2,6 Prozent: Inflation höher wie gedacht

Die Inflation im März war höher als zunächst gedacht. Das europäische Statistikamt Eurostat hat eine erste Schätzung am Donnerstag leicht nach oben revidiert, von 2,5 auf 2,6 Prozent. Im Februar hatte die Rate mit 1,9 Prozent noch deutlich niedriger gelegen, nach 1,7 Prozent im Januar.
Die Europäische Zentralbank (EZB) verfolgt ein Inflationsziel von mittelfristig zwei Prozent. Gleichwohl scheint weiterhin unklar zu sein, ob die Notenbanker durch den Energiepreisanstieg „hindurchschauen“ werden oder die Zinsen anheben. Die nächste Zinssitzung ist am 30. April, also in zwei Wochen. An den Finanzmärkten wird stärker auf Zinserhöhungen gewettet als unter Ökonomen.
Laut EZB-Präsidentin Christine Lagarde ist die Zentralbank bereit zu handeln, wenn es die Datenlage erfordere. Nach Ansicht des estnischen Ratsmitglieds Madis Müller verfügt die EZB Ende des Monats womöglich jedoch noch nicht über ausreichende Daten, um die Notwendigkeit einer Zinserhöhung beurteilen zu können. Bundesbankpräsident Joachim Nagel plädiert dafür, flexibel zu bleiben: Damit habe die Zentralbank etwas Handlungsspielraum.
EZB könnte sich Zeit nehmen
EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel sagte, die Zentralbank müsse vermeiden, der Wirtschaft durch eine vorzeitige Straffung der Geldpolitik „unnötige Kosten“ aufzubürden. Die EZB nehme derzeit eine weitgehend neutrale geldpolitische Haltung ein und könne sich die nötige Zeit nehmen, um die Folgen des aktuellen Energieschocks zu analysieren. Da die Wirtschaft des Euroraums unter den steigenden Kraftstoffpreisen leiden könnte, müsse die EZB ihre Entscheidungen sehr sorgfältig abwägen und weiter datenabhängig handeln.
Die höhere Inflation war bislang fast ausschließlich durch den Anstieg der Energiepreise begründet. Die Notenbank verfolgt aber anhand unterschiedlicher Indikatoren sehr genau, ob es dabei bleibt.
Die Energiepreise lagen im März 5,1 Prozent höher als vor einem Jahr. Im Februar hatte die Energie noch einen dämpfenden Beitrag zur Inflationsrate geleistet.
Lebensmittel verteuerten sich um 2,4 Prozent nach 2,5 Prozent im Vormonat. Dienstleistungen wurden 3,2 Prozent teurer, nach 3,4 Prozent im Februar. Auch hier liegt die Teuerung somit über dem Durchschnitt, sie hat sich seit Februar aber nicht verstärkt, sondern sogar abgeschwächt.
Die Kernrate der Inflation, das ist die Teuerung ohne stark schwankende Preise wie die für Energie und Lebensmittel, belief sich auf 2,3 Prozent, nach 2,4 Prozent. Auf diese Rate schauen Notenbanker in Energiepreiskrisen gern, um zu verfolgen, ob aus der teureren Energie Zweitrundeneffekte erwachsen und sich die höheren Preise gleichsam ausbreiten.
Deutschland mit 2,8 Prozent Inflation
Die höchste Inflationsrate im Euroraum hat jetzt das vergleichsweise neue Euroland Kroatien mit 4,6 Prozent. Bulgarien, das sogar erst in diesem Jahr beigetreten ist, kommt auf 2,8 Prozent. In Frankreich belief sich die Rate auf 2,0 Prozent, nach niedrigen 1,1 Prozent im Februar. In Italien lag sie bei 1,6 Prozent, in Spanien bei 3,4 Prozent und in Österreich bei 3,1 Prozent. Deutschland kam nach dem Harmonisierten Verbraucherpreis-Index (HVPI), der für Vergleiche mit anderen Euroländern verwendet wird, auf 2,8 Prozent, nach 2,0 Prozent im Februar.Die niedrigste Inflationsrate im Euroraum haben jetzt Zypern und die Tschechische Republik mit jeweils 1,5 Prozent.
Höhere Spar- und Bauzinsen
Die Zinsen an den Kapitalmärkten haben mit den höheren Inflationserwartungen schon deutlich angezogen, unabhängig von dem, was die EZB macht. Zum Teil geben die Banken das an ihre Kunden weiter.
Nach Zahlen der FMH-Finanzberatung in Frankfurt sind die durchschnittlichen Tagesgeldzinsen in den vergangenen Wochen wieder gestiegen, auf 1,45 Prozent. Das ist aber weniger als die derzeitige Inflation, das Vermögen der Tagesgeldsparer wird also weniger wert.
Auch die Zinsen für Festgeld sind wieder gestiegen, auf 2,03 Prozent für Festgeld auf ein Jahr. Damit wurde erstmals seit Längerem die Zwei-Prozent-Marke wieder überschritten. Auch das liegt aber unter der Inflationsrate.
Die Bauzinsen haben laut dem Index der Verbraucherplattform Biallo auch wieder zugelegt. Für Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung zahlten Kreditnehmer zuletzt im Schnitt 3,97 Prozent.
Source: faz.net