Zentrum des Terrorismus: Plötzlich ist dieser Sahel wieder hinaus Trumps Radar
Es war ein ungewöhnlicher Gast, den Malis Außenminister kürzlich in Bamako empfing. Nick Checker, der Leiter des US-Büros für Afrikaangelegenheiten, nahm neben dem Minister auf einem Ledersofa Platz. Er sei gekommen, um „den Respekt der Vereinigten Staaten für die Souveränität Malis und ihren Wunsch nach einer Neuausrichtung der bilateralen Beziehungen sowie die Überwindung politischer Fehltritte zu bekräftigen“, teilte sein Büro vorab mit.
Um welche Fehltritte es sich handelte, blieb unklar, aber man sei auf die „Zusammenarbeit und den Austausch mit anderen Regierungen der Region, darunter Burkina Faso und Niger, in Bezug auf gemeinsame Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen“ gespannt, hieß es weiter.
Seit den Putschen in den vergangenen Jahren haben die neuen Machthaber in den drei Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger kaum eine Gelegenheit ausgelassen, um Frankreich und den ganzen Westen der Bevormundung und des Neokolonialismus zu bezichtigen. 2024 beendete die Militärregierung in Niger ein Abkommen über die Sicherheitskooperation mit den USA, denen sie eine „herablassende Haltung“ vorwarf. Das führte zum Abzug von 1000 amerikanischen Soldaten. Die dortige amerikanische Drohnenbasis wurde den nigrischen Streitkräften übergeben.
Ein Epizentrum des globalen Terrorismus
Die Regierung von Präsident Joe Biden und die europäischen Staaten hatten die Putsche scharf verurteilt. Dass sich die Militärregierungen danach Russland zuwandten, ließ beide Seiten noch weiter auseinanderdriften. Auch die Regierung von Donald Trump zeigte bis vor Kurzem kein besonderes Interesse an den Sahel-Staaten, die die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS verlassen und eine eigene Allianz gegründet haben. Vielmehr verhängten die USA voriges Jahr harsche Einreisebeschränkungen.
Doch nun zeichnet sich eine Wende ab. Washington ist offensichtlich wegen der Ausbreitung der islamistischen Terrorgruppen in West- und Zentralafrika alarmiert. Aus diesem Grund geriet jüngst auch Nigeria auf sein Radar. Die US-Regierung beschuldigte die Regierung Abuja erst, nichts gegen einen angeblichen „Genozid“ an Christen zu tun, und bot schließlich militärische Unterstützung an. Wie ernst das gemeint war, wurde an Weihnachten deutlich, als das amerikanische Militär ein Terroristen-Camp in einem nigerianischen Bundesstaat beschoss.
Der Sahel gilt als Epizentrum des globalen Terrorismus. Mehr als die Hälfte aller Terroropfer auf der Welt wurde in der Region getötet. Terrororganisationen mit Verbindungen zu Al-Qaida und dem Islamischen Staat (IS) dringen in den fragilen Sahel-Staaten immer weiter vor und bedrohen zunehmend die stabileren Küstenländer. Dabei handelt es sich großenteils um bestens bewaffnete, professionell agierende Organisationen, wie sich kürzlich bei einem Drohnenangriff einer zum IS gehörenden Gruppe auf den Flughafen der nigrischen Hauptstadt Niamey zeigte.
Verheerende Sicherheitslage
Die amerikanischen Bemühungen, mit den Militärregierungen ins Gespräch zu kommen, dürften daher in Mali, Burkina Faso und Niger auf Gehör treffen, auch wenn die Militärführer, insbesondere der markig auftretende und weithin populäre Ibrahim Traoré in Burkina Faso, weiterhin gegen die „imperialistischen Mächte“ im Westen wettern. Die verheerende Sicherheitslage war der Hauptgrund, weshalb die Putschisten nach der Machtübernahme vor allem von jungen Menschen in den Sahel-Ländern bejubelt wurden.

Selbst mit der Unterstützung russischer Kämpfer ist es den neuen Machthabern aber bisher nicht gelungen, die Dschihadisten zurückzudrängen. Die Sicherheitslage hat sich unter ihrem Regiment sogar verschlechtert. Menschenrechtsorganisationen beschuldigen Streitkräfte, Milizen und russische Kämpfer schlimmster Gewalttaten. Nach außen wird die Partnerschaft mit Russland gepriesen, doch Beobachter vermuten, dass hinter den Kulissen Frustration darüber herrscht, dass sich Moskau nicht stärker militärisch in Westafrika engagiert.
Die Hoffnung auf eine baldige Demokratisierung hat sich in dieser verheerenden Sicherheitslage noch weiter verflüchtigt. Die Putschisten in den drei Ländern haben zwar, wie bei solchen Umstürzen üblich, demokratische Wahlen versprochen, aber diese dann immer wieder verschoben.
In Burkina Faso löste Traoré außerdem jüngst per Dekret alle politischen Parteien auf und setzte Gesetze zur Organisation und Finanzierung von Parteien außer Kraft. Ein Minister nannte den Schritt einen Teil der Bemühungen, den Staat „wiederaufzubauen“ und eine „Polarisierung der Bürger“ durch ein Mehrparteiensystem zu verhindern. Im April vorigen Jahres hatte Traoré bereits verkündet, Burkina Faso sei keine Demokratie mehr, sondern die „Revolution eines progressiven Volkes“.
Den Annäherungsversuchen zwischen den USA und den Sahel-Staaten dürften solche Entwicklungen nicht im Wege stehen. „Die Demokratie wird stets geschätzt“, sagte etwa Trumps Afrika-Berater Massad Boulos in einem Interview, „doch unsere Politik besteht nicht darin, uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen. Es steht jedem frei, das für ihn passende System zu wählen.“ Priorität hätten „Frieden, Partnerschaften und Wohlstand“.
Die Regierung in Mali sieht das ähnlich. Nach Checkers Besuch in Bamako teilte sie mit, beide sähen die Wiederbelebung ihrer Beziehungen als eine „Win-Win-Situation“.
Source: faz.net