Neuer Tankrabatt: Was Pendler zur Senkung welcher Mineralölsteuer sagen

Autos fahren auf einer Landstraße.

Stand: 14.04.2026 • 15:57 Uhr

Nach dem Willen der Koalition soll der Sprit an der Tankstelle ab Mai um 17 Cent pro Liter günstiger werden. Doch das Vorhaben kommt mäßig gut an – selbst bei manchen, die regelmäßig mit dem Auto zur Arbeit pendeln.

Wenn Claudia Gansel mittags um 14 Uhr in ihren Wagen steigt, liegen bereits 32 Kilometer Anfahrtsweg und acht Stunden Schichtarbeit hinter ihr – und 32 Kilometer Heimweg vor ihr. Die Chemisch-technische Assistentin arbeitet in Böblingen, wohnt aber in Weil der Stadt. Das bedeutet für sie: 40 Minuten Pendeln, jeweils morgens und nachmittags.

„Das leppert sich schon“, sagt die Pendlerin. „Aber es war eben meine Entscheidung, raus in die Peripherie zu ziehen. Was man da schnell vergisst, sind die Folgekosten.“

Und so fährt sie über Landstraßen, Schnellstraßen, raus aus dem Stuttgarter Speckgürtel, hinein ins Grüne. Fünf Liter Diesel schluckt ihr Pkw auf 100 Kilometer. Vor dem Beginn des Krieges hat die Pendelei Claudia Gansel etwa 120 Euro im Monat gekostet. Im Moment sind es fast 40 Euro mehr.

„Vielleicht etwas mehr als zehn Euro im Geldbeutel“

Was ihr die Senkung der Mineralölsteuer um 17 Cent pro Liter bringen wird, hat sie bereits ausgerechnet – und ist nicht überzeugt.

„Ich finde, das ist nicht der große Wurf, weil der Beschluss Punkt eins nur die Autofahrer bedient, Punkt zwei hab ich vielleicht etwas mehr als zehn Euro Ende des Monats im Geldbeutel, und wenn ich dann daran denke, welcher Schuldenberg da meinen Kindern hinterlassen wird, da wird mir angst und bange“, so Gansel. Die höheren Spritpreise ärgern sie zwar, sagt sie, aber haben sie nicht wirklich finanziell belastet. Denn sie verdient gut.

Auch Wirtschaftsexperten üben Kritik

Dieser Kritik schließt sich auch Marcel Fratzscher vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung an: „Die Maßnahmen sind letztlich eine Mogelpackung, eine verpasste Chance, denn sie sind nicht zielgenau, sie helfen nicht wirklich den Menschen, die jetzt Hilfe benötigen: Menschen mit wenig Einkommen“, so Fratzscher.

Die hätten von einer Senkung der Energiesteuer oder der Abschaffung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel mehr profitiert. „Das richtige Paket wäre gewesen, Menschen direkte Transferleistung zu geben, wie die Energiekostenpauschale 2022: 300 Euro pro Erwachsenen, bei dem dann Menschen selber entscheiden können, brauche ich es unbedingt fürs Autofahren, brauche ich das Geld vielleicht für höhere Lebensmittelpreise, brauche ich es für andere Dinge. Jetzt hat man letztlich der Autolobby nachgegeben und der Mineralöllobby.“

Entlastung mit der „Gießkanne“

Auch die Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Monika Schnitzer, hält den Koalitionsbeschluss zur Senkung der Mineralölsteuer für falsch. „Weil er mit der Gießkanne agiert, das heißt der Preis wird gesenkt und zwar für alle. Dabei brauchen gar nicht alle diese Unterstützung. Viele können sich diesen höheren Preis leisten“, so die Ökonomin.

„Und weil man durch diese Senkung des Tankstellenpreises ja keinen großen Anreiz mehr hat, weniger zu fahren, also jedenfalls weniger als man sollte“, sagt Schnitzer. Denn die Rohölknappheit bleibe ja bestehen, Preissenkungen hin oder her.

Meinungen an der Tankstelle gehen auseinander

Auch an einer Tankstelle im Stuttgarter Raum sind die Menschen zwiegespalten, was sie von den günstigeren Spritpreisen halten sollen, die ab Anfang Mai kommen sollen.Da hat der Friedrich Merz zum ersten Mal was Gutes gemacht, würde ich sagen“, sagt Alban Varandas. Peter Gaiss hingegen hat Bedenken: „Ich glaube, dass die Ölmagnate die 17 Cent wieder draufschlagen.“

Eine Sorge, die nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Marcel Fratzscher vom DIW sagt: „Auch wenn der Bundeskanzler noch und nöcher die Konzerne auffordert, das Geld auch eins zu eins an die Konsumenten weiterzugeben, werden die das nicht tun. Das heißt, wir gehen davon aus, dass die 17 Cent relativ schnell verpuffen und die Preise trotzdem wieder steigen auf jetziges Niveau.“

Wenn das Bahnfahren keine Option ist

Auch Claudia Gansel, die Pendlerin aus Weil der Stadt, hat sich darüber schon ihre Gedanken gemacht. Sie würde gerne mit der Bahn pendeln – in der Frühschicht ist das aber wegen der schlechten Verbindungen nicht möglich.

Also bleibt sie auf das Auto angewiesen. Mit schlechtem Gewissen, trotz Preissenkung: „Die Senkung der Mineralölstreuer macht halt das Autofahren wieder attraktiver. Tatsächlich finde ich das ein völlig falsches Signal.“

Source: tagesschau.de