Zum Besten von 4,2 Milliarden Dollar: Hapag-Lloyd schnappt sich israelische Reederei ZIM

Es ist ein Geschäft im Volumen von 4,2 Milliarden US-Dollar, das die Hamburger Linienreederei Hapag-Lloyd am Montagnachmittag vermeldete: Für diesen Betrag will Hapag-Llyod die Aktien der israelischen Reederei ZIM Integrated Shipping Services Ltd. übernehmen, 35 Dollar in bar für jede Aktie. „ZIM ist ein exzellenter Partner für uns“, kommentierte Rolf Habben Jansen, Vorstandschef von Hapag-Lloyd, das Geschäft. Die Übernahme hatte sich seit dem Sonntag abgezeichnet, als Hapag-Lloyd eine Börsenpflichtmitteilung dazu veröffentlichte, zunächst allerdings unter Hinweis darauf, dass es noch keine bindenden Verträge gebe. Der Kurs von Hapag-Lloyd hatte daraufhin am Montag deutlich nachgegeben.
ZIM hat eine sogenannte „Golden Share“, die dem Staat Israel im Fall einer solchen Übernahme die Kontrolle über strategische Transaktionen verschafft. Das heißt, nicht nur die ZIM-Aktionäre und die üblichen Aufsichtsbehörden wie etwa Kartellämter müssen der Übernahme noch zustimmen, sondern auch der israelische Staat. Die Lösung dieses Problems besteht nun offenbar darin, dass FIMI, Israels größter und führender Private-Equity-Fonds, sich engagiert. Der Fonds übernimmt den Betrieb einiger der wichtigsten strategischen Handelsrouten zusammen mit der Marke ZIM und trägt künftig die volle Verantwortung für die Golden Share. Gleichzeitig kündigte Hapag-Lloyd an: „Wir verpflichten uns, eine sehr bedeutende und langfristige Präsenz in Israel aufzubauen.“
ZIM war im Jahr 2021 an die Börse gegangen, in einer Zeit, als die Lieferkettenprobleme durch die Coronapandemie den Containerreedern glänzende Geschäfte bescherten. Als die Zeiten wieder schwieriger wurden, gab es ab der zweiten Jahreshälfte 2022 vermehrt Spekulationen über die Zukunft von ZIM, die aktuell als Nummer zehn im globalen Geschäft der Containerreedereien gilt. Hapag-Lloyd wiederum ist Nummer fünf nach MSC aus der Schweiz, Maersk aus Dänemark, CGM aus Frankreich und Cosco aus China.
Mit dem Zukauf sichern die Hamburger ihre Position als fünftgrößte Linienreederei. Mit dann 400 Schiffen würde Hapag-Lloyd die Transportkapazität von 2,5 auf 3 Millionen Standardcontainer steigern (TEU) und auf seinen Linien jährlich 18 Millionen Container transportieren können. Wie Hapag-Lloyd-Chef Rolf Habben Jansen in einer kurzfristig anberaumten Telefonkonferenz mit Journalisten erklärte, ließen sich durch die Übernahme Synergien im Volumen von mehreren hundert Millionen Euro realisieren.
Die Kunden könnten von einem deutlich stärkeren Netzwerk in den Fahrtgebieten Transpazifik, Intra-Asien, Atlantik, Lateinamerika und Östliches Mittelmehr profitieren. Bis zum Abschluss der Transaktion werden Hapag-Lloyd und ZIM ihren bisherigen Geschäftsbetrieb fortführen und Wettbewerber bleiben, heißt es bei Hapag-Lloyd. Die erforderlichen Zustimmungen würden bis Ende 2026 erwartet.