Wohnungsmarkt unter Druck: Vermieter werden gebraucht

Vor allem in Berlin zeigt sich der Zorn über vermeintlich zu hohe Mieten. In der Bundeshauptstadt hat sich vor fast fünf Jahren eine Mehrheit in einem Volksentscheid für die Enteignung großer Wohnungsunternehmen ausgesprochen. Rechtlich bindend war das Votum nicht, doch dieses Vorgehen gegen die Marktwirtschaft heizt seither die Debatte um den Wohnraum auf.
Furcht vor einer Preisspirale
Vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus in Berlin im September wirbt die Landes-SPD dort nun aber mit weiteren Eingriffen in den Wohnungsmarkt gegen eine „Preisspirale“: Die Kaltmieten für den Großteil der Berliner Wohnungen sollen nur noch in Höhe der Inflationsraten steigen dürfen und Wohnungsunternehmen nur noch begrenzt Gewinne an Aktionäre weitergeben. Die SPD-Fraktion im Abgeordnetenhaus will Vermieter zudem verpflichten, Überschüsse in Instandhaltung, Reparatur und Sanierung des Bestands oder in Neubau zu investieren. Für verlorene Einnahmen durch den Mietendeckel will sie Vermieter zwar entschädigen, aber kaum in voller Höhe.
Ein solches Vorgehen reicht weit in die Rechte der Eigentümer hinein, geht der Berliner SPD aber nicht weit genug. Gern würde sie durchsetzen, dass Vermieter nicht preisgebundener Wohnungen bei Neuvermietungen 30 Prozent der Wohneinheiten an Menschen mit Wohnberechtigungsschein zu einem gedeckelten Mietpreis vergeben. Auch sollen Vermieter für ein Mietenregister alle möglichen Immobiliendaten hinterlegen, damit der Staat die Rechtmäßigkeit von Mieten prüfen kann.
Nicht noch mehr Bürokratie
Diese Pläne klingen nach einer „Bürokratie-Spirale“. Ein Markteingriff folgt dem nächsten. Sicher gibt es freundliche und weniger freundliche Vermieter. Manche schauen nur auf die Zahlen, andere halten sich mit Erhöhungen zurück. Konsens sollte allerdings sein, dass es nicht noch mehr Bürokratie für Mieter und Vermieter braucht.
Auf Bundesebene setzen wechselnde Regierungen jedoch weiter auf die Mietpreisbremse. Zuletzt hat die aktuelle Koalition aus CDU, CSU und SPD die Deckelung für Mieterhöhungen in angespannten Wohnungsmärkten bis Ende 2029 verlängert. Zur Einführung im Jahr 2015 war die Regelung auf fünf Jahre befristet worden und galt als Übergangslösung. Als Nächste will Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) dann auch befristete Verträge und Indexmieten einschränken.
Selbst kleinere Vermieter erwägen angesichts der Debatten, ob sie ihre Immobilien vor allem in der Hauptstadt nicht besser verkaufen sollten. Andere ärgert der wachsende Aufwand. In einer Umfrage des Privateigentümerverbandes Haus & Grund gab nur knapp die Hälfte der befragten Vermieter an, mit der Vermietung einen Überschuss zu erwirtschaften. Mit weiteren Vorschriften verliert die Mietwohnung als Anlageform an Wert.
Die Wohnungssuche bleibt schwierig
Mit anderen Kapitalanlagen ist Geld zu verdienen, ohne sich in der Regel mit neuen Vorgaben und Mieterwünschen herumzuschlagen. Das kann Investitionen in neuen Wohnraum verhindern. Für den Wohnungsbau sind das schlechte Aussichten, auch weil die Baukosten oft hoch sind. Zwar wurden 2025 wieder mehr Bauvorhaben genehmigt, doch gerade in den beliebten Regionen hilft das nur bedingt. Laut dem Jahresgutachten des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA) braucht es in Deutschland rund 258.000 neue Wohnungen in diesem Jahr, aber nach der Prognose werden nur rund 215.000 Wohnungen fertiggestellt.
Die Wohnungssuche in den Städten bleibt damit noch länger schwierig. Gerade dort böten Nachverdichtungen im Immobilienbestand viel Potential: Unter und auf den Dächern könnten nach Schätzungen Hunderttausende Wohnungen zusätzlich entstehen. Auch dafür braucht es allerdings Eigentümer und Vermieter, die ihr Geld hier reinstecken wollen. Von ihrer Bereitschaft zu investieren hängt zudem die Modernisierung und energetische Sanierung des Bestands.
Statt die Mietpreise zu begrenzen, sollten Politiker und Verwaltungen, private Vermieter als Partner betrachten und den Wohnungsbau lieber vorantreiben nach dem Motto „weniger Vorschriften, mehr Freiheiten für Eigentümer und Bauherren“. Wer kleinere und größere Vermieter zum Feindbild abstempeln will, sollte schleunigst zurückrudern. Vermieter werden gebraucht.