„Zum Besten von mich ist jener Synodale Weg versperrt“ – Woelki sagt Teilnahme im Zusammenhang Kirchen-Treffen ab
Sechs Jahre Reformdebatte: Der Synodale Weg zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland will prüfen, was aus seinen Beschlüssen wurde. Zwei prominente Kritiker der Reformbewegung haben schon vorher abgesagt.
Vor gut sechs Jahren, am ersten Advent 2019, startete in Frankfurt der Synodale Weg. Unter dem Eindruck einer jahrelangen Kirchenkrise, die der Missbrauchsskandal noch verschärfte, starteten die Bischöfe und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) den Reformdialog zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland. In den folgenden Jahren wurde bei insgesamt fünf Vollversammlungen intensiv diskutiert und gerungen. Macht, Rolle der Frauen, Sexualmoral und priesterliche Lebensform lauteten die zentralen Themen, und manches kam ins Rollen.
Von Donnerstag bis Samstag kommen die 230 Mitglieder der Synodalversammlung nun noch ein allerletztes Mal zusammen, diesmal in Stuttgart, um Bilanz zu ziehen: Haben die insgesamt 15 verabschiedeten Papiere einen Effekt erzeugt? Wie steht es um die konkrete Umsetzung der Beschlüsse? Wo steht man innerhalb der synodalen Bemühungen der Weltkirche? Und wie geht es weiter?
Der Synodale Weg wurde von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) initiiert. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp und der Bischofskonferenz-Vorsitzende Georg Bätzing stehen dem Projekt als Präsidenten vor. Der Limburger Bischof kündigte allerdings unlängst an, Ende Februar nicht wieder bei der Wahl des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz zu kandidieren.
Woelki und Voderholzer nicht dabei
Zwei prominente Kritiker des Synodalen Wegs, der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, nehmen nicht an der Abschlusssitzung teil. Letzterer erklärte auf Anfrage, dass er an der zeitgleich in Rom stattfindenden Vollversammlung der vatikanischen Behörde für die Glaubenslehre teilnehme. Woelki sagte dem Onlineportal domradio.de am Dienstag: „Für mich ist der Synodale Weg abgeschlossen.“ Ursprünglich seien fünf Sitzungen vereinbart worden; „und an diesen habe ich auch teilgenommen“. Weiter erklärte er: „Ich bin wirklich davon überzeugt, dass alle Beteiligten – auch die des Synodalen Weges – letztlich das Gute für die Kirche wollen.“ Doch der Weg dorthin werde unterschiedlich gesehen.
Kritiker hatten dem Synodalen Weg zuweilen vorgeworfen, er führe zu einer Abspaltung von Rom. Und das, obwohl sich kein deutscher Bischof auch nur entfernt in diese Richtung äußerte und dies auch nie das Ziel der Laien war. Gleichzeitig war das deutsche Projekt ambitioniert und einzigartig – wiewohl viele der Themen auch in anderen Ländern diskutiert werden.
Mehrmals stand der Synodale Weg auch intern auf der Kippe. Bei der vierten Synodalversammlung 2022 scheiterte nach intensiver Debatte überraschend ein Text für eine Liberalisierung der katholischen Sexuallehre am Veto der Bischöfe. Frust und Enttäuschung machten sich breit, Tränen flossen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, nahm seine Mitbrüder vor den darauffolgenden Abstimmungen jedes Mal ins Gebet. Der Schreckensmoment wurde zum Lerneffekt: Man intensivierte die Kompromissfindung – und kein weiterer Text fiel in Zweiter Lesung durch. Hinzu kam, dass fortan auf Antrag jede finale Abstimmung namentlich erfolgte.
Vorbehalte auch aus Rom
Die inhaltliche Arbeit des Synodalen Wegs wurde dann auf der fünften Synodalversammlung im März 2023 beendet. Insgesamt verabschiedete das rund 230 Mitglieder umfassende Gremium 15 Papiere. Zu den greifbarsten Ergebnissen zählten die Liberalisierung des kirchlichen Arbeitsrechts sowie die Möglichkeit zur Segnung von homosexuellen Paaren.
Die Bischöfe Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Stefan Oster (Passau), Rudolf Voderholzer (Regensburg) und Kardinal Rainer Maria Woelki (Köln) hatten sich von Anfang an gegen eine Mitarbeit im Synodalen Ausschuss ausgesprochen – unter Verweis auf Vorbehalte aus dem Vatikan. An der Abschlusssitzung der Synodalversammlung jetzt nehmen nun Oster und der Eichstätter Übergangsleiter Alfred Rottler teil. Voderholzer begründete seine Absage auf Anfrage mit einer Terminkollision: Er nehme in Rom an einer Vollversammlung der vatikanischen Behörde für die Glaubenslehre teil, inklusive Papstaudienz am Donnerstag.
kna/krott
Source: welt.de