USA und Kolumbien: Kolumbiens Präsident Petro und Trump sprechen lobend jenseits ihr Treffen

US-Präsident Donald Trump und der kolumbianische Präsident Gustavo Petro haben sich zum ersten Mal persönlich getroffen. Trump verzichtete darauf, Petro
direkt bei dessen Ankunft zu begrüßen und sich vor dem Portikus des
Weißen Hauses vor der versammelten Presse mit ihm fotografieren zu
lassen, wie es sonst bei Besuchen ausländischer Staatschefs üblich ist.
Stattdessen traf Petro wenige Minuten vor Beginn des geplanten Treffens an einem Seiteneingang des Gebäudes ein.

Nach dem rund zweistündigen, nicht öffentlichen Treffen veröffentlichte Petro auf X ein Foto, das darauf hindeutet, dass die Begegnung freundlich verlaufen sei. Auf dem Foto war eine handschriftlich verfasste Notiz zu sehen mit den Worten: „Gustavo – Eine große Ehre – Ich liebe Kolumbien.“ Außerdem enthielt es ein Bild, auf dem beide Staatschefs sich die Hand geben und lächeln. Dem kolumbianischen Radiosender Caracol sagte Petro: „Die Widersprüche zu meinen Vorstellungen, ⁠die ich aus der Presse und den sozialen Netzwerken kannte, habe ich dort nicht wiedergefunden.“ Trump sagte, er habe sich mit seinem kolumbianischen Kollegen „sehr gut verstanden“.

Trump sagte, er und Petro seien bislang „nicht gerade beste Freunde gewesen“. Die Äußerungen des kolumbianischen Präsidenten seien jedoch nicht beleidigend gewesen, „da ich ihn nie getroffen habe“, sagte Trump. Petro äußerte sich ebenfalls anerkennend über seinen Kollegen. „Die Wahrheit ist, ich mag direkte Amerikaner, Menschen, die sagen, was sie denken“, sagte der kolumbianische Präsident. Trump und er seien „zweifellos sehr unterschiedlich“, aber Offenheit stehe an erster Stelle.

Der kolumbianische Präsident betonte, er habe Trump gegenüber unterstrichen, im Kampf gegen den Drogenhandel müsse man gegen „die Barone“ vorgehen. Er behauptete, diese lebten außerhalb Kolumbiens, „in Dubai, Miami und Madrid“, und müssten „aufgespürt“ werden. Er habe dem US-Präsidenten die Namen dieser „Hauptakteure des Drogenhandels“ gegeben. Petro ordnete zudem vor dem Treffen an, einen als Pipe Tuluá bekannten Verbrecher in die Vereinigten Staaten zu überstellen. Das Flugzeug mit dem Drogenboss hob vor dem Treffen der Präsidenten vom militärischen Teil des Flughafens von Bogotá ab.

Kolumbien ist der weltgrößte ⁠Produzent von Koka, dem Grundstoff für Kokain, gilt jedoch ‌zugleich als einer der engsten Verbündeten ​der US-Regierung im Kampf gegen den Drogenhandel in der Region.

Es ging auch um erneuerbare Energien

Petro bat den US-Präsidenten um Vermittlung in einem diplomatischen Streit mit dem Nachbarland ⁠Ecuador. Zudem warb er bei dem Gespräch für US-Investitionen in Projekte für erneuerbare Energien im Norden Kolumbiens, von denen Venezuela profitieren soll. Über solche Projekte könnte Elektrizität ins Nachbarland exportiert werden, sagte Petro. „Wir suchen nach Wegen, wie wir Venezuela reaktivieren können.“

Medien waren bei der Begegnung nicht zugelassen. Ein von der US-Regierung veröffentlichtes Foto zeigte die beiden Präsidenten im Oval Office. Auch Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio waren anwesend, ebenso wie hochrangige kolumbianische Vertreter. 

Kolumbien und die USA waren jahrelang wichtige militärische und wirtschaftliche Verbündete. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus vor knapp einem Jahr hatten sich die Beziehungen jedoch verschlechtert. Die US-Regierung wirft zahlreichen Staaten Lateinamerikas vor, den Drogenschmuggel Richtung USA zu fördern und damit die Sicherheit der Vereinigten Staaten zu untergraben.

Trump hatte Kolumbien vor einigen Wochen mit einem Militäreinsatz gedroht, den linksgerichteten Präsidenten Petro einen „kranken Mann“ genannt und ihn beschuldigt, am Schmuggel von Kokain in die USA beteiligt zu sein. Petro
provozierte Trump, indem er ihn als „Komplizen des Völkermordes im
Gazastreifen“ bezeichnete und ihn für die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro kritisierte. Kürzlich glätteten die beiden Präsidenten die Wogen in einem Telefonat etwas, Petro bekam die Einladung ins Weiße Haus.