Zur Kasse, Banausen! Andere Ticketpreise zum Besten von Touristen im Louvre

Wer nicht aus der EU kommt, zahlt im Louvre bald deutlich mehr Eintritt: 32 Euro statt 22. Ist das nur fair, wenn Touristen bereit sind, in Paris 40 Euro für eine (leere!) Tüte von Louis Vuitton zu bezahlen?


Mit seinen 10 Millionen Besuchern ist der Louvre das meistbesuchte Museum der Welt

Foto: Eric Broncard/Hans Lucas/picture alliance


Kunst kostet. Und nicht zu knapp. Museen geben nicht nur Geld für Erwerb, Restaurierung und Erhalt von Kunstwerken aus. Spätestens seit dem spektakulären Juwelenraub im Pariser Louvre wissen wir, dass auch die sichere Aufbewahrung von Werken ihren Preis hat.

Drum will der Weltstar unter Frankreichs Museen ab dem 14. Januar 2026 die Modernisierung seiner Sicherheitssysteme durch höhere Eintrittspreise finanzieren. Allerdings nur für nicht-europäische Besucher, die zukünftig 32 statt 22 Euro hinblättern müssen, um die Mona Lisa zu bewundern. Ja, in Zeiten schrumpfender Budgets braucht es Fantasie, auch weil uns andere Ausgaben, wie der Verteidigungshaushalt, dringlicher erscheinen als die Soft Power Kultur. Da liegt das Besucher-Portemonnaie als Geldquelle natürlich auf der Hand.

In den USA passiert Ähnliches in den Nationalparks, wo ab diesem Jahr eine Sondersteuer von 100 Dollar für Nicht-Amerikaner fällig wird. Schnell fühlt man sich an Reaktionen auf Trump’sche Zollmanieren erinnert, so als wolle man sich in Europa „vom Ami und Chinesen“ auch nicht an der Museumskasse über den Tisch ziehen lassen.

Schnell ist man beim Klischee vom Kulturbanausen aus China oder den USA

Eine solche an die Nationalität gebundene Preispolitik wird bei touristischen Attraktionen immer beliebter und ist bei uns rechtens, solange es nicht gegen das EU-Gleichbehandlungsgebot verstößt, ergo EU-Bürger müssen ausgenommen bleiben. Natürlich kann man argumentieren, dass Einheimische ja bereits durch ihre Steuern staatliche Kultureinrichtungen mitfinanzieren.

Aber fühlt es sich deswegen richtiger an, wenn man die Besucher nach Staatsangehörigkeit unterteilt, so als hätten einige den Blick auf jahrhundertealte Kunst weniger verdient? Schon sind wir beim Klischee vom dummen Touri, der aus China oder den USA anreist und selbstredend ein Kulturbanause ist. Es ist in vielerlei Hinsicht das Gegenteil von Kultur als Brückenbauer und wirft auch die Frage auf, ob man in Zukunft einer Art „Racial Profiling“ beim Kartenkauf unterliegt, weil gerade bei nicht-europäisch aussehenden Menschen der Personalausweis besonders gründlich geprüft werden wird.

Andererseits ist Kunst natürlich zum Teil des weltweiten Massentourismus geworden und zu einer Ware verkommen. So ein Louvre-Besuch gehört für Weitgereiste oft genauso zur vermeintlich authentischen Paris-Erfahrung wie Disneyland, Eiffelturm, der Einkaufsbummel auf den Champs-Élysées oder eine Bootsfahrt auf der Seine.

So gesehen scheint es durchaus legitim, einen Zehner mehr im meistbesuchten Museum der Welt zu lassen. Immerhin kann man sich auch den Langstreckenflieger leisten, futtert sich gedankenlos durch mittelmäßige, aber überteuerte Brasserien und gibt für eine (leere!) Papiereinkaufstüte von Louis Vuitton 40 Euro aus. Ist also doch etwas dran, am Klischee vom ignoranten Kulturbanausen, der durch den Louvre latscht und das Ganze auf Instagram postet?

Kunst hat ihren Preis

Es schlagen zwei Herzen in der kulturaffinen Brust. Eines für Gleichheit und möglichst kostenlosen Zugang zu Kultur, die im besten Falle auf der Prioritätenliste eines freien, demokratischen Staates sehr weit oben stehen sollte. Aber auch eines, das sich sagt, dass Kunst eben ihren Preis hat, den man zu zahlen bereit sein sollte, wenn man doch andernorts für kommerzielle (verzichtbare) Konsumgüter die Geldbörse öffnet.

Fazit: Von den jährlich rund acht Millionen Besuchern des Louvre werden sich wohl die allermeisten nicht von der Preiserhöhung abschrecken lassen, und wenn so verhindert werden kann, dass weitere Ausstellungsstücke durch freche Räuber flöten gehen, ist erst einmal doch allen – auch den Geschröpften – geholfen.