10. Todestag: Mit Prince starb zu Händen viele Fans ein Popidol
Vor zehn Jahren starb Prince. Viele Fans traf diese Nachricht damals heftig, auch den Frankfurter Musiker Zaki Gammour. Was passiert mit Fans, wenn ihr Popidol stirbt?
Als die Nachricht im Radio kommt, sitzt Zakari „Zaki“ Gammour im Auto. Prince ist tot. Was für viele an diesem Tag einfach eine Meldung aus der Popwelt ist, trifft den Frankfurter tief. „Es war ein Schock“, sagt er.
Gammour, Jahrgang 1972, hat lange hauptberuflich als Musiker gearbeitet. Prince war für ihn nie nur ein Popstar. Bis heute ist er für ihn präsent: auf seinen Lieblingsplatten aus den 1980er-Jahren, in seinen Gedanken an ein unvergessliches Konzerterlebnis in Montreux oder wenn er sich auf der Gitarre Spieltechniken selbst erarbeitet.
Musikalische Inspiration
Spricht Zaki von Prince, kommt er ins Schwärmen. Dann geht es um Akkorde, Groove und Sound. „Sein Funk klang viel offener, rockiger, jazziger“. Genau das habe ihn begeistert, sagt Zaki. Wichtig war für ihn die Phase zwischen 1981 und 1988, und da vor allem die Jahre mit The Revolution, der Band um Wendy & Lisa, Bobby Z und Eric Leeds.
Gammour findet ein Bild dafür, was ihm mit dem Tod von Prince verloren gegangen ist: „Der Brunnen, aus dem ich geschöpft habe, war plötzlich weg.“
Zaki Gammour konnte früher nicht verstehen, warum Menschen um ihre Lieblingspopstars trauern. Mit dem Tod von Prince sei das anders geworden.
Mit dem Popstar stirbt ein guter Freund
Holger Schramm, Medienwirkungsforscher an der Universität Würzburg, beschreibt dieses Gefühl als parasoziale Beziehung: „Man muss einem Menschen nicht persönlich begegnet sein, um ihn für wichtig für das eigene Leben zu erachten.“
Popstars würden über Stimme, Songs und Auftreten unmittelbarer wahrgenommen als etwa Schauspieler, die man aus Rollen kenne. Gerade daraus könne eine besonders enge Bindung entstehen, so Schramm. „Es ist für viele, als wenn ein Familienmitglied stirbt oder ein guter Freund.“
Medienforscher Holger Schramm: Popstars können zu Lebensbegleitern werden.
Prince drückt ein Lebensgefühl aus
Kopieren wollte Zaki sein Idol nie. Ihn interessiert eher, was vom Sound übrig bleibt, wenn man das Werk von Prince nimmt und in etwas Eigenes verwandelt. Gemeinsam mit seiner Band ZakShotLeFunk probiert er das heute aus.
„Prince war einfach frei und konnte machen, was er wollte“, sagt Zaki. „Für mich war er der Ausdruck von Lebensgefühl, künstlerischer Freiheit – und auch in Bezug auf Sexualität.“
Prince habe sich nie in Schubladen stecken lassen, erzählt er. Er glaube, dass der Popstar wegen seiner zierlichen Statur Komplexe hatte, „sich davon aber nicht kleinmachen ließ“. Für Gammour, der Erziehungswissenschaft studiert hat, steckt darin etwas, das er jungen Menschen heute mitgeben möchte.
Aus der Musik Stärke ziehen: Zaki Gammour (2.v.r.) mit Band auf der Bühne der Alten Oper Frankfurt.
Die Trauer von Fans erst jetzt verstanden
Gerade in der Jugendarbeit merkt der Sohn einer marokkanischen Gastarbeiterfamilie, warum ihn Prince bis heute nicht loslässt: nicht nur wegen seines Sounds, sondern weil an ihm deutlich wird, wie man aus dem, was einen unsicher macht, Stärke ziehen kann.
Früher, sagt Gammour, habe er nicht verstanden, warum Menschen um ihre Lieblingspopstars trauern. Erst mit dem Tod von Prince habe sich das geändert. „Weil da jemand fehlt, der über lange Zeit einen festen Platz in deinem Leben hatte.“
Bei aller musikalischen Nähe zu Prince teilt Gammour in diesem Moment etwas mit vielen anderen Fans: den Verlust eines Menschen, die über Jahre einen festen Platz im eigenen Leben bekommen hat.
Prince: Ein Pop-Werk als Archiv des Lebens
Christoph Jacke, Professor für Theorie, Ästhetik und Geschichte der Populären Musik an der Universität Paderborn, beschreibt Popstars als „Teil des Archivs des Lebens“. Viele Menschen verbinden Songs, Erinnerungen und Lebensphasen mit ihnen.
Für Gammour lässt sich genau das an Prince ablesen. Er bleibt für ihn nicht nur Teil einer vergangenen Popära, sondern Künstler, Freigeist und Bezugspunkt. „Er war ein kreativer Teil, der mein Leben begleitet hat“, sagt Gammour. „Und er ist auch weit über seine Zeit hinaus wichtig geblieben für mich.“ Als Musiker und als jemand, an dem er sich immer wieder abarbeite.
An Prince hängen für ihn deshalb nicht nur Musik und Sound, sondern auch Lebensjahre, Einfluss und ein künstlerischer Maßstab: „Da ist einer gegangen, der mich noch sehr lange inspiriert hätte.“
Source: tagesschau.de