Im Interview zu „Die Realitystar Academy“: Hier erklärt Désirée Nick ihr Vermächtnis: „Ich habe Reality-TV zu einer Industrie gemacht“






Désirée Nick will in der „Realitystar Academy“ die TV-Promis von morgen ausbilden. Was die Studentinnen und Studenten von ihr lernen sollen und wie sie selbst über die Reality-Welt denkt, verrät sie hier im Interview.

Wie wird man ein Star? Das wollen 18 hoffnungsvolle Studentinnen und Studenten von Reality-Urgestein Désirée Nick an der „Realitystar Academy“ lernen. Bevor es für den ersten Jahrgang am Donnerstag, 16. April, auf Joyn losgeht, übernahm die 69-Jährige den Unterricht an einer Münchener Hochschule. In gewohnt exzentrischer Art und mit dem ein oder anderen Seitenhieb brachte die Ex-„Dschungelkönigin“ den Studierenden ihre „goldenen Reality-Regeln“ näher – allen voran: „Du sollst nicht langweilen!“ Auch bei einem anschließenden Interview nimmt Nick kein Blatt vor den Mund – und teilt gegen die Reality-TV-Welt aus.



teleschau: Frau Nick, hätten Sie zu Beginn Ihrer Karriere gedacht, dass Sie einmal Ihre eigene Realityshow haben?

Désirée Nick: Nein, denn heute hat ja jeder seine eigene Sendung – und das, obwohl diese Leute überhaupt keine Expertise haben. Bei mir ist das offensichtlich anders. Ich lebe seit 40 Jahren von meinem Talent, habe in Serien und Filmen mitgespielt und stehe auf der Theaterbühne. Mein Hauptberuf findet gar nicht im Fernsehen statt. Vorletztes Jahr habe ich beispielsweise den ganzen Sommer im Theater am Bayerischen Hof in München gespielt und werde ab 2027 wieder auf der Theaterbühne stehen.


teleschau: Damit haben Sie sich eine große Fanbase aufgebaut.

Nick: Bei meinen Shows stehen oft Hunderte Menschen Schlange für ein Foto mit mir. Ich mache das irrsinnig gerne, denn es kostet mich nichts und ich mache ihnen damit eine Riesenfreude. Es fragen mich aber auch Leute, die mich noch nie auf der Bühne gesehen haben, nach Fotos.

teleschau: Stört es Sie, dass es Menschen gibt, die Sie nur aus dem Reality-TV kennen?

Nick: Ich finde das erschreckend. Sie sagen: „Ach, das ist doch die Lispeltante, die immer die Leute schubst.“ Dabei könnten sie sich doch, mit all den Möglichkeiten, die wir haben, so leicht informieren. Wenn ich auf mein Portfolio blicke, dann weiß ich, dass diese Leute defizitär sind. Sie brauchen meine Hilfe, um ihnen die Augen zu öffnen.




Désirée Nick ist überzeugt: Sie hat sich „nie wiederholt“

teleschau: Wie erklären Sie sich Ihren Erfolg im Reality-TV?

Nick: Ich habe mich in all den Jahren nie wiederholt. Kommt ein neues Format, da bin ich eine andere. Nehmen Sie „Promi Big Brother“ als Beispiel. Die Leute sind aus allen Wolken gefallen, was ich mit Harald Glööckler zusammen in der Musterwohnung gemacht habe.


teleschau: Ganz jugendfrei wirkte es nicht.

Nick: Es hat TV-Geschichte geschrieben! Es kann ja kein Zufall sein, dass die Momente, die man mir schenkt, in den Köpfen der Leute hängen bleiben und dass ich stets gute Quoten habe.

teleschau: Realitystar werden und sein ist also gar nicht so leicht, wie manch einer glaubt?

Nick: Man muss in vielen Farben schillern. Nur eine Nummer – ich bin die Braut zum Flachlegen, ich bin die, die nur meckert – das reicht nicht. Man muss dramaturgisches Können haben. Das ist wie in einem Orchester – erst der Paukenschlag, dann ein Adagio. Und das wissen viele Leute, die selber Realitystars werden wollen, überhaupt nicht. Wie man seine Mittel und sein Handwerk – wie bei einem Zauberer – richtig einsetzt, das lernen meine Studentinnen und Studenten an der „Realitystar Academy“.





„Reality ist absolut strukturiert und formatiert“

teleschau: Aber kann man überhaupt lernen, ein Reality-TV-Star zu werden? Widerspricht das nicht dem Gedanken hinter „Reality“ und erinnert eher an eine Schauspielschule?

Nick: Mit Schauspiel hat das absolut gar nichts zu tun. Als Schauspieler bekommt man Texte in die Hand gedrückt: „Lerne das auswendig, erwecke es zum Leben, interpretiere es neu.“ Im Reality-Fernsehen hat man das nicht, da muss man selbst kreativ und eloquent genug sein, um seinen eigenen Text zu formulieren. Den Respekt vor der Tätigkeit bekommt man nur, wenn man es gemacht hat. Leben Sie mal zwei Wochen lang mit einer Horde Leute zusammen, mit denen Sie privat nicht einen Kaffee trinken würden! Werden Sie mal die ganze Zeit von 56 Kameras und einem ganzen Produktionsbüro, die alles schneiden können, wie sie wollen, beobachtet! Reality ist absolut strukturiert und formatiert, und zwar nicht von einem selbst, wie beispielsweise auf TikTok oder Instagram. Viele denken zwar, das sei dasselbe, aber das ist es definitiv nicht.

teleschau: Ist Ihr Ziel also, das deutsche Reality-Fernsehen zu revolutionieren?

Nick: Ich möchte etwas zurückgeben. Ich möchte denen, die hilflos meinen, eine „La Nick“ nachmachen zu müssen, auf die Sprünge helfen, sich selbst zu finden. Ich möchte Talente entdecken. Bei uns ist es nicht so, wie in anderen Shows, in denen irgendwelche verstrahlten, peinlichen Leute vor der Kamera stehen. Diese Sendung lebt von Fairness. Sie lebt davon, dass wir wirklich Leute entdecken. Ich bin überrascht gewesen, wie viele Menschen mit Potenzial mitgemacht haben. Die haben mich amüsiert, die haben mich überzeugt. Ich hatte irrsinnig viel Spaß.





„Das ist etwas, was in unserer Gesellschaft besonders bei jungen Leuten untergeht“

teleschau: Warum braucht es denn Ihrer Meinung nach Veränderungen in der deutschen Reality-TV-Welt?

Nick: Heutzutage fehlen die Leute, die für ikonische Momente sorgen. Jeder will ein Icon, eine Queen, eine Legende sein. Aber bleiben diese Menschen im Gedächtnis? Nein, es fehlen die Stars. Stattdessen schlachten sie ihr Privatleben aus, was ich nie gemacht habe. Und wenn gar nichts mehr geht, werden die Kinder vor die Kamera gezerrt. Dafür braucht man kein künstlerisches Talent und dann ist es auch kein Beruf. Aber eben das kann Reality-TV sein. Darüber hinaus bietet es durchaus die Möglichkeit, auch in anderen Bereichen entdeckt zu werden – beispielsweise in der Werbung.

teleschau: Sehen Sie sich in dieser Hinsicht als Vorbild?

Nick: Als ich 2004 zur ersten Dschungelkönigin gekrönt wurde, habe ich Reality zu einer Industrie gemacht und gezeigt, was es für Möglichkeiten gibt. Ich bin diejenige, an der sich alle anderen orientiert haben und die leider Gottes oft sehr schlecht nachgeäfft worden ist. Ich bin sehr glücklich, dass ich jungen Menschen jetzt helfen kann, die ersten Schritte im Showbusiness zu machen. Denn niemand hat jemals behauptet, dass das eine freundliche Branche ist. Und dass ich da ein Orientierungsfaktor sein darf, ehrt mich zutiefst.

teleschau: Können Ihre Studentinnen und Studenten und vielleicht auch das Publikum darüber hinaus etwas von Ihnen lernen?





Nick: Ich habe in meinem Leben harte Zeiten durchgemacht und dabei gelernt: Für das Glück muss man Geduld haben. Das ist etwas, was in unserer Gesellschaft, besonders bei jungen Leuten, untergeht. Doch ich bleibe geduldig. Sie werden lachen, aber ich werde auch noch heiraten und mit 80 ein Brautkleid tragen. Jetzt muss ich aber erst mal an der Scheidung arbeiten.

„Ich bin doch praktisch eine Newcomerin“

teleschau: Wie entspannen Sie eigentlich, wenn Sie gerade nicht vor der Kamera oder auf der Bühne stehen?

Nick: Wenn ich Bücher schreibe oder wenn ich putze. Andere meditieren, ich putze zwölf Stunden. Da sieht man hinterher, was man gemacht hat. Das ist eine sehr ehrliche Arbeit. Außerdem mache ich gerne das Leben und mein Umfeld schöner. Jetzt habe ich auch noch einen großen Garten. Die Nick, sie kommt einfach nicht zur Ruhe.


teleschau: Wollen Sie das denn überhaupt?

Nick: Ach, das frage ich mich gar nicht. Vielmehr stelle ich doch gerade unter Beweis, dass das Leben einer Frau nach dem 60. Geburtstag erst so richtig erblüht. In Zeiten von Ageism bekomme ich mit 70 meine erste Sendung – ich bin doch praktisch eine Newcomerin, ein Küken.

TELESCHAU

Source: stern.de