Zwischen Sicherheit und Regimewechsel – die Kriegsziele Israels

Soldaten stehen neben Panzern

Stand: 19.03.2026 • 12:15 Uhr

Israelische Soldaten sind nicht nur in Iran, sondern auch im Libanon, im Gazastreifen und im Westjordanland im Einsatz. Welche Kriegsziele verfolgt Israel? Und wie lange kann das Land diese Anstrengung durchhalten?

Die jüngste Umfrage unter der Bevölkerung in Israel gibt der Regierung in ihrem Kriegskurs Rückenwind: Mehr als 80 Prozent der Israelis unterstützen den Waffengang gegen Iran, hieß es vom Israel Democracy Institute. Und immerhin mehr als 60 Prozent der Befragten wünschen sich als Ergebnis der Offensive einen Regimewechsel in dem persischen Land.

Doch der Fall des Mullah-Regimes ist nicht das primäre Kriegsziel. Der Regierung gehe es vielmehr darum, ihre seit dem Terrorangriff der Hamas bestehende Sicherheitsdoktrin umzusetzen, meint die politische Analystin Mairav Zonszein. Ziel sei die Schwächung der militärischen Fähigkeiten jeglicher Akteure.

Daher höre man ständig von taktischen Schlägen gegen Irans Raketenproduktion, gegen die Raketenkapazitäten und seine Abschussrampen. Zonszein schränkt aber ein: Es werde nicht möglich sein, diese Kapazitäten komplett auszuschalten, aber man könne sie verringern.

Die militärischen Kapazitäten Irans zu verringern heißt konkret, die Langstrecken- und ballistischen Raketen sowie deren Startvorrichtungen zu zerstören. Damit sollen die direkten Angriffe auf israelisches Territorium so weit wie möglich unterbunden werden.

„Iran könnte jetzt erst recht aufrüsten“

Die USA und Israel versuchen daneben, alle Forschungs- und Produktionsstätten des iranischen Nuklearprogramms zu zerstören. Das erklärte Ziel: Iran darf keine Atombombe besitzen. Doch ob dieses Ziel zu erreichen ist – daran zweifeln viele Fachleute.

Der Iran-Experte Danny Citrinowizc schließt nicht aus, dass Iran nach dem Krieg und einer Übergangszeit erst recht versuchen wird, an eine Atombombe zu gelangen. Es könnte nach seinen Worten sogar der Auslöser sein, um weiter aufzurüsten: „Ich bin nicht sicher, ob wir sagen werden, dass dieser Kampf erfolgreich war. Er hat den Iran geschwächt, aber vielleicht war er es, der den Iran beim nuklearen Thema über den Rubikon gestoßen hat.“

Regimewechsel steht nicht an erster Stelle

Immer wieder greift Israel – nicht nur in diesem Krieg – zum Mittel der sogenannten „gezielten Tötungen“. Führende Kernphysiker und Ingenieure wurden getötet, hochrangige Politiker, Militärs und Geheimdienstchefs. Allen voran der Oberste Geistliche Führer des Iran, Ali Chamenei – gleich am ersten Tag des Krieges.

Aus israelischer Sicht ist hier das Ziel, das Regime zu destabilisieren und die Befehlsketten zu zerstören. Ein Regimewechsel steht hier nicht an erster Stelle. Auch, wenn dies aus Sicht von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu durchaus wünschenswert wäre.

In einer Rede drückte er die Hoffnung aus, dass die militärische und personelle Schwächung des Regimes in Teheran dem iranischen Volk die Möglichkeit gebe, dieses zu stürzen. Das werde nicht von heute auf morgen geschehen, so Netanjahu. „Aber wenn wir beharrlich bleiben, werden wir ihnen die Gelegenheit geben, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.“

Noch „Tausende Ziele“ im Iran

Das Regime in Teheran zeigt sich allerdings vergleichsweise widerstandsfähig. Alle getöteten Funktionäre haben meist mehrere designierte Nachfolger. Dies ist auch das Ergebnis von 47 Jahren, in denen das Land von einem brutalen und kompromisslosen, aber auch berechnenden Regime regiert wird.

Es handelt sich eben nicht um eine Terrorgruppe, die durch den Verlust ihres Anführers kopflos und chaotisch reagiert. Auch deshalb werde Israel diesen Krieg wohl noch einige Zeit fortsetzen, betont Israels Militärsprecher Effie Defrin. Er bescheinigt der Armee, eine geordnete, und gut geplante Kampfstrategie: „Wir haben Tausende weitere Ziele im Iran, und generieren täglich zusätzliche Ziele“, erklärt Defrin.

Pufferzone im Süden des Libanon

Iran ist aber nicht die einzige Front, die Israel in diesem Krieg hat. Kurze Zeit nach der israelischen Offensive gegen Iran feuerte die schiitische Terrormiliz Hisbollah aus dem Libanon Raketen und Drohnen vor allem auf den Norden Israels ab.

Als Reaktion begann Israel laut Armee mit einer „begrenzten und gezielten Bodenoperation“ gegen die Hisbollah. Inzwischen sind mehrere Divisionen israelischer Soldaten in den Südlibanon vorgedrungen. Ziel dürfte sein, eine Pufferzone zu schaffen, um möglichst zu verhindern, dass Israels Norden aus dem Südlibanon durch die Hisbollah gefährdet wird.

Noch ist unklar, ob es damit möglicherweise zu einerdauerhaften Besetzung libanesischer Gebiete kommt. Der frühere Leiter des Nationalen Sicherheitsrates Israels Giora Eiland schließt dies nicht aus. „Israel will eine Sicherheitszone im Süden des Libanon aufbauen, die menschenleer sein wird. Was von den zerstörten Dörfern übriggeblieben ist, wird komplett zerstört.“

Krieg als Wahlkampfthema

Innenpolitisch könnte der Iran-Krieg Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nützen. Israel rückt in Kriegszeiten zusammen – vor allem wenn der Gegner Iran heißt. Auch deshalb gibt es von Netanjahus härtesten politischen Kontrahenten kaum Kritik.

Doch noch ist es lange hin bis zur Parlamentswahl im Herbst. Netanjahu muss darauf hoffen, dass seine Kriegsziele mit Hilfe der USA möglichst bald erreicht werden. Eine monatelange militärische Hängepartie könnte ihm bei der angepeilten Wiederwahl schaden.

Source: tagesschau.de