitzten, aber gerade deswegen stimmigen Ausdruck der Ängste jener Zeit, unterstrichen von der strengen Farb- und Kostüm-Stilistik, die ikonische Vorlagen bot. Auf nicht wenigen Anti-Trump-Protesten erschienen Frauen in roten Umhängen mit weißer Haube.
Über sechs Staffeln hinweg entfaltete The Handmaid’s Tale die Dystopie einer evangelikalen Diktatur, die im Namen einer natalistischen Ideologie Frauen in Klassen einteilt und rituell missbraucht. Obwohl der Handlungsfaden einer Rebellin (der von Elisabeth Moss gespielten June) und damit einem Befreiungstopos folgte, wurde die Serie immer düsterer und quälender – womit aber auch der Bezug zur Gegenwart verloren ging. Das Finale fand 2025 nur noch wenig Beachtung.
Die Misogynie hat ihre Gestalt verändert
Man könnte einwenden, dass die extremen Vorstellungen von Diktatur und Frauenunterdrückung, die die Serie so stilvoll-grauslich an die Wand malte, sich letztlich nicht realisierten, dass doch „nur“ das Recht auf Abtreibung wieder eingeschränkt wurde. The Testaments aber, und das macht die späte Fortsetzung erneut brandaktuell, zeigt auf, dass die Misogynie lediglich ihre Gestalt ein wenig verändert hat.
Die neue Serie beruht erneut auf einer Vorlage von Atwood, die 2019, offenbar selbst angeregt vom Serienerfolg, eine Fortsetzung schrieb. Man kann auch dann einsteigen, wenn man nur Grundkenntnisse über die Handlung der Vorläuferserie hat.
Sie spielt ungefähr zehn Jahre später, im Zentrum steht Agnes (Chase Infiniti aus One Battle After Another), eine Tochter aus gutem Gilead-Hause, komplett mit einer „Magd“ als Vertrauter, einem mächtigen, abwesenden Vater und einer missgünstigen Stiefmutter.
Schule, Freundschaft, Schwärmen: Es beginnt wie eine Teenager-Serie
Zunächst geht es zu wie in einer gewöhnlichen Teenager-Serie, die von Mädchenfreundschaft und erster Liebe handelt. Agnes besucht eine Eliteschule, deren Leiterin „Tante Lydia“ (Ann Dowd) ist. Dort tragen die jungen Mädchen Rosa, die pubertierenden aber sind „plum“, pflaumenfarben, worin die Assoziation zu „Reife“ und „Pflückbereitschaft“ in zynisch-appetitlicher Form zum Ausdruck kommt.
Die vorgebliche Leichtigkeit stellt sich schnell als raffinierte Methode heraus, um noch stärker als in der Vorläuferserie die Themen Mitschuld und Komplizenschaft zu erörtern.
Agnes’ naive Perspektive als jemand, der in diese Welt hineingewachsen ist, ohne sie zu hinterfragen, bietet ihr nicht lange Schutz vor bitteren Erkenntnissen darüber, wie eng Privileg und Repression Hand in Hand gehen – und wie das Feiern ihrer beginnenden Fruchtbarkeit von männlicher Übergriffigkeit begleitet ist. Etwa wenn der Vater der besten Freundin, ein Zahnarzt, ihr bei der Untersuchung mit besonderer Sorgfalt den schützenden Kittel über die Brüste drapiert. Eine Alltagserfahrung weit über das fiktive Gilead hinaus.
The Testaments: Die Zeuginnen Bruce Miller USA 2026, auf Disney+