Zinsentscheidung zum Besten von März: Warum die EZB die Zinsen trotz Ölschock nicht anrührt

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die Leitzinsen im März unverändert. Das hat die Notenbank am Donnerstag nach der Zinssitzung des EZB-Rates für diesen Monat mitgeteilt.

An den Finanzmärkten war die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung auf dieser Sitzung nach dem Ölpreisschock zuletzt mit rund zehn Prozent bewertet worden.

Nach dem starken Anstieg der Preise für Öl, Gas und Benzin mit dem Beginn des Irankriegs waren die Inflationserwartungen an den Finanzmärkten deutlich nach oben gegangen. Je nach Dauer des Konflikts und der Sperrung der für Öltanker wichtigen Straße von Hormus wollten Ökonomen Inflationsraten von 2,5 bis 3 Prozent und mehr nicht ausschließen. Auch die EZB revidierte ihre Inflationsprognose deutlich nach oben, auf 2,6 Prozent in diesem Jahr, 2,0 Prozent im nächsten und 2,1 Prozent in 2028.

Die EZB hat sich aber offenkundig für eine zunächst abwartende Haltung entschieden. Immerhin war sie noch vor Kurzem mit einem Unterschreiten ihres Inflationsziels von zwei Prozent konfrontiert gewesen. Die Inflationsrate im Euroraum hatte im Februar 1,9 Prozent betragen, nach 1,7 Prozent im Januar.

Dass der enorme Anstieg der Energiepreise keine Auswirkungen auf die Inflationsrate im März haben wird, gilt als ausgeschlossen. Wie stark der Anstieg ausfallen und wie dauerhaft er sein wird, ist aber noch mit ähnlich viel Unsicherheit behaftet wie die Auseinandersetzung insgesamt.

Australien hat anders entschieden

Der wichtigste Leitzins, der Einlagensatz, den Banken für ihre Einlagen bei der Notenbank bekommen und der Auswirkungen auf die Sparzinsen hat, verbleibt damit auf 2 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken Geld gegen Sicherheiten bei der Notenbank leihen können, liegt weiterhin bei 2,15 Prozent. Und der Spitzenrefinanzierungssatz für Übernachtausleihungen beläuft sich weiterhin auf 2,4 Prozent.

Anders als die EZB hat die australische Notenbank in dieser Woche die Leitzinsen angehoben. Sie hat die gestiegenen Inflationsrisiken durch den Energiepreissprung sogar ausdrücklich als Grund genannt. Der Präsident des Ifo-Instituts in München, Clemens Fuest, hatte auch für die EZB eine frühe Zinserhöhung ins Gespräch gebracht, um eine böse Überraschung bei der Inflation wie nach Beginn des Ukrainekriegs zu vermeiden. Die amerikanische Notenbank Federal Reserve (Fed) und die Japanische Notenbank dagegen hatten wie die EZB die Leitzinsen unverändert gelassen.

Was heißt das für Verbraucher?

Für Verbraucher waren die Zinsen zum Teil schon gestiegen. Insbesondere die Spitzenangebote für Tagesgeld hatten nach dem Ölpreisschock etwas zugelegt, aber auch die Bauzinsen.

Nach Zahlen der FMH-Finanzberatung gab es im Durchschnitt für Tagesgeld zuletzt 1,45 Prozent. Bei diesem Durchschnittswert hatte sich nicht so viel getan. Die Bauzinsen beliefen sich im Schnitt auf 3,85 Prozent für Darlehen mit zehn Jahren Zinsbindung, das war ein gewisser Anstieg.

Auch die Zinsen für Festgeld sind mit dem Ölpreissprung gestiegen, wie das Internetportal Verivox in einer Analyse berichtet. Bei einer Inflationsrate von 1,9 Prozent wie im Februar im Euroraum, erzielten Sparer damit positive Realzinsen, also einen Zinsertrag nach Inflation. Das könnte sich aber schnell ändern, meinen die Verivox-Zinsfachleute, wenn die Energiepreise die Inflation jetzt in die Höhe trieben.

In ganz Deutschland verfügbare Festgeldangebote mit zwei Jahren Laufzeit würden im Schnitt derzeit mit 2,09 Prozent verzinst, einjährige Festgelder lägen bei 2,02 Prozent. Die sehr langfristigen Festgelder mit zehn Jahren Laufzeit stünden bei 2,52 Prozent.

Im Falle einer Inflationsrate von 1,9 Prozent brächten durchschnittliche Festgelder unabhängig von der Laufzeit derzeit eine positive Realrendite. Der Realzins einjähriger Anlagen liege im Schnitt bei plus 0,12 Prozent. Zweijährige Festgelder lägen bei 0,19 und zehnjährige bei 0,62 Prozent.

Allerdings könnten die Realrenditen durchschnittlich verzinster Sparprodukte schon bald wieder ins Minus rutschen. „Durch den Irankrieg sind Heizöl und Sprit bereits deutlich teurer geworden. Und je länger der Konflikt anhält, desto stärker dürften auch die Preise für Lebensmittel, Importprodukte sowie noch viele weitere Güter steigen“, sagte Oliver Maier von Verivox. „Zumindest bei den kürzeren Laufzeiten dürften die durchschnittlichen Realzinsen schon bald wieder unter die Nulllinie fallen.“

Source: faz.net