Zuwachs von 12,8 Prozent: Der deutsche Automarkt erholt sich im September

Der deutsche Automarkt hat sich im September erholt; gegenüber September 2024 sind die Neuzulassungen um 12,8 Prozent gestiegen. Das berichtet das Kraftfahrtbundesamt in Flensburg. Der Blick auf die gesamten Neuzulassungen von Januar bis September ist jedoch ernüchternd: In den ersten neun Monaten 2025 ist der Gesamtwert der Pkw-Neuzulassungen gegenüber dem Vorjahr um 0,3 Prozent gesunken. Verglichen mit dem Vor-Covid-Jahr 2019 lagen die Neuzulassungen und damit der Verkauf an neuen Autos während der ersten neun Monate dieses Jahres um rund 23 Prozent niedriger.
Wieder etwas erholt hat sich der Absatz von batterieelektrischen Autos (BEV). Die erreichten nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes einen Zulassungsanteil von 19,3 Prozent. Insgesamt wurden 45.495 BEV zugelassen, gut 29 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit wurde der bisherige Höchststand für BEV-Zulassungen im September von 44.389 im September 2022, erstmals übertroffen. Kräftig gestiegen ist im September 2025 auch die Zahl der Neuzulassungen von Plug-in-Hybriden. Mit 27.685 Autos lag sie um 85 Prozent höher als im vergangenen Jahr. Das ergibt einen Anteil von 11,8 Prozent an allen Neuzulassungen.
Sorgen um Arbeitslosigkeit belasten Stimmung potentieller Autokäufer
Für das gesamte Autojahr 2025 erwartet Constantin Gall, Leiter Mobility in der Unternehmensberatung EY für Westeuropa, einen Neuwagenabsatz auf dem Niveau des Vorjahres. Für 2024 hatte das Kraftfahrtbundesamt knapp 2,82 Millionen Neuzulassungen ausgewiesen. Die Entwicklung begründet Gall mit dem Blick auf die trübe Wirtschaftslage in Deutschland.
Zunehmend träten große strukturelle Probleme des Standorts Deutschland zutage. „Dass nun zunehmend auch die steigende Arbeitslosigkeit zum Thema wird, drückt auf die Stimmung“, kommentiert Gall. „Gerade gut bezahlte Industriejobs stehen zur Disposition – und wer sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht, kauft kein neues Auto.“ Das Zulassungsplus im September sei daher nicht der Beginn einer Trendwende.
Ein Fünftel der Produktion entfällt auf Autos mit Stecker
Der Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) berichtet, die Autoproduktion in Deutschland sei im September mit 385.300 Stück stabil gewesen, mit einem Plus gegenüber 2024 von zwei Prozent, bei einem zusätzlichen Arbeitstag. Die Ausfuhr sei um zwei Prozent auf 292.900 gesunken. In den ersten neun Monaten 2025 seien in Deutschland 3,14 Millionen Autos hergestellt worden (plus zwei Prozent), davon 2,41 Millionen für den Export. Dabei ist die Zahl der Autos mit Ladestecker um 47 Prozent auf 600.000 gestiegen, davon waren 382.200 rein batterieelektrisch (plus 38 Prozent) und 217.800 Plug-in-Hybride (plus 64 Prozent).
Die verhaltene Autokonjunktur und die ungünstigen Standortbedingungen lasteten vor allem auf der mittelständischen Autobranche, berichtet der VDA von einer Umfrage unter den Mitgliedern. 77 Prozent der Mittelständler, also die Zulieferer, berichteten von starkem oder sehr starkem Auftragsmangel. 80 Prozent der Unternehmen wollten eigentlich geplante Investitionen in Deutschland verschieben, ins Ausland verlagern oder ganz streichen.
Chinesische Anbieter kommen kaum voran
Während in Europa oft von der wachsenden Konkurrenz chinesischer Hersteller die Rede ist, schlägt sich die Nachfrage nach Autos rein chinesischer Marken (ohne europäische Marken in chinesischem Besitz wie Volvo oder Gemeinschaftsunternehmen wie Smart) auf dem deutschen Markt noch nicht besonders nieder: Nach den Daten des KBA gab es im September für die elf chinesischen Markten 7170 Neuzulassungen, das entspricht einem Marktanteil von 3 Prozent. Auf BYD entfielen dabei 3255 Neuzulassungen, auf die Marke MG 2615. Für die ersten neun Monate 2025 ergibt sich für die elf chinesischen Marken ein gemeinsamer Marktanteil von 1,9 Prozent, mit 39.600 Neuzulassungen.
Der amerikanische Elektroautopionier Tesla konnte dagegen auf dem deutschen Markt den steilen Absturz bei den Neuzulassungen etwas bremsen. Verglichen mit September 2024 waren die Neuzulassungen im September 2025 nur noch um 9,4 Prozent gesunken, auf 3404 Autos und einen Marktanteil von 1,4 Prozent. Dahinter könnte aber auch eine Aktion zum Aufhübschen der Absatzzahlen stecken, wie sie bei Tesla oft am Quartalsende zu beobachten ist. Im gesamten Zeitraum der ersten neun Monate 2025 erzielte Tesla dagegen in Deutschland nur einen Marktanteil von 0,7 Prozent, mit einem Absatz von insgesamt 14.845 Neuwagen, halb so viele wie im Vorjahr.
Beim Blick auf den europäischen Automarkt der Unternehmensberatung EY zeigt sich, dass sich der Tesla-Absatz in den EU-Ländern sehr unterschiedlich entwickelte. In den wichtigen Elektroauto-Märkten Dänemark und Norwegen wurde im September 2025 gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 20 und 15 Prozent erzielt. In Spanien und Frankreich wuchsen die Zulassungszahlen um 3 und 2 Prozent. Dagegen gab es in Italien ein Minus von 26 Prozent, in den Niederlanden, Belgien und Schweden Absatzrückgänge zwischen 48 und 64 Prozent. Für diejenigen europäischen Märkte, deren Zulassungsdaten bereits vorliegen, errechnet EY einen durchschnittlichen Absatzrückgang in der EU im September von 15 Prozent.