Karin Prien: „Ich möchte wirklich davor warnen zu sagen: Alle Männer sind so“

DIE ZEIT: Frau Prien, Sie sind die Bundesministerin für Frauen. Es gibt dieser Tage viele Frauen, die sagen: Wir fühlen uns nicht sicher. Was entgegnen Sie ihnen?

Karin Prien: Wir beobachten in den vergangenen Jahren einen Anstieg an geschlechtsspezifischer Gewalt, an häuslicher Gewalt. In einer Dunkelfeldstudie haben wir darüber hinaus festgestellt, dass gerade unter jungen Frauen viele von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Deshalb steht völlig außer Frage, dass wir eine angepasste Gesetzgebung brauchen. Damit haben wir bereits begonnen. Im Februar ist das Gewalthilfegesetz in Kraft getreten, das im ganzen Land Frauen einen kostenfreien Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung zusichert. Ebenfalls im Februar wurde im Bundestag in erster Lesung unser Gesetzentwurf zur Einführung der elektronischen Aufenthaltsüberwachung von Tätern diskutiert. Ein Gesetz zur digitalen Gewalt, zum Verbot von Deepfakes, wurde in der letzten Legislatur nicht auf den Weg gebracht, das kommt jetzt, wie die Justizministerin angekündigt hat. Aber ich will es ganz klar sagen: Gesetzgebung allein wird nicht reichen. Gewalt beginnt in den Köpfen und ehrlicherweise auch in den Herzen der Menschen. Wer keine Empathie empfindet gegenüber Frauen, wer glaubt, sich über sie erheben zu können, den werden auch Gesetze nicht ändern.