Zwischenhalt in Hamburg: Neuer Nachtzug Berlin-Paris steht in den Startlöchern

Die Wiederinbetriebnahme des Nachtzugs zwischen Berlin und Paris nimmt Gestalt an. Das niederländische Bahnunternehmen European Sleeper bestätigte am Dienstag den Start der Verbindung am 26. März – und kündigte zugleich an, dass der Zug vom 13. Juli an auch in Hamburg Halt machen soll.
Die Abfahrt vom Bahnhof Hamburg-Harburg nach Paris ist demnach für Montag-, Mittwoch- und Freitagabend geplant, mit Ankunft am Gare du Nord am nächsten Morgen. Sonntag-, Dienstag- und Donnerstagabend soll es in die entgegengesetzte Richtung von Paris nach Hamburg gehen.
„Mit der Einbindung Hamburgs wird die Rolle der Stadt als bedeutender internationaler Bahnknotenpunkt gestärkt und die Verbindung zwischen Westeuropa, Norddeutschland und Skandinavien deutlich verbessert“, zeigt man sich bei European Sleeper überzeugt. Die Hansestadt biete schließlich viele Anschlussverbindungen nach Dänemark, Schweden und Norwegen.
Den finalen Fahrplan stimmt das Unternehmen derzeit mit den Infrastrukturbetreibern entlang der Strecke ab. Detaillierte Fahrzeiten sollen in den kommenden Wochen bestätigt werden.
Hoher Platzbedarf, hohe Kosten
Im Dezember war die von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) in Kooperation mit der französischen Staatsbahn SNCF betriebene Nachtzuglinie zwischen Paris und Berlin eingestellt worden, nachdem der französische Staat Subventionen von fünf bis zehn Millionen Euro im Jahr gestrichen hatte.
2023 noch mit viel politischem Wirbel nach neun Jahren Pause reaktiviert, sahen sich die Betreiber mit den gleichen Rentabilitätsproblemen konfrontiert, die schon in der Vergangenheit zur Einstellung zahlreicher Nachtzuglinien geführt hatten.
Dazu gehört der hohe Platzbedarf von Liegeplätzen und Schlafwagenabteilen, aber auch die hohen Infrastrukturkosten – erst recht, wenn die Wagen grenzüberschreitend eingesetzt werden. Die technischen Standards und Anforderungen an die Lokführer und das Personal unterscheiden sich von Land zu Land.
Ein Sitzplatz in Flugzeugen und konventionellen Zügen lässt sich zudem mehrfach am Tag verkaufen, in Nachtzügen dagegen in der Regel nur einmal. Tagsüber stehen die Schlafwagen oft ungenutzt herum.
Platz ab 49,99 Euro
Bei European Sleeper glaubt man jedoch daran, dass die Nachtzüge zwischen Berlin und Paris rentabel betrieben werden können. Im November kündigte das Unternehmen die Wiederinbetriebnahme für März an. Anders als die eingestellte ÖBB-Linie soll sie nicht über Frankfurt, sondern Belgien führen – und neben Brüssel künftig eben mit weiterem Halt in Hamburg.
Der erste Nachtzug von Paris nach Berlin soll am 26. März um 17.45 Uhr starten mit Ankunft am Folgetag um 9.59 Uhr. Es gibt in beiden Richtungen drei Ticketkategorien. Sitzplätze im Abteil für sechs Personen sind für die Strecke Paris-Berlin von 49,99 Euro an erhältlich, Liegeplätze im Abteil für drei Personen starten bei 129,99 Euro.
Der erste Zug von Berlin nach Paris soll am 27. März um 18.31 Uhr starten und um 10.00 Uhr ankommen. Hier liegen die Preise etwas höher und starten bei 59,99 Euro.
Für 14 Euro lässt sich ein Frühstück dazubuchen, das etwa 45 Minuten vor Ankunft serviert wird. Es besteht aus Heißgetränk, Brötchen und Saft sowie Joghurt mit Müsli und Crackern mit verschiedenen Aufstrichen.
Von 2027 oder 2028 an dann auch nach Barcelona
European Sleeper mit Sitz in Utrecht ist ein genossenschaftlich organisiertes Privatunternehmen. 2021 in Utrecht von den beiden Niederländern Elmer van Buuren und Chris Engelsman gegründet, hat es im Mai 2023 eine erste Nachtzugverbindung zwischen Brüssel und Berlin in Betrieb genommen. 2024 wurde sie nach Dresden und Prag verlängert.
Neben Berlin-Paris will European Sleeper dieses Jahr auch eine neue Nachtzugverbindung von Amsterdam und Brüssel über Köln und die Schweiz weiter nach Mailand in Betrieb nehmen. Geplant ist das aktuell für Juni. Von 2027 oder 2028 an soll eine Linie nach Barcelona folgen.
Nach eigenen Angaben hat European Sleeper bislang schon mehr als sieben Millionen Euro von mehr als 6000 Geldgebern eingesammelt. In diesem Jahr erwarte man, die Gewinnschwelle zu erreichen, hatte Gründer van Buuren im November der F.A.Z. gesagt.
Aktuell führt das Unternehmen eine Finanzierungskampagne durch, an der sich Privatpersonen und Organisationen mit mindestens 160 Euro beteiligen können. European Sleeper will mit dieser Runde eine Million Euro einsammeln und das Geld für die Vorbereitungen der neuen Strecken verwenden, einschließlich der Beschaffung von Rollmaterial und anfänglicher Betriebskosten.