Iran meldet landesweite Angriffe aufwärts Verkehrsinfrastruktur
Kurz vor Ablauf des US-Ultimatums meldet Iran Angriffe auf Autobahnen und Brücken. Die für den Ölexport wichtige Insel Charg wurde ebenfalls bombardiert. In der Golfregion wachsen die Sorgen vor einer unkontrollierbaren Lage.
Schon kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump sind in Iran zahlreiche Verkehrswege angegriffen worden. Es ist unklar, ob es sich um israelische oder US-Attacken handelt. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke waren auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete.
In der Provinz Ost-Aserbaidschan wurde demnach eine Autobahn nach Einschlägen gesperrt. In derselben Provinz sei eine Autobahnbrücke auf der Strecke zwischen der Millionenstadt Tabris und der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sandschan attackiert worden, meldete die Zeitung Etemad. Nahe der Pilgerstadt Ghom wurde laut iranischen Medien eine Brücke an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt angegriffen. Die staatliche und englischsprachige Zeitung Tehran Times meldete Angriffe auf das Schienennetz in Karadsch, einer Millionenstadt westlich von Teheran.
Die islamische Revolutionsgarde drohte mit Vergeltung und kündigte Raketenangriffe auf Industrie, Infrastruktur und Militärziele in Israel an, wie die Nachrichtenagentur Tasnim berichtete.
Vance: Es wird „zahlreiche Gespräche“ geben
Trump hat die iranische Führung zur Öffnung der für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtigen Straße von Hormus eine Frist gesetzt, die heute Nacht um 2.00 Uhr deutscher Zeit abläuft. „Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht untergehen, um nie wieder zurückzukehren“, schrieb er auf seiner Plattform Truth Social. Er wolle nicht, dass das passiere, aber es werde wahrscheinlich dazu kommen.
Zwar hatte Trump sein Ultimatum bereits drei Mal verschoben, nun aber mit der Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke binnen weniger Stunden nach Ablauf seiner jüngsten Frist gedroht, sollte Iran nicht einlenken.
Kurz vor Ablauf des US-Ultimatums wird es nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance noch Verhandlungen geben. Es werde „zahlreiche Gespräche“ geben, sagte Vance bei einem Besuch in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Medien zufolge sprechen Unterhändler der USA und Iran unter Vermittlung Pakistans seit Tagen über eine Waffenruhe. Demnach sind sich beide Konfliktparteien aber in zahlreichen Punkten uneins.
Medien: USA greifen Ziele auf Ölinsel an
Der Iran meldete außerdem neue Explosionen auf der Insel Charg im Persischen Golf. Die Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die Insel werde angegriffen. Medienberichten zufolge griffen US-Streitkräfte Dutzende militärische Ziele auf Charg an. Die Angriffe erfolgten in der Nacht und am frühen Morgen, wie etwa der US-Sender Fox News unter Berufung auf einen hochrangigen US-Beamten meldete.
Der Sender NBC News berichtete ebenfalls gestützt auf einen US-Beamten, dass es Luftangriffe entlang der Nordseite der für den iranischen Ölexport zentralen Insel gegeben habe, jedoch keinerlei Bodeneinsatz. Die Angriffe richteten sich demnach gegen Bunker und Lagerstätten, Flugabwehrsysteme und andere militärische Einrichtungen, nicht aber gegen Öltanks oder -anlagen.
Dort hatte das US-Militär bereits Mitte März Luftangriffe ausgeführt – und dabei nach eigenen Angaben rund 90 Ziele bombardiert.
Auch Iran setzt seine Angriffe fort
Aus Israel wurden unterdessen erneut iranische Angriffe gemeldet. Die Flugabwehr fing nach Armeeangaben Raketen ab. Auch die Kurdenregion im Nordirak wurde erneut aus dem Iran attackiert. Bei einem Drohnenangriff auf ein Wohnhaus wurde nach Behördenangaben ein Paar getötet. Ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete zudem von Explosionen am Flughafen in Erbil, der Hauptstadt der Autonomieregion. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen fing die Flugabwehr vier Raketen ab, die gegen das US-Konsulat in Erbil gerichtet gewesen seien.
In Saudi-Arabien wurde derweil eines der größten Industriegebiete der Welt attackiert. In den Industrieanlagen des Konzerns Saudi Basic Industries Corporation (Sabic) im ostsaudiarabischen Dschubail brach laut Augenzeugenberichten nach „sehr starken Detonationen“ ein Brand aus. Im Industriegebiet von Dschubail befinden sich neben Stahlwerken und Erdölraffinerien auch Fabriken für weitere Erdölprodukte, Schmieröl und Kunstdünger. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium hatte zuvor erklärt, die Armee habe sieben ballistische Raketen abgefangen.
Katar warnt vor Kontrollverlust
Angesichts der Drohungen Trumps warnte Katar eindringlich vor einem „Kontrollverlust“. Man stehe unmittelbar vor einem Punkt, an dem die Gewaltspirale nicht mehr zu stoppen sei, sagte Katars Außenamtssprecher Madschid al-Ansari in der Hauptstadt Doha. „Wir haben seit 2023 davor gewarnt, dass eine ungebremste Eskalation uns in eine Situation führen wird, die unkontrollierbar ist. Wir sind diesem Punkt nun sehr nahe.“ Er forderte alle beteiligten Parteien auf, den Krieg zu beenden, bevor er vollständig eskaliere.
Al-Ansari verurteile die andauernden Angriffe Irans auf die Golfstaaten. „Die Eingriffe Irans in unsere Souveränität sind in keiner Weise zu rechtfertigen“, sagte er. „In diesem Krieg gibt es keine Gewinner, sondern nur Verlierer“, betonte der Sprecher. Der Kreis der Betroffenen vergrößere sich durch die wirtschaftlichen Auswirkungen jeden Tag.
Der iranische Botschafter in Kuwait rief die Golfstaaten auf, angesichts der Drohungen Trumps eine „Tragödie“ zu verhindern. „Wir hoffen, dass die Länder in der Region alle ihre diplomatischen und politischen Möglichkeiten nutzen werden, um zu verhindern, dass solch eine Tragödie die Region befällt,“ sagte Mohammed Tutunidschi der Nachrichtenagentur AFP. Er warnte, Angriffe auf wichtige Infrastruktureinrichtungen in Iran könnten das „komplette und totale Ende von Energieexporten aus der Region“ bedeuten.
Source: tagesschau.de