Briten wollen 120.000 Drohnen an Ukraine liefern – Russland schickt Warnung an Europa

Die sogenannte Ukraine-Kontaktgruppe hat sich in Berlin getroffen. Verteidigungsminister Boris Pistorius hält die Unterstützung für das angegriffene Land hoch, der Nato-Generalsekretär versichert Hilfe durch die USA.

Audioplayer wird geladen

Verteidigungsminister Boris Pistorius hat nach dem Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe dazu aufgefordert, in der Unterstützung des von Russland angegriffenen Landes nicht nachzulassen. Diese sei nötig, auch wenn die Augen der Welt auf den Nahen Osten sowie die Bemühungen um ein Ende der Blockade in der Straße von Hormus gerichtet seien, sagte der SPD-Politiker in Berlin.

„Eines ist sicher und offensichtlich: Russland profitiert von den gegenwärtigen Entwicklungen im Mittleren Osten. Die steigenden Ölpreise spülen Geld in die für den Krieg bestimmten Geldkoffer von Putin, mindestens für den Moment“, sagte Pistorius. Er zeigte sich „sehr zufrieden“, dass bei dem Treffen erneut Geld für die Unterstützung der Ukraine zusammengekommen sei.

Lesen Sie auch

Mit der Priorisierten Anforderungsliste für die Ukraine (Purl) kaufen Nato-Mitglieder und ihre Verbündeten Waffen aus den USA für die Ukraine, beispielsweise für die Luftabwehr gegen russische Angriffe. Die Rüstungsgüter werden in Paketen von jeweils 500 Millionen Dollar (rund 424 Millionen Euro) erworben. Nach Einschätzung der Nato werden für dieses Jahr von Kiew Purl-Einkäufe in Höhe von mindestens 15 Milliarden Dollar benötigt.

Deutschland hat sich bereits an der Bezahlung mehrerer Waffen-Pakete beteiligt. Auch andere Länder wie die Niederlande, Kanada oder Schweden haben hohe Beiträge gezahlt. Pistorius betonte, dass aufgrund der unterschiedlichen Größen der Volkswirtschaften, die Beträge nicht gegeneinander aufgerechnet werden sollten. Es gebe aber dennoch eine „Disbalance bei den Beiträgen“, die geleistet würden.

Briten wollen 120.000 Drohnen liefern

Großbritanniens Verteidigungsminister John Healey hob die Bedeutung von Drohnen auf dem Schlachtfeld in der Ukraine hervor. Unbemannte Fluggeräte seien im März für 96 Prozent der russischen Verluste verantwortlich gewesen, die im vergangenen Monat mit 35.000 Mann einen Rekord erreicht hätten, so der Minister.

„Drohnen haben diesen Krieg bestimmt und sie werden entscheidend sein für seinen Ausgang“, sagte der Labour-Politiker, der ankündigte, seine Regierung werde der Ukraine noch in diesem Jahr 120.000 Drohnen verschiedener Art liefern. Er lobte zudem ausdrücklich das Angebot Kiews, die Golfstaaten bei der Abwehr iranischer Drohnen und Raketen zu unterstützen.

Das Verteidigungsministerium in Moskau sprach einer Meldung der Nachrichtenagentur Interfax zufolge eine Warnung aus: Europäische Pläne zur Ausweitung der Drohnenlieferungen an die Ukraine zögen diese Länder immer schneller in einen Krieg mit Russland.

Nato-Generalsekretär Mark Rutte versicherte bei ‌dem Treffen, dass die US-Hilfe für die Ukraine trotz der Belastungen durch den Iran-Krieg weiterfließe. Es gebe auf beiden Seiten des Atlantiks ein breites Einvernehmen darüber, die Ukraine zu unterstützen, sagte er. Die USA beteiligen sich zwar direkt kaum noch an der Hilfe, die Ukraine-Unterstützerstaaten sind aber auf Lieferungen aus US-Waffenfabriken angewiesen.

Weitere finanzielle Unterstützung soll künftig zudem über die EU kommen. Nach dem proeuropäischen Wahlausgang in ‌Ungarn wird auf eine baldige Freigabe eines blockierten 90-Milliarden-Euro-Kredits für die Ukraine gehofft. Mit ‌dem ‌Geld soll Kiew über zwei Jahre hinweg Militärgüter beschaffen und den Wiederaufbau finanzieren können.

dpa/rtr/lay

Source: welt.de